WM-Infos
Xhakas Disziplin-Kritik: Schweizer WM-Start sorgt für Ärger

Freie Presse auf Google News folgen

Die Schweiz enttäuscht gegen Katar und holt nur einen Punkt. Der Kapitän wird deutlich. Überschätzt sich sein Team selbst?

Santa Clara.

Granit Xhaka war nach dem Schock in der Nachspielzeit sichtlich angefressen. "Wenn man keine Disziplin auf dem Platz hat, kann man auch gegen Katar nicht gewinnen", sagte der Schweiz-Kapitän in den Katakomben des riesigen WM-Stadions in der San-Francisco-Bay-Area.

Eigentlich will der langjährige Bundesliga-Profi mit seinem Team beim XXL-Turnier Großes Erreichen. Das 1:1 gegen den krassen Außenseiter Katar zum Auftakt ist da deutlich mehr als ein Stimmungsdämpfer. Denn für Xhaka steht fest: Es muss sich vieles ändern.

"Erstmal müssen wir mit beiden Beinen auf den Boden kommen und die Realität sehen", mahnte 33-Jährige. "Sehen, dass wir nicht so weit sind, wie wir vielleicht vor dem Turnier gesprochen haben." Von der besten WM aller Zeiten war da die Rede gewesen. Das hieße Halbfinale.

Hitze als Grund für Leistungsabfall?

Dem guten Start mit dem frühen Elfmetertor durch Breel Embolo ließen Xhaka und seine Teamkollegen kaum noch vielversprechendes folgen. Weitere Torchancen in der ersten Hälfte blieben - auch wegen des starken und als Spieler des Spiels ausgezeichneten Mahmud Abunada im Tor Katars - ungenutzt. Im zweiten Durchgang baute die Schweiz dann rapide ab.

"In der zweiten Halbzeit haben wir nicht mehr den Rhythmus gefunden, was uns in der ersten Halbzeit stark gemacht hat - nicht so viel Disziplin auf verschiedenen Positionen gehabt", sagte Xhaka und präzisierte damit seine Kritik. Ob die Hitze mit mehr als 30 Grad in der prallen Sonne Santa Claras Probleme gemacht habe, wurde er gefragt. "Nein", antwortete der Routinier kurz und knapp. Ausreden suchte er nicht.

Ihren WM-Auftakt hatten sich die Schweizer ganz anders vorgestellt.
Ihren WM-Auftakt hatten sich die Schweizer ganz anders vorgestellt. Bild: Peter Klaunzer/KEYSTONE/dpa

Tempo und Spielwitz fehlen

Die Mannschaft von Trainer Murat Yakin hatte zwar oft den Ball. Xhaka und seine Teamkollegen ließen das Spielgerät aber oft zu langsam zirkulieren, um die Abwehr der Katarer ernsthaft zu fordern. Kreativität und Spielwitz fehlten. "Wir hätten konsequenter, präziser und hungriger sein müssen", sagte Schweiz- und BVB-Torwart Gregor Kobel im ZDF. So kam Katar tief in der Nachspielzeit durch ein Eigentor von Miro Muheim vom Hamburger SV zum Ausgleich.

"Es war so in der Vergangenheit und wird sich auch in Zukunft nicht ändern: Wenn man die Tore nicht macht, dann kriegt man sie", stellte Xhaka ernüchtert fest.

Xhaka sieht auch möglichen positiven Effekt

Der frühere Bundesligastar und Doublesieger mit Bayer Leverkusen 2024 hofft auf einen schnellen Lerneffekt. "Ich glaube, das Ergebnis tut uns gut als Mannschaft, damit wir sehen, wo wir stehen", sagte er und ergänzte: "Damit wir auch sehen, dass wir mehr machen müssen, als wir vielleicht denken."

Granit Xhaka sieht großen Verbesserungsbedarf.
Granit Xhaka sieht großen Verbesserungsbedarf. Bild: Peter Klaunzer/KEYSTONE/dpa

In der Gruppe B, in der beide Partien des 1. Spieltags 1:1 endeten, ist Bosnien-Herzegowina am Donnerstag (21 Uhr/MagentaTV) der nächste Gegner. Zum Abschluss geht es gegen Co-Gastgeber Kanada.

