Nach anderthalb Jahren Umgestaltung: Reichenbacher Solbrigplatz feierlich eingeweiht

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Das Gründerzeitensemble ist aus dem Dornröschenschlaf erweckt worden. 350 Bürger kamen zur Einweihung. Dabei spielte nicht nur bei der Plastik "Der Jahrhundertschritt" Kunst eine tragende Rolle.

Reichenbach.

Sphärische Musik, von buntem Licht illuminierte Bäume und Fassaden, eine Bar mit Stehtischen, 150 Stühle und eine kleine Bühne: Dieses Ambiente empfing am Freitag, 21 Uhr die rund 350 Bürger, die in Reichenbach zur festlichen Einweihung des sanierten Solbrigplatzes gekommen waren.

Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) erinnerte, dass das städtebaulich wichtige Gründerzeitensemble über Jahrzehnte aus dem Fokus geraten war. 2006 wiesen die Häuser um den Platz herum einen Leerstand von 87 Prozent auf. 2016, als die Stadt begann, das Areal aus dem Dornröschenschlaf zu holen, sei das noch ganz ähnlich gewesen.

Zuerst sorgte die städtische Wohnungsbaugesellschaft Woba mit 4,5 Millionen Euro dafür, dass einsturzgefährdete Villen Platz machten für das neue Ärzte- und Wohnhaus Solbrigplatz 7 und 8. Aktuell saniere die Woba auch das Haus Nummer 6 für 2,5 Millionen Euro. Hier sollen weitere Ärzte und eine Krankenkasse einziehen. Als dicker Brocken bleibe der Stadtpalast Solbrigplatz 1. Zwischenzeitlich für Kunstausstellungen genutzt, brauche es jedoch, abgesehen von der Sanierung, ein cleveres Nutzungskonzept, so Kürzinger. Im März 2020 begann die Stadt mit der Umgestaltung der Platzes, der bis dahin vor allem als Abkürzung durch die Innenstadt und zum Parken genutzt wurde. 18 junge Amberbäume, zahlreiche Sitzelemente, ein Wasserspiel und ein Spielplatz laden heute ebenso ein wie das Unikat eines Buswartehauses. Die Gesamtkosten von 2,1 Millionen Euro wurden zu 90 Prozent gefördert. Kürzinger dankte allen Beteiligten.

Highlight des Platzes sei die Bronzeplastik "Der Jahrhundertschritt" des Reichenbacher Ehrenbürgers Wolfgang Mattheuer (1927-2004). 1984 geschaffen, gilt sie als eines der bedeutendsten Kunstwerke der DDR und als Parabel auf die Zerrissenheit des 20. Jahrhunderts. Die Stadt kaufte das Werk für 180.000 Euro an. Mit Spendenaktionen, Benefizgala und Fördermitteln sei es gelungen, die stolze Summe aufzubringen. Der OB verlas unter Beifall die Namen der Sponsoren und Förderer, die 500 Euro und mehr gaben und daher auf Spenderziegeln verewigt wurden. Viele der Spender waren am Freitag anwesend. Die Klinker werden in den nächsten Tagen noch auf dem Platz eingebaut. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Pianisten Alexander John aus Urbach bei Nordhausen.

"Die Geschichte lebt und ist präsent im öffentlichen Raum", kommentierte Frank Lorenz, künstlerischer Leiter des Fördervereins Kunsthalle Vogtland, die Mattheuer-Plastik auf dem Solbrigplatz. In den 80er-Jahren habe sie für Zündstoff gesorgt. Die verlorene Mitte, die sich im eingezogenen, im Rumpf versunkenen Kopf widerspiegele, habe Mattheuer dabei immer wieder in seinem Werk thematisiert.
Davon kündet auch das Kunstprojekt, das im Anschluss an den Festakt eröffnet wurde. Im Solbrigplatz 1 sind Repliken von Mattheuer-Werken zu sehen. Im Nachbarhaus Solbrigplatz 2 zeigen junge Künstler Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit Mattheuers Erbe.

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