Der FC Erzgebirge Aue, hier mit Angreifer Ricky Bornschein (li.) im Zweikampf mit Wiesbadens Jordy Gillekens, ist an diesem viertletzten Spieltag rechnerisch abgestiegen.
Der FC Erzgebirge Aue, hier mit Angreifer Ricky Bornschein (li.) im Zweikampf mit Wiesbadens Jordy Gillekens, ist an diesem viertletzten Spieltag rechnerisch abgestiegen. Foto: S. Sonntag/Picture Point
FC Erzgebirge Aue
Erzgebirge Aue rechnerisch abgestiegen – Unentschieden gegen Wehen Wiesbaden bei Minuskulisse

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Der FCE hat nun endgültig keine Chance mehr auf Rettung. Drei Tage nach dem Derbysieg in Chemnitz sind die Veilchen nach einem 2:2 gegen Wehen Wiesbaden rechnerisch abgestiegen.

Aue.

Der FC Erzgebirge Aue ist nun endgültig aus der 3. Liga abgestiegen. Am viertletzten Spieltag kamen die Lila-Weißen gegen den SV Wehen Wiesbaden nicht über ein 2:2 (1:1)-Unentschieden hinaus – zu wenig, um die ohnehin nur noch mathematische Möglichkeit auf den Klassenerhalt zu wahren. Der Traditionsclub aus dem Lößnitztal gehört ab dem Sommer erstmals nach 23 Jahren nicht mehr zum deutschen Profifußball, spielt dann erstmals in der Vereinsgeschichte nur in der vierten Liga. Die „Freie Presse“ liefert die Geschichten zum Spiel.

Minuskulisse im Erzgebirgsstadion: Drei Tage nach dem Derbysieg im Sachsenpokal-Halbfinale beim Chemnitzer FC spielte die Mannschaft von Trainer Khvicha Shubitidze vor einer Minuskulisse im Erzgebirgsstadion. Lediglich 5630 Zuschauer verfolgten die Partie gegen Wiesbaden. Ausgenommen von der Corona-Pandemie hatten seit dem Stadionneubau nur in der Saison 2022/23 gegen den SV Meppen weniger Leute ein Heimpunktspiel des FC Erzgebirge besucht als an diesem Samstagnachmittag. Selbst in der sonst so geschlossenen Westkurve blieben überraschend vielen Lücken. Die Unterstützung der aktiven Fanszene war angesichts des bevorstehenden, rechnerisch endgültigen Abstiegs dennoch passabel. „Wir stehen zu dir, egal ob in Liga 2, 3 oder 4. Lila-Weiß unser Lebenselixier. Und ihr werdet‘s alle sehen: Wismut Aue wird niemals untergehen“, sangen die Anhänger.

Shubitidze-Elf liefert schnelle Antwort: In der ersten Halbzeit sahen die Zuschauer ein ausgeglichenes Spiel beider Mannschaften. Wiesbaden hatte die erste dicke Möglichkeit des Spiels, Rechtsverteidiger Sascha Mockenhaupt allerdings ließ den Hochkaräter aus Nahdistanz liegen. Statt des scheinbar sicheren Führungstreffers kam nur ein Querschläger dabei heraus (6.). Abschlüsse sind nicht die große Stärke des Abwehrspielers – in den letzten vier Spielzeiten hat er kein einziges Tor erzielt –, Vorlagen offenbar aber schon: Mockenhaupt legte bei seiner nächsten Strafraumaktion quer auf Angreifer Moritz Flotho – das verdiente 0:1 für Wiesbaden (24.). Doch Aue schüttelte sich nur kurz um kam nahezu postwendend nach einem Freistoß aus dem Halbfeld zum Ausgleich. Tristan Zobel hämmerte den Ball aus spitzem Winkel ins kurze Eck (27.). Die erste halbe Stunde gehörte Wiesbaden, anschließend war Aue besser und erarbeitete sich durch Erik Weinhauer (37.) und Jamilu Collins (45.+1) weitere gute Gelegenheiten. Mit 1:1 ging es in die Pause.

Zobel-Slapstick: Nachdem Wiesbaden den besseren Start in die zweite Hälfte erwischte, hatte Aue die beste Chance des zweiten Durchgangs und die Riesenmöglichkeit auf die Führung: Eine Halbfeldflanke köpfte Weinhauer aus abseitsverdächtiger Position zu Zobel. Alleine vor Wehen-Schlussmann Florian Stritzel trat der Verteidiger erst über den Ball und traf im zweiten Versuch aus kurzer Distanz nur das Außennetz. Es war eine Slapstick-Einlage, die eigentlich das 2:1 hätte bedeuten müssen (54.). Kurz darauf schoss Jonah Fabisch mit einem Distanzschuss knapp vorbei (59.).

May-Platzverweis: Innerhalb von nur zwei Minuten leistete sich Wiesbadens Niklas May anschließend zwei Fouls, kam zweimal deutlich zu spät und kassierte dafür die Ampelkarte. Der gebürtige Freiberger, der das Nachwuchsleistungszentrum von RB Leipzig durchlief, bei Viktoria Köln den Durchbruch in den Profifußball schaffte und seit dieser Saison in Wiesbaden spielt, musste vorzeitig unter die Dusche (69.). War das nun die Chance für den FC Erzgebirge, in Überzahl den ersten Rückrundensieg einzufahren und dem rechnerischen Abstieg zumindest an diesem Nachmittag noch zu entkommen?

Lord-Patzer, Seiffert-Tor, Lattenpech und Tränen: Das Vorhaben misslang. Ersatztorhüter Louis Lord, der für Routinier Martin Männel zwischen den Pfosten stand, leistete sich einen kapitalen Bock und griff nach einer von Tarik Gözüsirin getretenen Ecke daneben, wodurch der Standard auf direktem Wege im Tor einschlug. Plötzlich führten wieder die Gäste (78.). Aue gab aber nicht auf und kämpfte sich durch Moritz Seifferts Treffer nach Jamilu-Collins-Hereingabe zurück ins Spiel (84.). Beinahe wäre sogar tatsächlich noch das dritte Tor gefallen. Jonah Fabisch scheiterte allerdings mit einem strammen Linksschuss aus der Distanz am Querbalken (87.). So blieb es letztlich bei der Punkteteilung – der Abstieg war endgültig besiegelt. Im Erzgebirgsstadion ertönte nach Abpfiff das Lied „Steh auf, wenn du am Boden bist“ von den „Toten Hosen“. Stadionsprecher Mario Dörfel kündigte unter Tränen an: „Wir werden niemals untergehen!“ Es war ein ganz bitterer Nachmittag im Lößnitztal.

Statistik
Aue: Lord - Barylla (61. Seiffert), Malone, Zobel, Collins - Schmid (82. Ocansey), Majetschak (75. Uhlmann), Fabisch, Weinhauer - Bornschein, Bär (61. Günther-Schmidt)
Wiesbaden: Stritzel - Neubert (V/65. Lewald), Gillekens, Janitzek - Mockenhaupt (46. Nink), Bogicevic (82. Agrafiotis), Gözüsirin, May (V) - Kaya (73. Greilinger), Flotho, Kalem (65. Schleimer)
SR.: Lutz (Schweinfurt). Zuschauer: 5630. Tore: 0:1 Flotho (24.), 1:1 Zobel (27.), 1:2 Gözüsirin (78.), 2:2 Seiffert (84.). Gelb-Rot: May (69./wiederholtes Foulspiel)

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