Das neue Leben eines Handball-Torhüters

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Er hatte sein Heimatland Libyen aufgrund des Bürgerkriegs verlassen: Ehab Ibrahim Ben Husen lebt seit 2018 in Deutschland. Jetzt zieht es ihn von Freiberg nach Glauchau.

Glauchau/Freiberg.

Seinen Eltern und den vier Brüdern hatte er vorher nichts gesagt. Heimlich, still und leise machte sich Ehab Ibrahim Ben Husen von der libyschen Hauptstadt Tripolis aus auf den Weg nach Europa. "Ich habe meine Angehörigen erst informiert, als ich hier war", erzählt der 25-jährige Nordafrikaner, der seit der vergangenen Saison Torhüter beim Handball-Oberligisten HC Glauchau/Meerane ist.

Als junger Mann hat Ben Husen schon eine Menge erlebt. Es ist zehn Jahre her, dass in seinem Heimatland Libyen schwere Unruhen aufkamen. Als Anfang 2011 die Macht des langjährigen Diktators Muammar al-Gaddafi ins Wanken geriet, war dies der Beginn eines Bürgerkriegs. Nichts wie weg, sagte sich die Familie Ben Husens. "Wir sind für acht Monate nach Tunesien gegangen, bis sich die Lage in Libyen einigermaßen beruhigt hatte", berichtet Ehab. Die Hoffnung auf einen friedlichen Alltag in der Heimat erfüllte sich aber nicht. "Bis heute ist in Libyen immer mal wieder ein bisschen Krieg", sagt der 25-Jährige. Für seine Angehörigen offenbar kein Grund, das Land zu verlassen. "Meine Eltern haben Arbeit in Tripolis. Und auch meine Brüder wollen nicht weg."

Auch er hatte eigentlich alles, was man braucht - außer einem Leben in Sicherheit. Deshalb kam er über Italien nach Deutschland, wo er sich nun bestmöglich integrieren will: "Im August beginne ich eine Lehre als Zahnmedizintechniker." Ihm war wichtig, auch in Deutschland seinem Lieblingssport zu frönen: dem Handball. In Libyen galt er als einer der talentiertesten Torhüter. "Ich gehörte dort zur Jugendnationalmannschaft", erzählt Ben Husen, der noch in Freiberg wohnt und inzwischen gut Deutsch spricht. In Sachsen hat er bereits bei vier Vereinen zwischen den Pfosten gestanden. Nach kurzen Intermezzi bei der USG Chemnitz und dem Chemnitzer HC schloss er sich der HSG Freiberg an, wo er in der Saison 2019/20 vor allem in der zweiten Mannschaft in der Verbandsliga spielte.

Dort habe er zum Teil mit herausragenden Leistungen geglänzt, lobt HSG-Geschäftsführer Stefan Lange - und mit dazu beigetragen, dass die HSG II die verkürzte Serie auf Platz 2 der Verbandsliga Ost (25:9 Punkte) beendete. Zudem durfte der Youngster einmal Oberliga-Luft schnuppern (beim 31:20 gegen Oebisfelde). Künftig wollte Ben Husen aber eine Stammplatzgarantie in der Oberliga, sagt Lange, "die wir ihm natürlich nicht geben konnten". Schließlich hatte das Team zu diesem Zeitpunkt drei starke Torhüter, so der Manager.

Deshalb die neue Herausforderung: Ben Husen wechselte im Sommer 2020 zum Oberliga-Konkurrenten HC Glauchau/Meerane. "Wenn er eingesetzt wurde, hat er seine Leistung gebracht", lobt HC-Vorsitzender Frank Blauhut. Deshalb legte sich der Verein ins Zeug, um den Libyer zu halten. "Wir haben ihm eine Wohnung beschafft und werden ihn auch beim Umzug unterstützen", kündigt Blauhut an. Am 1. Juli soll es soweit sein. Der junge Mann hofft, dauerhaft in Deutschland bleiben zu dürfen: "Meine Aufenthaltsgenehmigung gilt bis 2023. Größter Wunsch wäre, die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen."

Im Kasten des HC will er nun um mehr Einsatzzeiten kämpfen. Er soll dabei die Nummer zwei hinter dem tschechischen Schlussmann Ludek Kylisek sein. Zuletzt ging der Keeper neben der wöchentlichen Videoeinheit regelmäßig laufen oder strampelte sich auf dem Hometrainer ab. Vereinschef Blauhut nimmt das zufrieden zur Kenntnis. (mit sb)

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