Elf Veilchen verpassen gegen zehn Ingolstädter einen Heimsieg. In der Nachspielzeit lässt sich die Härtel-Elf einen Dreier aus der Hand nehmen. Die „Freie Presse“ liefert die Geschichten zum Spiel.
Unmissverständlich war der Auftrag für den FC Erzgebirge Aue formuliert, den die Führungsriege des Fußball-Drittligisten unter der Woche ausgegeben hatte: „Gegen Ingolstadt am Sonntag zählen nur Punkte, es geht aktuell einzig und allein um Ergebnisse in einer schwierigen Phase.“ Den Auftrag hatten die Spieler verstanden und versucht, umzusetzen. In Überzahl aber verpassten die Veilchen einen Dreier, kassierten in der Nachspielzeit den Ausgleich und trennten sich so mit 2:2 vom FC Ingolstadt.
Die Zahl 46: Unmittelbar vor dem Anpfiff setzten die Erzgebirger ein Zeichen. Die Härtel-Elf inklusive des verletzungsbedingt im Kader fehlenden Martin Männel rollte ein großes Banner aus und drehte damit eine Runde im Mittelkreis. „Eine Familie – ein Verein. Wir sind Wismut Aue“ und eine große 46 war darauf zu lesen. Die Ziffer steht für das Gründungsjahr des Vereins und steht sinnbildlich für den Zusammenhalt im Verein. Die Aktion der Veilchen hatte offenbar gleich zwei Bedeutungen: Auf der einen Seite der Zusammenhalt in schweren Zeiten, auf der anderen Solidarität mit den eigenen Fans. Vor zwei Wochen waren die Ultras des Clubs überfallen worden und dabei wichtige Zaunfahnen und Banner verloren gegangen. Seither ist der Support eingestellt und die Zukunft der betroffenen Gruppen ungewiss.
Die Worte des Präsidenten: Vor der Partie war Vereinspräsident Thomas Schlesinger im Interview bei „Magenta-Sport“ zu Gast. Der Vorstandsvorsitzende sprach von einer „verfahrenen Situation“ und erklärte die Entscheidung unter der Woche, an Cheftrainer Härtel festzuhalten. „Wenn man das Jahr zurückverfolgt, ist die Situation eben nicht ausschließlich auf den Trainer zurückzuführen. Es sind viele Dinge passiert“, schilderte Schlesinger, der überzeugt davon sei, dass wenn alle Mann an Deck und einsatzbereit sind, das Team wettbewerbsfähig ist. Zeigen die Veilchen vor der Winterpause gute Leistungen und holen sie einige Punkte, könne er sich vorstellen, auch weiterhin dem Trainerteam das Vertrauen auszusprechen. „Mir imponiert, dass Jens trotz der ganzen Verletzungsmisere, die uns das gesamte Jahr begleitet, keine Ausreden sucht“, so Thomas Schlesinger.
Schiedsrichter im Fokus: Fußball wurde natürlich auch am Sonntag gespielt und nicht nur darüber im Vorfeld gesprochen. Ein gutes Fußballspiel aber war es zunächst nicht. Beide Teams taten sich in der ersten halben Stunde schwer, kamen kaum zu Torchancen. Der Schiedsrichter Simon Schreiner war es, der etwas Bewegung in die Sache brachte. Erst übersah er bei einem Ingolstädter Freistoß einen Schubser und dann ein Handspiel von FCI-Spieler Magnus Scholz, dann zappelte der Ball durch den Schuss von Frederik Carlsen (31.) im Auer Tor. Die Beschwerden der Veilchen änderten nichts an dem Rückstand. Nur kurz darauf aber war der Schiedsrichter erneut im Fokus, diesmal zugunsten der Elf von Jens Härtel. Nach einem Foul an Ryan Malone schickte er FCI-Angreifer Julian Kügel mit Rot vom Platz (33.). Es war eine sehr harte Entscheidung, die Aue Zuversicht und Hoffnung zurückbrachte.
Wilde zweite Hälfte: Durchgang Nummer zwei hatte gerade eben erst begonnen, da bejubelten die Auer bereits den Ausgleich. Nach einem tollen Angriff traf Marvin Stefaniak in seinem ersten Spiel nach Verletzungspause zum 1:1 (48.) und eröffnete so eine wilde, zweite Hälfte. Aue versuchte, auch noch den Führungstreffer folgen zu lassen. Ingolstadt lauerte auf Konter und kam vereinzelt sogar zu guten Tormöglichkeiten. Diese vereitelte aber stets Ersatzkeeper Louis Lord mit tollen Reflexen. So war es Jonah Fabisch, der Aue per Kopf auf die Siegerstraße brachte (79.). Dabei blieb es aber nicht. Elf Veilchen ließen zehn Ingolstädter zurück ins Spiel kommen. Magnus Scholz spuckte der Härtel-Elf in der Nachspielzeit in die Suppe und brachte den FCE um einen Dreier im Abstiegskampf.
Statistik
Aue: Lord - Barylla (60. Uhlmann), Malone, Zobel, Seiffert (60. Collins/V) - Majetschak, Fabisch - Clausen (80. Weinhauer), Tashchy, Stefaniak (60. Schmid) - Bornschein (V/80. Ehlers)
Ingolstadt: Eisele - Hoppe (84. Sturm), Lorenz, Scholz, Decker (61. Fröde) - Plath - Costly (90.+2 Maljojoki), Carlsen (V), Besuschkow (84. Drakulic), G. Christensen - Kügel
SR.: Schreiner (Reichenberg). Zu.: 5710. Tore: 0:1 Carlsen (31.). Rot: Kügel (33./Foulspiel), 1:1 Stefaniak (48.), 2:1 Fabisch (79.), 2:2 Scholz (90.+1)







