Freie Presse auf Google News folgen
Ein 32-Jähriger liebt die Vielfalt der Mopeds, die zu DDR-Zeiten in Suhl erschaffen wurden. Ein Großteil der verschiedenen Modelle steht bei ihm zu Hause. Sein Lieblingsmodel braucht kein Benzin.
Spatz, Sperber, Schwalbe und wie sie alle heißen. Stefan aus Chemnitz hat viele motorisierten Vögel in seinem Hobbykeller stehen. Sieht man die Anzahl von mittlerweile 17 Simson-Mopeds, scheint das Hobby in den letzten Jahren allerdings etwas ausgeufert zu sein.
Dabei habe er längst nicht alle Mopeds behalten, die er sich in den vergangenen 18 Jahren gekauft hat, betont der Chemnitzer. Einige gingen nach aufwendiger Reparatur gleich wieder in den Verkauf. Stefan, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte, bastelt gern an der Fahrzeugtechnik und hat sich über all die Jahre ein breites Wissen über das Innenleben der Simson-Fahrzeuge aufgebaut.
Auf welche Simson ist er noch scharf?
Die Liebe zu den DDR-Mopeds hatten einst sein Vater und sein Großvater in ihm geweckt. Beide fuhren S 51, auf denen Stefan als Kind immer mitfahren durfte. Mit 14 Jahren kaufte er sich seine erste eigene Simson, eine Simson SR2 E für 900 Euro. „Ich bin damit auf der Wiese hinter dem Haus gefahren.“
Danach kamen Star und Schwalbe dazu, gleichzeitig seine Frau und mittlerweile drei Kinder. Die jetzige Ehefrau erträgt das Hobby mehr oder weniger. „Ich habe ihr auch schon eine Simson gebaut, mit der sie gefahren ist.“
„Man kann alles selbst reparieren.“
Selbst ins Wohnzimmer der Familie hat es die Simson-Liebe schon geschafft - in Form eines großen Esstisches, der auf einer Simson Schwalbe steht. „Wir haben einfach nichts gefunden, was uns gefällt. Deshalb haben wir uns selbst ans Werk gemacht.“
Obwohl seine Frau bisher ein Auge zugedrückt hat, gibt es schon allein aus Platzgründen eine Obergrenze für Stefans Sammlerleidenschaft. „Bei 20 ist dann genug“, sagt er jetzt, weiß aber schon, was ihm genau fehlt: eine biberbraune Schwalbe, ein Star und eine S51 C (Comfort) sollen es noch sein.
An Simson fasziniert ihn die Modellvielfalt und die Einfachheit. „Man kann alles selbst reparieren. Es ist ein spannendes Hobby, bei dem man viel über Technik lernt, anstatt nur auf einem Handy rumzuwischen.“ Die Mopeds könne man auch mit allen Sinnen genießen, beim Basteln mit den Händen, beim Fahren komme Geruch und Klang dazu, sagt der 32-Jährige.
Bei seinem Lieblingsmoped hat er das allerdings nicht. Es ist ein Simson-Roller mit Elektro-Antrieb (SR-E) aus dem Jahr 1992, von denen in Suhl nur 24 Stück gefertigt wurden. Eigentlich sei er gar kein Freund des Elektro-Antriebs. „Aber ich genieße es beim Elektro-Roller, wenn man sich leise fortbewegt und die Vögel zwitschern hört.“ (cma)





