Zschopau
Wie der „Vater“ des schnellsten Zweitakters der Welt MZ zu Ruhm und Ehre führte

Freie Presse auf Google News folgen

Über Jahrzehnte hinweg war Walter Kaaden Leiter der Sportabteilung beim Motorradbauer in Zschopau. Ohne den Erzgebirger, der vor 30 Jahren starb, wären viele Erfolge kaum vorstellbar gewesen.

Zschopau.

Wer mit der Historie der Motorradmarke MZ gut vertraut ist, wird Anfang März mitunter etwas nachdenklich. Zu tun hat das mit Erinnerungen an ein Urgestein, das die Entwicklung der Sportabteilung maßgeblich geprägt hat. Die Rede ist von Walter Kaaden, dessen Todestag sich am 2. März 2026 zum 30. Mal jährt.

Auch die Konkurrenz voller Respekt

„Er hat MZ weltweit zu Ruhm und Ehre geführt“, sagt Frank Schubert über Walter Kaaden. Der 76-jährige Waldkirchener kannte den Ingenieur sehr gut, weil er wie viele andere Fahrer als Sportler von seinem Wissen profitierte – und von seinem Charakter. „Bei allen, selbst bei der Konkurrenz, war er beliebt für seine Geradlinigkeit“, sagt der mehrfache Six-Days-Teilnehmer Frank Schubert, der bis zum Schluss als Betreuer für die MZ-Sportabteilung arbeitete. Er weiß, dass der Respekt vor Kaadens Lebenswerk auch heute noch groß ist. So besuchen Yamaha-Vertreter laut Kaadens Familie immer noch dessen Grab, wenn sie am Sachsenring zu Gast sind und der Weg zu seiner Ruhestätte nicht weit ist.

In seiner Abteilung war Walter Kaaden, hier zu sehen im Jahr 1965 (obere Reihe, in der Mitte mit Schlips), sehr beliebt.
In seiner Abteilung war Walter Kaaden, hier zu sehen im Jahr 1965 (obere Reihe, in der Mitte mit Schlips), sehr beliebt. Bild: /Repro: Thomas Fritzsch

Schon zu Lebzeiten war die Anerkennung groß. 1969 wurde Kaaden vom Motorrad-Weltverband FIM zum Vizepräsidenten der Internationalen Technischen Kommission gewählt. Außerdem wurde der Erzgebirger, dem bereits 1965 der Vaterländische Verdienstorden verliehen worden war, 1984 Ehrenmitglied des ADMV-Präsidiums. 1990 erhielt er auch noch eine goldene Ehrenmedaille von der FIM. Es war der krönende Abschluss eines Wegs, den der gebürtige Pobershauer mit einer Schlosserlehre im Zschopauer DKW-Werk begann. Im Sommer 1940 schloss Kaaden sein Maschinenbaustudium in Chemnitz ab und ging zum Berliner Flugzeughersteller Henschel, wo er als Konstrukteur und später als Versuchsingenieur arbeitete. 1942 heiratete er Ingeborg Deutrich, ein Jahr später kam Sohn Norbert zur Welt.

Ausflug in andere Branche nur von kurzer Dauer

Nach Kriegsende startete der Wahl-Zschopauer mit der Herstellung von Holzstabgewebe in die Selbständigkeit. Das Unternehmen Kaaden & Schmidt in Waldkirchen beschäftigte zeitweise mehr als 30 Mitarbeiter, ehe es 1952 durch die Behörden geschlossen wurde. Dass der Weg zurück zu MZ führte, lag auch an Kaadens Rennfahrertalent. Mit einer DKW RT 100 gewann er bei der 1. Winterprüfungsfahrt der DDR auf Anhieb seine Klasse. Damit weckte er das Interesse von Alfred Liebers, Technischer Werkleiter im VEB Motorradwerk Zschopau. Mit 33 Jahren landete der Ingenieur so im März 1953 erneut bei MZ. Betriebsdirektor Wolfgang Sibbe übertrug Kaaden die Leitung der Abteilung für Straßenrennen, später kam der Geländesport dazu.

Als Rennfahrer gewann Walter Kaaden auf einer IFA DKW für die BSG Motor Zschopau auf der Kleinen Haale-Saale-Schleife in seiner Klasse.
Als Rennfahrer gewann Walter Kaaden auf einer IFA DKW für die BSG Motor Zschopau auf der Kleinen Haale-Saale-Schleife in seiner Klasse. Bild: /Repro: Thomas Fritzsch

Unter seiner Regie wurde die Entwicklung des Zweitakt-Motors vorangetrieben, der Rennfahrern wie Siegfried Haase, Erhart Krumpholz, Horst Fügner und sogar dem englischen Grand-Prix-Sieger Alan Shepherd zu Erfolgen verhalf. Ein Meilenstein war 1955 zudem die erstmals ausgetragene Leistungsprüfungsfahrt „Rund um Zschopau“ mit Walter Kaaden als Fahrtleiter. Drei Jahre später wurde Horst Fügner mit seiner MZ RE 250 Vize-Weltmeister und gewann den Grand Prix von Schweden, 1961 wurde der MZ-Werksfahrer Ernst Degner Vize-Weltmeister. Dass sein Zögling den vorletzten WM-Lauf in Schweden für die Flucht in den Westen nutzte, sorgte bei Walter Kaaden für tiefe Enttäuschung.

