Steher-DM in Chemnitz: Vor Heimpublikum auf das Podest

Bei den Deutschen Meisterschaften der Steher in Chemnitz fuhren die Lokalmatadore Robert Retschke und Holger Ehnert ein beherztes Rennen. Eine Entscheidung blieb danach noch offen.

Chemnitz.

Kurz nachdem Robert Retschke erschöpft vom Rad stieg, haderte er noch ein wenig. Gemeinsam mit seinem Schrittmacher Holger Ehnert vom gastgebenden RSV war er zuvor im Finale der Deutschen Stehermeisterschaft vor den rund 3000 begeisterten Zuschauern eine beherztes Rennen zu Bronze gefahren. "Ich hätte natürlich gern gewonnen, habe alles gegeben, war am Limit", ärgerte sich der 37-Jährige. Vor den Lokalmatadoren lagen nur die amtierenden Europameister Franz Schiewer aus Cottbus und Gerd Gessler (Erfurt) sowie das Duo Christoph Schweizer (Aachen), 2017 EM-Dritter hinter dem Derny, und André Dippel (Bielefeld).

Als Robert Retschke, der in Aachen wohnt, nach dem kräftezehrenden Lauf über eine Stunde, während der außergewöhnliche 70 Kilometer bewältigt wurden, ein paar Minuten verschnauft hatte, war die erste Enttäuschung verflogen. Wobei vor allem auch sein Partner für positive Stimmung sorgte. "Es war ein tolles Rennen, der dritte Platz ist okay. Wir haben unser Ziel erreicht", wertete Holger Ehnert. Schwierig war zunächst für die Chemnitzer, die seit 2012 ihre fünfte DM-Medaille erkämpften, dass sie nach dem üblichen Losentscheid vom achten und letzten Platz starten mussten. Sofort begannen sie eine Aufholjagd, behaupteten schon nach wenigen Minuten die zweite Position. Diese konnten sie bis weit über die Hälfte der Distanz halten, wehrten Angriffe immer wieder ab, ehe es Schweizer/Dippel doch gelang, vorbeizuziehen. "Vielleich sind wir auch zu schnell angegangen, haben da etwas überzogen", suchte Robert Retschke, der auf der Straße für das Team Lotto-Kernhaus fährt und am Sonntag schon wieder ein Rennen über 200 Kilometer in der Pfalz bestritt, nach Ursachen. An der Dominanz des späteren Siegerduos gab es nichts zu rütteln. "Aber Zweiter hätten wir werden müssen", schätzte er ein. Zudem Silber die weitaus bessere Empfehlung für einen Start bei der EM, die Anfang September in Erfurt stattfindet, ist.

Nachdem die Chemnitzer für die EM 2017 erst im letzten Moment aus dem deutschen Aufgebot fielen, müssen sie nun erneut bis zur offiziellen Nominierung bangen. Bundestrainer Mario Vonhof wollte sich unmittelbar nach dem Titelrennen noch nicht festlegen. Mit dem Berliner Stefan Schäfer, der zuletzt dreimal in Folge bei der EM auf dem Podest stand und 2016 Gold holte, fehlte zudem einer der potenziellen Kandidaten bei der Meisterschaft.

Ungeachtet der Entscheidung bleibt bemerkenswert, dass sich die Sachsen seit Jahren in diesem nationalen Spitzenbereich behaupten. Während Schiewer und Schweizer über die Sportgruppen der Landespolizei fast wie Profis trainieren, kann Robert Retschke nach seinem Vollzeitjob in der Kunststofftechnik nur in den Abendstunden oder an den Wochenenden intensiv in die Pedale treten.

Franz Schiewer bewies dabei in beeindruckender Manier, warum er derzeit das Niveau bestimmt. Er überrundete all seine Kontrahenten, ließ sich auch von einem zwischenzeitlichen Defekt an seinem Rad nicht aus der Ruhe bringen. "Es war trotzdem zunächst nicht einfach, da alle erwartet hatten, dass ich gewinne. Aber dann lief es sehr gut für mich", meinte der 27-Jährige, der sich seinen ersten Meistertitel hinter den Motoren holte. Zu seinen Meriten gehören aber DM-Gold im Punktefahren sowie in der Vierermannschaft (2), 2011 war er WM-Teilnehmer (Punktefahren). Neben dem Steherrennen widmet er sich als Partner für sehbehinderte Athleten auch dem Para-Cycling.

Altmeister mit toller Show

Ralf Keller (Foto) aus Grimma, einst mehrfacher DDR- und gesamtdeutscher Meister sowie EM-Starter, bestimmte das Rennen hinter den historischen Maschinen mit Schrittmacher Jörg Bauer auf einer Harley klar. "Wenn ich gedurft hätte, wäre ich auch bei der Meisterschaft gestartet und sicher nicht Letzter geworden", meinte der 55-Jährige, der inzwischen bei den Masters auf der Straße Titel einheimst. Aber die Altersbegrenzung liegt bei 50 Jahre.

Der sportliche Leiter Andreas Stöß, der als Schrittmacher auf einer Indian mit dem Leipziger Harry Kühnel fuhr, meinte: "Toll, wie uns die Zuschauer mit Ovationen begleiteten. Da waren alle Mühen vergessen." (mm)

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1Kommentare
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  • 5
    1
    bicicleta
    11.08.2018

    Ich war dort und es war eine gelungene Veranstaltung. Beschämend fand ich, dass das Publikum fluchtartig das Stadion verlassen hat, als der Sieger feststand. So fand die Siegerehrung in sehr kleinem Kreis statt. Schade.

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