"Wir müssen jetzt zeigen, dass wir die Lehren daraus ziehen, dass wir effizienter werden", appellierte Yakin. "Und dann bin ich überzeugt, dass es die nächsten zwei Spiele besser wird." Keeper Kobel forderte: "Jetzt müssen wir uns schnell wieder zusammenkriegen und dann in den nächsten Spielen Vollgas geben." (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
14.06.2026
4 min.
Schock in der Nachspielzeit: Schweiz nur 1:1 gegen Katar
Schock in der Nachspielzeit: Schweiz nur 1:1 gegen Katar - Das war nichts: Die Schweiz hat gegen Katar nicht gewonnen.
Die Schweiz will bei dieser Weltmeisterschaft Großes erreichen. Der Auftakt misslingt jedoch. Ein ausgebliebener Abseitspfiff sorgt zudem für Verwunderung.
Thomas Eßer, dpa
07:48 Uhr
3 min.
Hier gibt es bald Kofola, Rohliky und Süßmilch: Tschechischer Lebensmittelladen öffnet auf Sonnenberg
Hier gibt es bald Kofola, Rohliky und Süßmilch: Tschechischer Lebensmittelladen öffnet auf Sonnenberg - Andre Fercak und seine Familie öffnen am 26. Juni ein Geschäft mit tschechischen Produkten an der Hainstraße.
Mehr als 2000 Tschechen und Slowaken wohnen in Chemnitz, viele auf dem Sonnenberg. Dort will Andre Fercak einen tschechischen Lebensmittelladen öffnen. Aber das ist nur der erste Schritt.
Christian Mathea
06:55 Uhr
2 min.
Xhaka nach Kritik gut drauf: "Hunger wie nie zuvor"
Xhaka nach Kritik gut drauf: "Hunger wie nie zuvor" - Geht mit großem Optimismus in die WM: Schweiz-Kapitän Granit Xhaka (Archivbild)
Mit der Leistung der Schweiz war Granit Xhaka zuletzt sehr unzufrieden. Kurz vor dem WM-Auftakt gegen Katar spricht der Kapitän darüber - und auch über die erwartete Hitze.
10:00 Uhr
2 min.
Spannung vor der Preisverleihung in Wildenfels: An wen geht der Christoph-Graupner-Kunstpreis?
Spannung vor der Preisverleihung in Wildenfels: An wen geht der Christoph-Graupner-Kunstpreis? - Besucherinnen in der Ausstellung mit zum Christoph-Graupner-Kunstpreis eingereichten Arbeiten.
Der Christoph-Graupner-Kunstpreis des Landkreises Zwickau wird seit 1992 vergeben. In diesem Jahr stehen Malerei und Grafik im Fokus.
Holger Weiß
09:55 Uhr
4 min.
Burg Schönfels: Wenn Dienstmädchen Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ neu erzählen
Burg Schönfels: Wenn Dienstmädchen Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ neu erzählen - Andrea Klem, Claudia Lüftenegger, Sophie Hess und Ute Menzel in „Stolz und Vorurteil* (*oder so)“. Das Stück hatte am Samstag auf Burg Schönfels bei Zwickau Premiere.
Stolz und Vorurteil* (*oder so)“ feierte auf Burg Schönfels Premiere. Die Open-Air-Inszenierung des Theaters Plauen-Zwickau setzt auf schnelle Kostümwechsel, viel Musik und zwei starke Komödiantinnen.
Maurice Querner
07:45 Uhr
3 min.
Das gab’s noch nie: Olympiasiegerin Julia Taubitz wird erste Ehrenbürgerin in ihrer Heimatstadt
Das gab’s noch nie: Olympiasiegerin Julia Taubitz wird erste Ehrenbürgerin in ihrer Heimatstadt - Im Beisein von Oberbürgermeister Rolf Schmidt durfte sich Julia Taubitz ein zweites Mal ins Goldene Buch der Stadt eintragen.
Im Eiskanal hat die Rennrodlerin schon alles gewonnen. Nun bekam sie die höchste Auszeichnung der Stadt Annaberg-Buchholz verliehen. Ein Novum.
Patrick Herrl
Mehr Artikel