In den 1960er-Jahren kaum zu schlagen

Der sportliche Aufschwung ging aber weiter, da die MZ-Trophy-Mannschaft der DDR 1963 erstmals den Gesamtsieg bei der Sechstagefahrt errang. Der Ruf als schnellster Zweitakter der Welt zementierte MZ mit weiteren Siegen in den Jahren 1964 bis 1967 und 1969. Wegen des finanziellen Aufwands zog sich MZ werksseitig 1976 aus dem Straßenrennsport zurück, konzentrierte sich danach ausschließlich auf den Geländesport. Ein letzter großer Erfolg gelang 1987 mit dem Trophy-Sieg bei der 62. Auflage in Polen. Als Berater stand der Mannschaft Walter Kaaden zur Seite, der am 2. März 1996 in Thum im Alter von 76 Jahren starb. (ritz)

Erschienen am: 02.03.2026 | 06:00 Uhr
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
Genießen Sie Ihren geschenkten Artikel!
Das könnte Sie auch interessieren
03.06.2026
3 min.
Erzgebirge trauert um Enduro-Legende
Erzgebirge trauert um Enduro-Legende - Hier ist Bernd Uhlmann 2012 beim Ehrenstart des Zschopauer Classic Enduro zu sehen.
Als dreifacher Trophy-Mannschaftssieger hat Bernd Uhlmann in den 1960er-Jahren auf MZ Geschichte geschrieben. Nun wird der gebürtige Zschopauer vielen Menschen fehlen.
Thomas Fritzsch
11.06.2026
2 min.
Nach Gewitter: England gewinnt WM-Generalprobe
Nach Gewitter: England gewinnt WM-Generalprobe - Anthony Gordon (links) und Declan Rice treffen beide beim Sieg Englands im letzten Test vor der WM.
Starkregen und Blitze sorgen in Orlando für Probleme: Die WM-Generalprobe Englands gegen Costa Rica kann nicht wie geplant beginnen. Dann aber läuft es gut für Tuchels Team.
20.03.2026
4 min.
Wie eine Hard-Enduro-MZ vor 25 Jahren das Licht der Welt erblickte
Wie eine Hard-Enduro-MZ vor 25 Jahren das Licht der Welt erblickte - Jörg Hübler, Frank Schubert, Michael Schmidt und Klaus Wieland (von links) sind stolz auf ihr Meisterwerk, das im Schloss Wildeck zu sehen ist.
In Eigenregie haben es vier MZ-Enthusiasten 2001 geschafft, binnen kurzer Zeit zwei Prototypen einer wettkampftauglichen Maschine herzustellen. Die ging zwar nie in Serie, zeigte aber durchaus ihr Können.
Thomas Fritzsch
10.06.2026
3 min.
Großprojekt an B 169 im Erzgebirge: Neuer Supermarkt setzt auf Shop-in-Shop-Konzept
Großprojekt an B 169 im Erzgebirge: Neuer Supermarkt setzt auf Shop-in-Shop-Konzept - Jana und Danilo Winter wagen in Lößnitz einen großen Schritt.
Ein moderner Edeka-Markt mit Shop-in-Shop-Konzept entsteht in Lößnitz. Die Highlights: Fisch-Theke, Sushi-Bar und großer Drogeriebereich. Doch im Vorfeld gab es Debatten.
Ralf Wendland
11.06.2026
1 min.
Iran meldet Angriffe auf US-Stützpunkte in Golfstaaten
Iran meldet Angriffe auf US-Stützpunkte in Golfstaaten - In Bahrain wurde angeblich das regionale Hauptquartier der US-Marine attackiert. (Archivbild)
Nach den jüngsten Attacken des US-Militärs spricht der Iran von Drohnenangriffen auf Ziele in den Golfstaaten Bahrain und Kuwait. Die Armee gibt Details dazu bekannt.
21:14 Uhr
2 min.
Erdbeben aus Tschechien im Vogtland und Erzgebirge spürbar
Erdbeben aus Tschechien im Vogtland und Erzgebirge spürbar - Der Seismograph einer Erdbebenwarte verzeichnet Ausschläge. (Symbolbild)
Rund 200 kleine Erdbeben seit Montagmorgen vermeldet Jens Skapski von der Plattform „Erdbeben in Deutschland“. Vogtländer aus diesen Orten haben sie gespürt.
Cornelia Henze
Mehr Artikel