Die Veilchen haben einen ordentlichen Auftritt im Ostseestadion hingelegt und einen bereits sichergeglaubten Punkt noch aus den Händen verloren. Die „Freie Presse“ liefert die Geschichten zum Spiel.
Zum Drittliga-Rückrundenauftakt stand prompt ein Ostkracher auf dem Programm. Der FC Erzgebirge Aue gastierte am Samstagnachmittag im mit 26.343 Zuschauern nahezu ausverkauften Ostseestadion. Dort wollte die Elf von Cheftrainer Jens Härtel einen gelungenen Start ins neue Pflichtspieljahr feiern. Doch daraus wurde nichts. In allerletzter Sekunde feierte der FC Hansa Rostock einen 2:1 (1:1)-Heimsieg im Ostderby. Die „Freie Presse“ liefert die Geschichten zum Spiel.
Hansas Geburtstagsparty: Am 28. Dezember 1965 wurde der Fußballclub Hansa gegründet. Er bildete sich aus dem Sportclub Empor Rostock, der 1954 wiederum seinen Ursprung in der BSG Empor Lauter genommen hatte. In der Winterpause jedenfalls feierte der FC Hansa seinen 60. Geburtstag – und dieses Jubiläum zelebrierten die Rostocker nun vor dem Jahresheimspielauftakt gegen den FC Erzgebirge mit einer Stadionchoreographie. Das gesamte Ostseestadion verwandelte sich in ein dunkelblau-gelbes Fahnenmeer. Es war ein sehenswerter Beginn eines ereignisreichen, spannenden Fußballspiels.
Frühe Schrecksekunde: In Abwesenheit des auf die Bank verdrängten Mannschaftskapitäns Martin Männel und des gelbgesperrten Marvin Stefaniak durfte Erik Majetschak erstmals die Härtel-Elf auf den Platz führen. Doch diese besondere Erfahrung konnte der Defensivspieler nicht lange genießen, denn schon nach wenigen Augenblicken war sein Arbeitstag im Ostseestadion beendet. In den Anfangsminuten erwischte Hansa-Angreifer Andreas Voglsammer den Mittelfeldspieler mit voller Wucht am Sprunggelenk. Majetschak versuchte, auf die Zähne zu beißen und weiterzuspielen. Die Schmerzen aber waren zu groß. Nach elf Minuten ersetzte Afrika-Cup-Rückkehrer Jonah Fabisch den verletzten Sechser.
Dirkner ärgert die Veilchen: Die Härtel-Elf hatte gut in das Ostderby hineingefunden, war bissig in den Zweikämpfen, spielte einen ansehnlichen Fußball und hatte in den ersten 20 Minuten die besseren Torchancen. Anschließend aber kam die Kogge besser ins Spiel – und kurz vor dem Pausentee belohnten sich dann die Hausherren für das dominante Auftreten. Mittelfeldspieler Jonas Michel Dirkner vollendete einen hervorragend vorgetragenen Angriff über die linke Seite und verwandelte ein punktgenaues Zuspiel von Voglsammer zum 1:0 (44.). Das Ostseestadion stand Kopf. Es waren Minuten, in denen sich die Kogge tatsächlich wie ein heißer Aufstiegsanwärter präsentierte.
Das Phänomen: Marcel Bär. Es benötigt keine weiteren Worte als den Namen dieses Angreifers. Der Stürmer fehlte dem FC Erzgebirge im Jahr 2025 gut achteinhalb Monate. Auslöser dessen war ein Achillessehnenriss, den sich der 33-Jährige beim letzten Auer Gastauftritt in Rostock (1:4) zuzog. Damals war er die Lebensversicherung der Veilchen. Er war überall auf dem Platz und machte viele, wichtige Tore, darunter Treffer aus Chancen, die nicht einmal vielversprechende Chancen waren. Im November vergangenen Jahres feierte er kurzzeitig sein Comeback, ehe er aufgrund einer Muskelverletzung erneut ausfiel. Im Sachsenpokal-Achtelfinale bei Lok Leipzig hatte er eine einzige Möglichkeit – und diese nutzte er zum 1:0-Siegtreffer. In Rostock war es nun ähnlich. Eine einzige Tormöglichkeit hatte Marcel Bär – und diese nutzte er im Stile eines Topstürmers eiskalt aus. Nach einer Mika-Clausen-Flanke sprang er hoch und köpfte den Ball zum 1:1 ins Tor. Es war der Ausgleich noch vor Halbzeitpause (45.+4). Und es war sein erster Drittligatreffer seit dem Spiel seiner Achillessehnenverletzung. Denn auch an diesem Tag hatte „Cello“ damals in Rostock getroffen. Ein Phänomen.
Ein Kampfspiel: Die zweite Halbzeit war umkämpft. Beide Mannschaften hatten ihre Möglichkeiten. Die Größte hatten zunächst die Gäste aus dem Erzgebirge. Marcel Bär hatte im Strafraum quergelegt auf Mika Clausen – die umgekehrte Co-Produktion des Ausgleichstreffers – doch Hansa-Keeper Benjamin Uphoff hielt stark und verhinderte Clausens Führungstor. In der Folge erhöhte Rostock den Druck und erarbeitete sich einige Chancen. In der allerletzten Szene des Spiels war es dann soweit: Ryan Naderi erzielte ein Traumtor, versenkte den Ball per Volleyabnahme im langen Eck. Ein krummes Ding, so hatte der Angreifer das Spielgerät nicht einmal perfekt getroffen. Während des Torjubels pfiff Schiedsrichter Dr. Robert Kampka ab und besiegelte damit die ganz, ganz bittere Niederlage für die Härtel-Elf.
Statistik
Rostock: Uphoff - Mejdr, (65. Neidhart) Gürleyen, Carstens, Bergh - Schuster, Dirkner (88. Krauß), Fatkic - Dietze (81. Harenbrock) - Voglsammer (65. Holten), Naderi
Aue: Lord - Barylla, Malone, Zobel, Collins (86. Seiffert) - Majetschak (11. Fabisch/V), Uhlmann (V(86. Simnica) - Clausen, Günther-Schmidt (68. Tashchy), Ehlers - Bär (68. Schmid)
SR.: Kampka (Mainz). Zu.: 26.343. Tore: 1:0 Dirkner (44.), 1:1 Bär (45.+4), 2:1 Naderi (90.+4).





