Zweite Coronaprämie bringt erneut Frust

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Schon wieder gibt es Corona-Helden zweiter Klasse. Eine starre Regelung des Bundes grenzt Mitarbeiter der Psychiatrie komplett aus.

Plauen.

Die Erinnerung an den Ärger um die erste Corona-Prämie ist noch frisch. Eine bürokratisch-starre Regelung der Bundesregierung hatte die Auszahlung von willkürlich festgelegten Patientenzahlen und Klinikgrößen abhängig gemacht und kurz vor Weihnachten 2020 einen schwer nachvollziehbaren Strich durch die deutsche Kliniklandschaft gezogen. Das löste einigen Frust aus. Im Vogtland erhielten Mitarbeiter im kreiseigenen Klinikum Obergöltzsch Rodewisch und in der Paracelsus-Klinik Reichenbach die Prämie, die Beschäftigten bei Paracelsus in Adorf/Schöneck und im Helios Vogtland Klinikum Plauen hingegen nicht.

Diesmal läuft es für die Helios-Mitarbeiter besser. Mit der Gehaltszahlung zum 30. Juni reichte das Unternehmen die Sonderleistung der Bundesregierung aus. In einem dreistufigen Verfahren gab es 500, 900 oder 1100 Euro, je nach Belastung und Umgang mit Covid-19-Patienten. Theoretisch. Praktisch sah es im Detail mitunter anders aus.

Als das Unternehmen über die Verteilung der Prämien informierte, gab es etliche lange Gesichter. Einige Bereiche waren ausgeklammert. Insbesondere die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Obwohl es dort Kontakte mit Covid-19-Patienten gab, inklusive körpernaher Pflege, gingen jene Helios-Beschäftigten erneut leer aus. Erschwerte Arbeitsbedingungen, Mehraufwand bei Hygienemaßnahmen samt Tragen von Schutzkleidung - und dennoch keine Prämie.

"Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ist das", sagt eine Mitarbeiterin der Psychiatrischen Klinik. Auch schwere Krankheitsverläufe habe man behandelt: Mancher Patient musste von der Psychiatrie in die Coronastation zur Beatmung verlegt werden. Aus Verantwortung für Patienten und Gesellschaft habe sie private Kontakte in der Corona-Pandemie nahezu eingestellt, sagt die Fachkraft. Dabei habe die Arbeitsbelastung in der Psychiatrie auch vor Corona schon das Limit erreicht. Und nun dieser Mangel an Wertschätzung, diese Kränkung.

Grundsätzlich begrüßt die Helios-Geschäftsleitung die Neuauflage der Corona-Prämie als Würdigung der Leistungen besonders stark belasteter Mitarbeiter. Die strengen Regelungen des Bundes schließen jedoch einige Berufsgruppen aus, verweist Helios-Sprecherin Katharina Kurzweg auf die Kehrseite der Prämie und betont: "Die Vorgaben geben eine Verteilung vor, die in unseren Augen nicht dem tatsächlichen Arbeitseinsatz entspricht."

Lieber hätte man bei Helios selbst die Grundzüge festgelegt. So blieb nur, den rechtlichen Rahmen einzuhalten. In Abstimmung mit dem Betriebsrat habe sich die Geschäftsführung in Plauen auf die Verteilung geeinigt, alles wurde im Unternehmen offen kommuniziert. Als Arbeitgeber leiste Helios "eine zusätzliche Corona-Sonderzahlung in Höhe von 400 Euro für das Pflegepersonal aller Bereiche", erklärt Kurzweg.

Der Helios-Betriebsratsvorsitzende Bernd Behlert nennt die Vorgabe aus Berlin "vollkommen unverständlich". Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe auf ein Schreiben der Betriebsratschefs zur ungerechten Prämienverteilung nur "nichtssagende Antworten" gegeben. Zugleich bricht Behlert eine Lanze für die Betroffenen, deren Frust verständlich sei. "Wir müssen den Hut ziehen vor den Mitarbeitern der Psychiatrie und im gesamten Haus." In Coronazeiten sei Unglaubliches geleistet worden.

Die Vorgaben seien starr, dennoch hätte der Helios-Konzern mehr tun können, meint indes Bernd Becker von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. "Ich kenne Kliniken, in denen auch die Mitarbeiter der Psychiatrie das Geld erhalten haben", sagt der Gewerkschafter. Solche Entscheidungen werden bei Helios jedoch nicht vor Ort getroffen, sondern in der Zentrale in Berlin.

Für die Betroffenen ein schwacher Trost. "Wir hätten auch vom Betriebsrat mehr erwartet", macht einer der Corona-Helden zweiter Klasse keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. "Es haben einige die Prämie kassiert, die mit Coronapatienten gar nicht in Kontakt kamen."

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