Geführt – und doch noch verloren. Der FCE bleibt im Tabellenkeller. Die „Freie Presse“ liefert die Geschichten des Spiels.
Die Ungeschlagenserie des FC Erzgebirge Aue ist gerissen. Die Veilchen mussten sich am Freitag trotz zwischenzeitlicher Führung beim SV Wehen Wiesbaden mit 1:3 (1:0) geschlagen geben und ließen damit die Chance ungenutzt, sich aus dem Tabellenkeller der 3. Liga zu schießen und sogar am Gegner vorbeizuziehen. Stattdessen bleibt die Situation im Lößnitztal extrem angespannt.
Solidarität mit der Fanszene: Die Auer Ultras durchleben dieser Tage einen Albtraum. Am Sonntag waren drei Führungsgruppen der aktiven Fanszene nach dem 0:0 im Heimspiel gegen VfB Stuttgart II überfallen worden, wobei nahezu alle Zaunsfahnen verloren gingen. Für Ultra-Gruppen bedeutet dies die Höchststrafe und einem Kodex zufolge zumeist die Auflösung der betroffenen Gruppe nach sich. Aus Solidarität der eigenen Fanszene gegenüber, lief die Mannschaft mit weißen Sonderaufwärmshirts und einer großen Rückennummer 46 auf den Rasen. Und nicht nur das: Einige Fanclubs verzichteten – aus Respekt und Solidarität den Ultras gegenüber – darauf, in Wiesbaden ihre eigenen Fahnen und Banner aufzuhängen. Wie erwartet gab es aufgrund der Abstinenz der Auer Ultra-Szene keinen lautstarken Support für die Härtel-Elf.
Knoten platzt nach 943 Tagen: Einige Veilchen-Anhänger hatten die Hoffnung schon aufgegeben und Neuzugang Julian Günther-Schmidt bereits als Fehleinkauf abgestempelt. In Wiesbaden aber zeigte er seinen Kritikern, dass sie ihn voreilig abgeschrieben hatten. In der 17. Spielminute landete der Ball nach einer Einzelaktion von Boris Tashchy vor den Füßen von Julian Günther-Schmidt, der das Leder eiskalt verwandelte. Trainer Härtel war begeistert, jubelte dem Angreifer sichtlich erleichtert zu. Der Rechtsfuß nämlich hatte seit dem 30. April 2023, damals noch im Trikot des 1. FC Saarbrücken, kein Drittligator mehr erzielt. Die ewige „Torflaute“ fand damit nach 943 Tagen ein Ende. Und beinahe hätte er in Wiesbaden sogar einen Doppelpack geschnürt. Allerdings hatte erst Wehen-Torwart Noah Brdar etwas dagegen (45.+3), dann stand er seinem Glück selbst im Weg: Er traf den Ball nicht voll und verpasste so ein weiteres Tor (65.).
Die Wiesbadener Standards: Bei der Heimpremiere des neuen Wehen-Trainers Daniel Scherning kamen die Hessen ausschließlich nach ruhenden Bällen zu Chancen – und irgendwann passierte das, was passieren musste. Die Härtel- Elf überstand eine Standardaktion nach der anderen und damit auch eine brenzlige Situation nach der anderen. Doch in der 53. Minute köpfte Justin Janitzek nach einem Eckball zum Ausgleich und leitete so die Wende ein.
Wehens Joker stechen: Trainer Daniel Scherning setzte in Hälfte zwei auf frische Kräfte von der Bank – und die machten am Ende zum Leidwesen der Lila-Weißen den Unterschied. Erst traf Donny Bogicevic nur wenige Sekunden nach seiner Einwechslung zum 2:1 (75.), dann erzielte Nikolas Agrafiotis auch noch das 3:1 (90.+5). Letzten Endes ließ der FC Erzgebirge seine Chancen ungenutzt, anders der Gastgeber. Der Härtel-Elf war das Fehlen einiger, wichtiger Offensivspieler anzumerken.
Statistik
Wiesbaden: Brdar - Wohlers (61. Schleimer), Gillekens (V), Hübner, Janitzek, May - Fechner, Gözüsirin (V/88. Greilinger) - Kaya (73. Bogicevic), Flotho (61. Agrafiotis), Johansson (88. Lewald)
Aue: Männel - Fallmann (V), Majetschak (V), Zobel, Seiffert (69. Collins) - Uhlmann (V), Fabisch - Clausen, Tashchy (79. Simnica), Ehlers (79. Weinhauer) - Günther-Schmidt (69. Bornschein)
SR.: Behrens (Berlin). Zu.: 2000. Tore: 0:1 Günther-Schmidt (17.), 1:1 Janitzek (53.), 2:1 Bogicevic (75.), 3:1 Agrafiotis (90.+5)






