Abschiedsfest für Louis gefeiert

Reichenbach.

Mit einem Regenbogenfest hat Familie Höfer aus Reichenbach ihrem Louis einen besonderen Abschied bereitet. Der Zweieinhalbjährige war bei einem Unfall ums Leben gekommen. Am Samstagmittag wurde er auf dem Reichenbacher Friedhof beigesetzt. Viel Zeit blieb den Eltern Katrin und Johannes Höfer nicht, denn ab 15 Uhr trafen Freunde und Bekannte, aber auch wildfremde Menschen im Reichenbacher Stadtpark ein.

"Es sind viele Leute da, die ich nicht kenne", gestand Katrin Höfer mit Blick auf die Besucher. Vor allem junge Familien zog es in den Reichenbacher Stadtpark, Eltern mit Kindern, die kaum älter als Louis waren. Dort warteten zwei Hüpfburgen, Riesenbausteine, ein Fußballtor und andere Spiele auf die Kinder. "Es gehört sehr viel Kraft dazu, so etwas zu machen. Ich finde auch stark, dass sich die Eltern für eine Organspende entschieden haben", meint Stadtrat Thomas Höllrich (Die Linke), Opa eines Enkels in einem ähnlichen Alter. Und dass das Leben nicht immer gerecht ist.


"Ich habe mit meinen Kindern über den Tod des Jungen gesprochen. Sie haben nicht viel gesagt, aber die Idee mit dem Fest hier finden sie schön. Deshalb sind wir hier", sagte Nancy Klug aus Reichenbach. Die junge Frau hatte selbst 2011 einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften und kann erahnen, wie es den Eltern von Louis geht. "Ich kenne die Familie nicht und habe nur über Facebook davon erfahren, als ich an der Ostsee war. Über Paypal habe ich gleich etwas auf das Spendenkonto eingezahlt und auch jetzt möchte ich noch Unterstützung geben", so die Reichenbacherin. Zusammen mit ihrer Mutter steckte sie ein wenig Geld in die beiden Spendenboxen, die auf einem Tisch im Pavillon platziert waren, eine für Beerdigungskosten und eine für das Kinderfest, bei dem selbst Essen und Trinken nichts kosteten. Dass man mit Geld den Schmerz nicht lindern kann, war ihr klar. "Ich finde toll, was die Familie macht. Das ist viel schöner als eine normale Trauerfeier und viele Menschen können Anteil nehmen", so Nancy Klug.

"Hier bekommt jeder mit, was passiert ist. Unsere Gesellschaft ist so herzlos geworden. Jeder denkt nur an sich und ans Geld. Hier ist das anders. Es wäre überhaupt nicht schlimm gewesen, wenn die Leute für Essen und Trinken hätten bezahlen müssen", fand Edeltraut Paulus, die mit Tochter und Enkelkindern gekommen war. Die beiden Frauen folgten der Aufforderung von Louis‘ Eltern, etwas auf die bereitgelegten Zettel zu schreiben und die Botschaft in ein Glas zu stecken. Keine Beileidsbekundungen sollten es sein, sondern etwas Aufbauendes. Oder Erinnerungen an Erlebnisse mit dem kleinen Louis von denen, die ihn kannten.

Während Nancy Klug ihren Zettel zusammenfaltete, erhielt Katrin Höfer ein großes Geschenk. Eine Freundin brachte ihr einen riesigen Plüsch-Pandabären, aus dessen Bauch die Stimme von Louis kam. Immer wieder presste sie das Ohr an den Bauch und auch Gäste des Regenbogenfestes nutzten die Chance, die Worte Mama oder Papa zu hören. "Alles ist so, wie wir es wollten", sagte Louis‘ Mama mit einem Lächeln auf den Lippen und setzte den Bären auf den Kinderwagen von Tochter Amelie. Dann band sie für eines der Kinder einen der großen bunten Luftballons los, die Louis so geliebt hatte.

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