Pokal: Handball-Zweitligist EHV Aue will Kieler Starensemble ärgern

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Die Erzgebirger empfangen in der zweiten Runde des DHB-Pokals eine Weltauswahl. Für Torhüter Erik Töpfer, der eine harte Zeit hinter sich hat, ging ein Wunsch in Erfüllung - auch wenn seiner Mannschaft eine Herkulesaufgabe bevorsteht.

Aue.

Handball darf aus Sicht von Erik Töpfer gern schnörkellos sein. "Scharfe Schüsse mag ich lieber als irgendwelche Dreher oder Eierdinger. Da kommt ein Ball direkt aufs Tor. Ob der 5 km/h weniger oder mehr hat, macht keinen Unterschied", sagt der Schlussmann des Zweitligisten EHV Aue. Kann man so sehen, muss man bei Wurfgeschwindigkeiten von über 100 km/h nicht. Aussuchen kann sich der Keeper das eh nicht. Schon gar nicht am heutigen Mittwochabend, wenn die Erzgebirger in der zweiten Runde des DHB-Pokals ab 19 Uhr den THW Kiel empfangen. Den 22-fachen Deutschen Meister und haushohen Favoriten, der mit einer Weltauswahl (siehe Infokasten) um die beiden Superstars Sander Sagosen beziehungsweise Domagoj Duvnjak anreist - und der dickste Brocken im Lostopf gewesen ist.

Beschwert hat sich im Lößnitztal keiner darüber. Erik Töpfer steht exemplarisch dafür. Für ihn ging zudem ein Wunsch in Erfüllung. "Vor der Auslosung hatte ich gesagt, dass ich gern Kiel oder die Rhein- Neckar Löwen hätte. Als es dann Kiel geworden ist, war die Euphorie bei allen groß. Wir freuen uns einfach, dass wir uns mit so einer Mannschaft messen dürfen", erzählt der 24-Jährige, der mit seinen Teamgefährten vor einer Herkulesaufgabe steht. Doch auch Bangemachen gilt in Aue nicht. "Eine Sensation ist immer möglich. Flensburg stand bei uns schon mal kurz vor dem Abgrund. Wir wollen die Kieler ärgern, eine Kaffeefahrt soll es für sie nicht sein", blickt Erik Töpfer voraus.

Zusammen mit dem erfahrenen Isländer Sveinbjörn Petursson (32) und dem jungen Pascal Bochmann (19) bildet der gebürtige Leipziger das Torhütergespann beim EHV. Petursson, der von 2012 bis 2016 schon einmal für Aue spielte, kennt er aus seinen Anfangsjahren im Erzgebirge. 2014 kam Töpfer, dessen Vater ebenfalls im Handball-Tor stand und dessen Zwillingsbruder als Schiedsrichter in der vierten Liga pfeift, von seinem Heimatverein Bornaer HV nach Aue. "Damals hat Sveinbjörn mir zusammen mit Radek Musil sehr geholfen, mich zu entwickeln. Jetzt sehen wir uns auf Augenhöhe, können uns jederzeit über die Leistung des anderen freuen und schätzen uns sehr", sagt Erik Töpfer. Ein weiterer Satz über die vereinsinterne Konkurrenz unterstreicht das nur: "Sveinbjörn und ich sind zwei völlig unterschiedliche Torhüter. Ich bin eher der athletische Typ, er der Instinkt-Handballer. Diesen Instinkt hätte ich gern."

Auch das Gespür für die gegnerischen Würfe werden die Auer gegen Kiel benötigen. Dabei hatte der Sachse in puncto Einsatzzeit in der Liga, in die Aue mit zwei Siegen, einem Remis und einer Niederlage stark gestartet ist, zuletzt die Nase vorn. Das ist nicht selbstverständlich. Der gelernte Einzelhandelskaufmann hat eine harte Zeit hinter sich. Im Februar 2020, die Verletzung war drei Monate zuvor im Spiel in Bad Schwartau passiert und verursachte immer größere Probleme, wurde bei ihm ein Abriss des Knorpelringes in der Schulter inklusive eines Knorpelschadens diagnostiziert. Operation und eine lange Reha folgten. Im Mai riss jedoch das Kreuzband im linken Knie.

Ein weiterer bitterer Tiefschlag, zumal er diese Verletzung im Alter von 16 Jahren schon einmal erlitten hatte. Zwangsläufig kam er ins Grübeln "Ja, der Gedanke ans Aufhören war da, etwa in der Reha, als es mit der Schulter nicht wirklich besser wurde", blickt Erik Töpfer zurück. Sie ist immer noch nicht völlig in Ordnung, weshalb der ehrgeizige junge Mann sagt: "Aktuell möchte ich erst einmal völlig gesund werden und bleiben und das Jahr zur Orientierung nutzen. Das heißt: Komme ich überhaupt wieder an die Leistung heran, die ich schon mal gebracht habe? Kommt der Spaß wieder? Ansonsten wäre es nur halb gar - und das ist nicht meine Mentalität."

Erik Töpfer, der beim EHV einen Vertrag bis Saisonende besitzt, möchte weiter Handball spielen. Gern in Aue, wo er sich heimisch und wohlfühlt, wo es nicht weit zur Familie und zur in Leipzig studierenden Freundin ist. Wenn die sportliche Perspektive stimmt, eventuell aber auch höherklassig. Entsprechende Angebote gab es nach seinen eigenen Worten vor der Verletzung. Inzwischen ist die Situation etwas anders: "Deshalb sage ich allen, unserem Verein oder auch wenn ein anderer Verein kommt, dass ich momentan noch nicht genau weiß, wie es weitergeht. Es geht voran, aber ich schaue erst mal und entscheide dann, ob ich weitermache oder etwas Neues probiere", lässt der 1,91 Meter große Torhüter seine Zukunft offen.

Ablenken wird ihn das am Mittwoch nicht. Dafür ist Erik Töpfer zu sehr fokussiert, zu sehr auf Erfolg programmiert. Das hat er gemeinsam mit zweien seiner Vorbilder, dem Deutschen Henning Fritz und dem Franzosen Thierry Omeyer. Die beiden Weltklassekeeper hüteten einst auch das Gehäuse beim THW. "Sie wollten immer gewinnen und haben das auch auf dem Feld ausgestrahlt. Bei Fritz hat mir die mentale Stärke imponiert, bei Omeyer das Wilde, das von ihm ausging. Kein Außen wollte in seiner Glanzzeit gegen ihn werfen. Das habe ich bewundert", erzählt Erik Töpfer

Die Außenpositionen der Kieler sind mit dem deutschen Nationalspieler Rune Dahmke, Magnus Landin, dem jüngeren Bruder von Torhüter Niklas Landin, auf der linken und dem Schweden Niclas Ekberg auf der anderen Seite auch nicht so schlecht besetzt. "Gegen Ekberg Bälle zu halten, das wird schon schwierig. Ich halte ihn, wobei es sicher auch andere Meinungen gibt, aktuell für den weltweit besten Rechtsaußen. Er spielt unheimlich effektiv, ohne jeden Schnickschnack", blickt Markus Töpfer voraus. Schnörkellos trifft es wohl auch.

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