Der Ball fällt nicht weit vom Stamm

Joe Enochs, Trainer des FSV Zwickau, hat an der Universität in Sacramento studiert. Nun wird seine große Tochter für vier Jahre die väterlichen Wurzeln in Kalifornien erkunden. Und dort Sport treiben.

Zwickau.

Zum Saisonstart saß sie auf der Tribüne im "Schwanennest". "Es war sehr schön. Hat Spaß gemacht", kommentiert Emily Enochs den 2:0-Auftakterfolg des FSV Zwickau über den Halleschen FC. Und freute sich für den prima Einstand ihres Vaters beim neuen Verein.

Als das Angebot aus Zwickau kam, wurde es in der Familie natürlich diskutiert. Mit einstimmigem Ergebnis. "Ja, klar. Es ist halt ein Umzug. Aber wir haben immer gesagt: Wenn Papa geht, dann gehen wir alle mit", betont die 17-Jährige. Emily Enochs hat früher selbst Fußball gespielt. "Da war ich noch ganz klein", erinnert sich die junge Frau. Ihre Freundin Emma Eichmeyer, heutige Teamkollegin in der U-18-Nationalmannschaft, nahm sie jedoch mal mit zum Basketball, und weil sich die Trainingszeiten immer überschnitten haben, musste sie sich entscheiden. "Ich bin beim Basketball geblieben", verrät die 17-Jährige.

Den Schritt hat sie nicht bereut. Mit den Panthers Osnabrück spielte sie in der Nachwuchs-Bundesliga und zuletzt in der 2. Bundesliga. Beinahe wäre der Aufstieg ins Oberhaus gelungen, doch man scheiterte im Playoff-Finale an Wolfenbüttel. Emily Enochs konnte wegen einer Verletzung am kleinen Finger nur zuschauen. "Ende Februar im Training war ein Ball draufgekommen, ein Gelenk ist gebrochen gewesen, da bekam ich Metalldrähte rein." Inzwischen ist jedoch alles verheilt.

Seit drei Jahren ist sie im Fokus der Auswahltrainer. Beim Vier-Länder-Turnier um den Nordsee-Cup in Aalborg (Dänemark) vertrat sie 2015 erstmals die deutschen Farben. Im vergangenen Jahr kamen die Trainer auf sie zu und haben gefragt, ob sie nicht 3x3-Basketball spielen möchte, die Variante Drei gegen Drei auf einen Korb. Emily sagte zu. "Es ist viel schneller, weil man nur zwölf statt 24 Sekunden Zeit für den Angriff hat. Es passiert mehr, und es macht viel Spaß", begründet sie ihren Entschluss. Bei der U-18-WM in Chengdu (China) 2017 belegte sie mit dem deutschen Team Platz 8. Am Wochenende stand in Szolnok (Ungarn) die EM-Qualifikation auf dem Programm. Anfang Oktober geht es zu den 3. Olympischen Jugendspielen nach Buenos Aires.

Joe Enochs ist stolz auf seine Große. "Ich guck ihr sehr gern beim Basketball zu. Ich bin mit der Sportart aufgewachsen. Ich habe Emily immer unterstützt und freue mich, dass sie so viel erleben darf", erklärt der 46-Jährige. Ihre zweieinhalb Jahre jüngere Schwester Sophie spielt ebenfalls Basketball. Die Eltern stehen voll hinter den beiden. "Klar möchte ich, dass beide Mädchen ehrgeizig sind und Ziele erreichen wollen", unterstreicht Joe Enochs. "Aber der Sport ist auch unfassbar gut für die Sozialkompetenz. Dabei lernt man nämlich, in einer Mannschaft zusammenzuarbeiten."

Auch während der Ferien gönnt sich Emily Enochs wenig Erholung. Auswahl-Lehrgänge und Turniere fordern ihren Tribut. "So sieht mein Sommer halt aus. Ich könnte mir's nicht anders vorstellen. Es macht mir sehr viel Spaß", verrät die 17-Jährige. "Und gerade in der Off-Season lernt man am meisten. Dafür opfere ich gern meine Freizeit."

In wenigen Wochen düst sie über den Großen Teich. "Ich wollte eigentlich schon immer mal die Erfahrung machen, für längere Zeit nach Amerika zu gehen." Mit dem geplanten High-School-Jahr hat es wegen ihrer Auswahlverpflichtungen im Basketball nicht geklappt. Doch nun wird sie für vier Jahre in den USA studieren und gleichzeitig weiter Basketball spielen. An der Uni in Sacramento, an der auch ihr Vater einst war. Ihre Fachrichtung: Biologie. "Ich fand das schon immer interessant. Es hat mir in der Schule sehr viel Spaß gemacht. Ich hatte das auch als Leistungskurs im Abi", erzählt Emily. Das eröffne ihr viele Möglichkeiten der Berufswahl.

Dem FSV-Trainer tut es schon weh, die große Tochter so weit weg zu wissen. "Nicht nur ein bisschen. Sehr", gesteht Joe Enochs. "Aber sie hat sich dafür entschieden, und sie muss ihren eigenen Weg gehen." Verlassen braucht sie sich aber nicht zu fühlen. Der Vater: "Eine Stunde entfernt von der Uni wohnt meine Familie. Wir haben auch Bekannte in Sacramento, wo sie studieren wird. Deswegen hat sie dort viele Ansprechpartner. Viel Hilfe wird sie aber wohl gar nicht brauchen."

Die gemeinsame Zeit in Zwickau nutzten Joe und Emily Enochs zu familieninternen Basketballduellen. "Wir haben fast jeden Tag gegeneinander gespielt. Wir sind immer zur Mulde gefahren", berichtet der Vater. Früher hat er locker gewonnen. "Aber es wird immer schwerer."

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