Fußball
Ohne Neuer in den Test der Emotionen: "Wie ein WM-Spiel"

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Diese Generalprobe hat es in sich. Gegen WM-Gastgeber USA soll die Siegesserie ausgebaut und die Brust der DFB-Stars breiter werden. Ein Comeback lässt aber weiter auf sich warten.

Chicago.

Oliver Baumann betrat unter den grauen Wolken als Erster den Rasen des Soldier Fields - gefolgt von Alexander Nübel und Jonas Urbig. Manuel Neuer aber fehlte beim Abschlusstraining der Fußball-Nationalmannschaft für die WM-Generalprobe gegen die USA. Das Comeback des Rekordtorwarts lässt also weiter auf sich warten. Gegen den Co-Gastgeber des XXL-Turniers wird wegen Neuers Wadenblessur erneut Baumann im Tor stehen. 

Neuer war auch im Soldier Field, sollte nach dpa-Informationen aber erst später seinen persönlichen Belastungsaufbau fortsetzen. Die Trainingseinheit war nur für 15 Minuten für Medien einsehbar. Im besten Fall wird Neuer zum WM-Auftakt am 14. Juni in Houston gegen Curaçao spielen können, vier Wochen nach seinem letzten Einsatz für den FC Bayern. Der Plan von Bundestrainer Julian Nagelsmann war ein anderer. 

Dennoch: Die Generalprobe gegen den stolzen Gastgeber USA wird für den Bundestrainer zum ultimativen Test der Emotionen. Im pickepackevollen Soldier Field will der Bundestrainer am Samstag (20.30 Uhr/RTL) den Turnierernstfall simulieren und stellt dafür sogar den fußballspezifischen Feinschliff zurück. 

Bestmarke für Nagelsmann möglich

Mit dem neunten Sieg in Serie und dem 600. Erfolg in der langen DFB-Geschichte soll der Zündfunke für die perfekte WM-Stimmung erzeugt werden. "Da haben wir keine klare taktische Idee, die super einen der Gruppengegner widerspiegelt. Es geht einfach darum, die Emotionalität aufzusaugen und auch bei dem Turnier dann quasi anzukommen", sagte Nagelsmann, der als Bundestrainer noch nie neunmal in Serie ungeschlagen blieb.

Der Countdown tickt unerbittlich Richtung Anstoß des XXL-Turniers. Fokus und Leidensbereitschaft will Nagelsmann sehen. Und seine Teamanführer haben den Plan verstanden. Die frühe Anstoßzeit kurz nach der amerikanischen Mittagsstunde und eine aufgeheizte Atmosphäre dank der mehr als 60.000 erfolgshungrigen Heimfans, das sind die Faktoren, die auch für Kai Havertz besonders sind. 

Havertz zieht WM-Vergleich

"Und deswegen gehen wir das Spiel an wie ein WM-Spiel und wollen natürlich auch wieder Selbstvertrauen sammeln", sagte der 26-Jährige, der nach der Erfolgssaison beim FC Arsenal in der Offensive bei Nagelsmann gesetzt ist.

Joshua Kimmich applaudiert nach dem Testsieg gegen Finnland. (Archivbild)
Joshua Kimmich applaudiert nach dem Testsieg gegen Finnland. (Archivbild) Bild: Tom Weller/dpa

Speziell macht das Kräftemessen die Siegesserie, die jetzt nicht reißen darf. Die WM-Brust darf ruhig noch etwas breiter werden. "Natürlich wissen wir, dass es noch Luft nach oben gibt, dass wir uns noch verbessern müssen, weil die Gegner besser werden. Das Spiel gegen die USA wollen wir noch positiv bestreiten - und dann sind wir bereit" versprach Kapitän Joshua Kimmich.

Das Rätsel um Gesundheit und Fitness von Neuer bestimmte die ersten Tage in Amerika. Schöne Bilder wurden von den DFB-Stars geliefert. Vom Spaziergang in der Sonne am Lake Michigan. Oder vom gemeinsamen Bummel zum Café im schicken Stadtteil Gold Coast. Das sah alles recht entspannt aus. Doch für 90 Minuten auf Wettkampfniveau reicht es noch nicht. Nagelsmanns Maxime heißt weiter Risiko-Minimierung. Die WM zählt, nicht der letzte Test. 

Jugend oder Erfahrung als WM-Faktor

Im Neuer-Hype gehen andere wichtige Personalfragen beinahe unter. Setzt Nagelsmann für den großen Titeltraum auf Jugend oder Erfahrung? Haben sich offensiv Lennart Karl (18) auf der rechten Seite und Nathaniel Brown (22) hinten links ganz unbekümmert in die Startelf gespielt - zulasten der arrivierten Leroy Sané (30) und David Raum (28)? 

"Wir Jungen sollen das allgemein hier ein bisschen reinbringen, einfach Unbekümmertheit, dass wir keinen Druck spüren und einfach frei aufspielen sollen. Ja, es läuft bis jetzt sehr, sehr gut. Und da wollen wir weitermachen", sagte der angeblich im Transfer-Flirt mit dem FC Bayern steckende Frankfurter Brown. 

Auch in der Mittelfeldzentrale muss Nagelsmann entscheiden, ob Felix Nmecha (25) und Aleksandar Pavlovic (22) wie zuletzt das Stammduo bilden. Leon Goretzka (31) wäre wieder außen vor. Harte Entscheidungen stehen an. 

Leon Goretzka (l). und David Raum (r.) auf dem Weg zu einem Termin in Chicago.
Leon Goretzka (l). und David Raum (r.) auf dem Weg zu einem Termin in Chicago. Bild: Federico Gambarini/dpa

"Ich glaube nicht, dass am Ende die Namen zählen, wenn es darum geht, ein Turnier zu gewinnen. Sondern vielmehr geht es um den Zusammenhalt, den Spirit in der Mannschaft. Und deswegen ist für uns alles möglich", sagte Verteidiger Jonathan Tah zu allen Personalspekulationen. 

Manuel Neuer (l.) und Jonas Urbig (r.) gehen in Chicago spazieren.
Manuel Neuer (l.) und Jonas Urbig (r.) gehen in Chicago spazieren. Bild: Christian Charisius/dpa

Bislang kann Nagelsmann auch froh sein, dass nur Neuer angeschlagen ist, er inklusive Trainingstorwart Urbig 26 fitte Spieler zur Verfügung hat. Das war vor großen Turnieren oftmals anders. Auch die nach dem 4:0 gegen Finnland lädierten "Arschbacken" von Deniz Undav sind kein Problemthema mehr. Keiner will den WM-Traum kurz vor knapp verletzt verpassen. 

Gastgeberrolle noch bekannt

Amerika sei "eine Top-Mannschaft", warnte Havertz. Den speziellen Druck, Turnier-Gastgeber zu sein, den kennen viele Spieler in Nagelsmanns Aufgebot noch von der Heim-EM 2024. Die US-Boys wollen ihren Fans etwas bieten. "Und deswegen wird es für uns ein guter Test sein, eine gute Probe fürs erste Gruppenspiel dann", sagte Havertz. Auch ohne Neuer. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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