Neue Ausstellung im Stadtarchiv beleuchtet Friedhofsgeschichte

Im Plauener Stadtarchiv hat neue Technik Einzug gehalten, die Besuchern der neuen Jahresschau tiefe Einblicke in die Historie gewährt.

Plauen.

Erna Mutze war 18 Jahre jung, als sie beim Explosionsunglück in der Munitionsfabrik im Westend ums Leben kam. Hätte sie ihr Leben im Juli 1918 nicht verloren, dann hätte sie viele Jahre später ihre Nichte Martina kennen lernen können.

Martina Brütting, geborene Mutze, stand am Donnerstagabend bei der Eröffnung der Ausstellung "Trauer und Trost" im Stadtarchiv vor der Vitrine mit dem Foto ihrer Tante, das sie für die Schau zur Verfügung stellte. In der bis zum 25. April 2019 geplanten Schau hat Martina Brütting auch etwas Neues erfahren.

"Sie lebte nach dem Unglück noch einige Stunden", stellte Brütting beim Blick in ein in die Ausstellung integriertes, digitalisiertes Totenbuch mit allen 301 Opfern dieser Brandkatastrophe und mit allen Plauener Toten des Ersten Weltkrieges fest. "Die Katastrophe war am 19. Juli, sie starb aber erst am 20. Juli", hat sie beim Blick auf das Todesdatum festgestellt. Neben Name, Vorname und Todeszeitpunkt ist auch die Adresse der Gestorbenen in dem Buch festgehalten. Dass diese Publikation von jedem Besucher einzusehen ist und man die Seiten auch durchblättern kann, ist neuer Technik zu verdanken.

"Das ist unsere neue Medienstation", berichtete Clemens Uhlig, der die Jahresausstellung vorbereitet hat. Die Medienstation werde künftig bei jeder Schau zum Einsatz kommen. Mit einem Wisch auf dem Bildschirm kann man vor- oder zurückblättern. Mit einem Tippen auf die Inhaltsangabe an der Seite kann man zu bestimmten Kapiteln oder in diesem Fall zu einem bestimmten Anfangsbuchstaben der Familiennamen vorspringen. Das Buch enthält 4100 Einträge.

Das Unglück im Westend ist Bestandteil der neuen Präsentation im Stadtarchiv, weil es sich im Jahr der Eröffnung des Hauptfriedhofes ereignete und die erste Gedenkstätte der Anlage dessen Opfern gewidmet ist. Die Mitarbeiter des Stadtarchivs spannen mit den gezeigten Bildern und Dokumenten aber einen weiten Bogen und ermöglichen einen umfassenden Blick auf die Historie und in die Gegenwart dieser großen Parkanlage in Reusa.

"Im Jahre 1909 fiel die Standortentscheidung", informierte Doris Meijler, die Leiterin des Stadtarchivs, bei der Eröffnung über die Auswahl der Fläche in Reusa. Neben der Planung, dem Bau, den Gedenkstätten umfasst die Schau aber auch aktuelle Aufnahmen des Leubnitzer Fotografen Andreas Wetzel. Die Bilder machen deutlich, dass es sich um einen Ort handelt, "an dem man sich auch erholen kann", sagte Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) in seinem Grußwort. Der Hauptfriedhof ist seit 1996 denkmalgeschützt und stellt seit 2008 auch ein Gartendenkmal dar.

Clemens Uhlig hat einiges zusammentragen, um die Präsentation interessant zu machen. Selbst eine noch bis 1990 im Einsatz befindliche Urnendeckelprägemaschine ist ausgestellt. Das Gedicht eines Plauener Rechtsanwalts, der im Jahre 1915 im Krieg umgekommen ist und vorher noch diese Zeilen verfasste, kann man nachlesen. Die Original-Entwurfszeichnungen des Stadtbaurates und Architekten Wilhelm Goette aus dem Jahr 1912 sind zu sehen und vieles mehr.

Öffnungszeiten des Stadtarchivs: Dienstag von 9 bis 18 Uhr, Mittwoch von 9 bis 15 Uhr, Donnerstag von 9 bis 17 Uhr - außer an Feiertagen.

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