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95 Kilo und 200 Tage Pause: Lukakus starke Rückkehr

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Romelu Lukaku hat eine Seuchensaison hinter sich. Immer wieder streikt der Körper des wuchtigen Stürmers. Jetzt soll der Routinier trotz all seiner Probleme Belgiens WM-Angriff beleben.

Seattle.

Romelu Lukaku holte den Ball aus dem Tor, als ob er ihn selbst hineingeschossen hätte - aber das war nicht der Fall. Der belgische Rekordtorschütze warf seine rund 95 Kilo bei der ersten Aktion gleich erfolgreich in den Fünfmeterraum, für den 1:1-Endstand sorgte letztlich Mohamed Hany mit einem Eigentor.

Der Ägypter war beim heißen WM-Auftakt so von Lukaku unter Druck gesetzt worden, dass er kaum Spielraum hatte. Gut zwei Stunden später schritt Lukaku gut gelaunt und mit riesigen schwarzen Kopfhörern durch die Interview-Zone des Stadions von Seattle. Über seine Rückkehr auf die große Bühne sprechen wollte der 33-Jährige nicht. 

90 Tore für Belgien

Das machten dafür andere. "Erster Ballkontakt, erstes Tor", kommentierte Mitspieler Youri Tielemans inhaltlich nicht ganz korrekt. Denn: Lukaku hatte den Ball gar nicht berührt. Die Einwechslung des bulligen Angreifers, der eine echte Seuchensaison hinter sich hat, veränderte das Spiel nach 64 schwachen belgischen Minuten trotzdem innerhalb weniger Sekunden.

Mit aller Wucht: Lukaku ist ein Strafraumstürmer.
Mit aller Wucht: Lukaku ist ein Strafraumstürmer. Bild: Maddy Grassy/AP/dpa

Das kam überraschend, denn genau jene 64 Minuten hat Lukaku für den SSC Neapel absolviert. Und zwar über die komplette vergangene Spielzeit. Und sonst? Ein Streik beim eigenen Club, drei knifflige Verletzungen und eine Ausfallzeit von insgesamt knapp 200 Tagen bis in den Mai hinein. Lukaku kam als Problemfall zu Belgiens Nationalteam, für das er in seiner Laufbahn 90 Tore geschossen hat - 53 mehr als der zweitplatzierte Kevin De Bruyne.

Garcia sieht schon jetzt "Happy End"

Wer die erste Stunde belgischer Ratlosigkeit gegen wuchtige Ägypter gesehen hatte, kam in der Mittagshitze von Seattle zu dem Schluss: Dieses Belgien und die übrigen Reste der ungekrönten goldenen Generation brauchen Lukaku noch, wahrscheinlich ein letztes Mal bei einem großen Turnier. "Für den Moment ist es wundervoll, dass diese Geschichte ein Happy End bekommen hat", sagte Trainer Rudi Garcia.

Doch es bleiben viele Fragezeichen. Hält der geschundene Körper des Sturmtanks, was ist insbesondere mit dessen anfälligen Oberschenkeln? Und vor allem: Kann Lukaku in der amerikanischen Sommerhitze längere Distanzen gehen als die gut 25 Minuten beim WM-Start?

Jungstars noch nicht in WM-Form

"Er muss definitiv noch an seiner Fitness arbeiten, aber das ist verständlich nach den vergangenen Monaten", sagte Tielemans in einer im Fußball eher ungewohnten Deutlichkeit. Allen körperlichen Defiziten zum Trotz wäre Lukaku per Kopf in der Schlussphase beinahe noch das Siegtor gelungen.

Hätte noch das zweite Tor machen können: Lukaku.
Hätte noch das zweite Tor machen können: Lukaku. Bild: Manu Fernandez/AP/dpa

Lukaku ist Teil der Generation, die über ein halbes Jahrzehnt hinweg mit dem Etikett Geheimfavorit durch die Turniere zog - aber nie ein großes Endspiel erreichte. Auch der gegen Ägypten starke Torhüter Thibaut Courtois (34 Jahre) und De Bruyne (34) deuteten an, dass sie für das Garcia-Team sportlich noch wertvoll sind. Das wird nötig sein, denn die neue Generation um Jungstar Jeremy Doku zeigte sich nicht in WM-Form.

Trainer stellt Lukaku Startelfeinsatz in Aussicht

Die Vorrunde mit den weiteren Prüfungen Iran und Neuseeland wird nicht der Gradmesser für Belgien sein. Dafür kann Lukaku weiter Spielpraxis sammeln, bis es im Sechzehntelfinale ernst werden dürfte. "Er kann auch von Anfang an spielen", sagte Garcia über seinen Angreifer.

Im Ausgleichstor steckte gewissermaßen die ganze Symbolik des Lukaku-Themas für Belgien. Der Stürmer zog den Sprint in den Fünfmeterraum an und war mit seiner ganzen Wucht präsent. Bei 30 Grad und praller Sonne um 13.30 Uhr mittags wirkte Lukaku aber auch nicht unglücklich, nach diesem ersten Kraftakt schnell zur Trinkpause zurück an die Seitenlinie zu dürfen.

(dpa)

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