Hochscheidt verzückt die Veilchen

Erzgebirge Aue gewinnt 2:1 beim FC St. Pauli. Gegen den Lieblingsgegner in der 2. Bundesliga gelingt Jan Hochscheidt ein Doppelpack. Damit bringt er Trainer und Mitspieler zum Schwärmen.

Hamburg.

Richtig bewacht wurden Jan Hochscheidt und Daniel Iyoha am Samstag in Hamburg erst nach Abpfiff. Die Auer Matchwinner mussten nach dem 2:1 (1:1)-Sieg des FC Erzgebirge beim FC St. Pauli zur Dopingprobe. Der zuständige ältere Herr wich dem doppelten Torschützen und dessen Vorlagengeber nicht von der Seite. Der Defensive der Kiezkicker war das in den 90 Spielminuten zuvor nicht gelungen.

Zweimal nutzte das Duo den Freiraum aus: Zum Ausgleich flankte Iyoha auf Hochscheidt, der im zweiten Versuch per Kopf traf (30.). Vor dem spielentscheidenden Treffer spielte der Jungspund den Routinier blind mit einem hohen Anspiel an (49.). "Ich habe gehört, dass er dort war. Ich kenne Jan und seine Tiefenläufe", erklärte Iyoha. "Wie er den Ball dann mit seinem vermeintlich schwächeren linken Fuß direkt nimmt, ist schon fast Weltklasse."

Auch FCE-Trainer Daniel Meyer schwärmte von Hochscheidts Qualitäten. "Jani ist jemand, der das Pendel in die eine oder andere Richtung ausschlagen lässt. Es ist ja nicht das erste Spiel, das er für uns entschieden hat." Fünf Tore und eine Vorlage gehen in dieser Saison auf das Konto des 31-Jährigen. Sein Wert für die Veilchen lässt sich aber nicht in Zahlen messen. Seit er im Sommer aus Braunschweig zurückkehrte, ist er der Dreh- und Angelpunkt in der Auer Offensive. Erwischt er einen schlechten Tag, lahmt der lila-weiße Angriff - wie bei den Niederlagen gegen Magdeburg und Ingolstadt in den ersten beiden Spielen nach der Winterpause.

"Ähnlich wie im Sommer ist er nach der Pause relativ schwer reingekommen", meinte Meyer am Sonnabend nach dem ersten Sieg seiner Schützlinge im Jahr 2019. "Heute war Jan ganz klar unser Matchwinner. Man hat gesehen, warum wir ihn nie infrage stellen, selbst wenn er eine schwächere Phase hat. Er macht uns einfach besser." Hochscheidt selbst wollte seine persönliche Leistung nicht zu hoch hängen: "Ich will niemanden speziell hervorheben. Wir können stolz sein, weil wir als insgesamt noch sehr junge Mannschaft diese Partie gedreht haben."

Die Veilchen bleiben damit der Angstgegner der Kiezkicker: Siebenmal konnte die Hamburger am heimischen Millerntor gegen die Erzgebirger nicht gewinnen, seit neun Duellen sind die Auer ungeschlagen und gegen keinen Club aus den alten Bundesländern entschied der FC Erzgebirge mehr Pflichtspiele für sich (zehn Siege in 17 Partien).

Doch die Serien hätten reißen können. Zu Beginn wackelte die Auer Defensive. Speziell auf der linken Seite, wo Dennis Kempe verletzt fehlte, kam St. Pauli mehrfach durch. So auch in der elften Minute: Christopher Buchtmann wurde im Strafraum freigespielt und erzielte unbedrängt das 1:0. Doch die Auer steckten nicht auf, sondern rissen die Partie an sich. "Kompliment an meine Mannschaft: Nach den beiden Niederlagen und dem frühen Rückstand so selbstbewusst Fußball zu spielen, ist nicht selbstverständlich", lobte Meyer. "Wir haben es uns verdient, auszugleichen und in Führung zu gehen. In der Schlussphase hatten wir auch ein bisschen Glück und haben die brenzligen Situationen überstanden." Die dickste Möglichkeit des FC St. Pauli vergab Alex Meier. Der Torschützenkönig der Bundesligasaison 2014/15 konnte eine maßgeschneiderte Flanke fünf Meter vor dem Tor nicht verwerten (79.). In der Nachspielzeit zappelte die Kugel sogar im Auer Netz, Schiedsrichter Florian Badstübner hatte jedoch zum Unverständnis der Hamburger Profis und Fans zuvor ein Stürmerfoul gesehen.

Vor knapp 30.000 Zuschauern gegen ein als Aufstiegskandidat gehandeltes Team bestanden zu haben, sorgte für viele zufriedene Gesichter bei den Veilchen. "Ein geiles Gefühl", sagte Iyoha. Der von Fortuna Düsseldorf ausgeliehene 21-Jährige entwickelt sich neben Pascal Testroet und Hochscheidt zur festen Größe in der Auer Offensive. "Mit jeder dieser Leistungen wird es schwerer, ihn im Sommer zu halten. Wir werden es aber versuchen", meinte Meyer.

Der Schlaks ist mit seiner Entwicklung noch nicht am Ende. Das sah man auch auf dem Kiez. In der 9. Minute scheiterte er in aussichtsreicher Position an St. Paulis Keeper Robin Himmelmann. "Das hat mich sehr geärgert. Zu diesem Zeitpunkt wäre das enorm wichtig gewesen", sagte Iyoha. Weil es Hochscheidt besser machte, konnte der Stürmer nach der Partie darüber lachen: "In meiner Karriere werde ich wohl noch mehr solcher Dinger versemmeln. Da muss man einfach weitermachen, den nächsten reinmachen oder zwei Tore vorlegen."

Statistik St. Pauli: Himmelmann - Zander (72. Schneider), Avevor (V), Carstens, Buballa - Moeller Daehli, Knoll, Buchtmann, Miyaichi (80. Neudecker) - Allagui (46. Sobota), Meier. Aue: Männel - Cacutalua (V), Wydra (V), Kusic (V) - Rizzuto, Fandrich, Riese, Herrmann (75. Baumgart) - Hochscheidt (80. Samson) - Iyoha, Testroet (88. Zulechner/V). Schiedsrichter: Badstübner (Windsbach); Zuschauer: 29.546; Tore: 1:0 Buchtmann (11.), 1:1, 1:2 Hochscheidt (30., 49.).

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