Corona-Virus: Das ist die Lage am Wochenende im Erzgebirge

Das Verhalten der Menschen am Wochenende sei entscheidend für bundesweite Ausgangsbeschränkungen, kündigt Kanzleramtschef Helge Braun an. Im Erzgebirge fand am Freitag eines der ersten Digital-Konzerte statt. Am Sonntagabend 18 Uhr wird zu Balkon-Konzerten aufgerufen. Derweil steigt auch in der Region die Zahl der Infektionen weiter. Alle News rund um das Corona-Virus erfahren Sie hier.

Erzgebirge.

Insgesamt sind 50 Corona-Infektionen bislang laut Landratsamt im Erzgebirge bekannt. Am Sonntagmorgen waren zunächst drei neue Fälle gemeldet worden: Bei den Betroffenen handelt es sich um Männer aus Amtsberg (2) und Neukirchen (1). Am Nachmittag dann erhöhte sich die Zahl: Im Erzgebirgskreis sind sechs weitere Personen positiv auf das Coronavirus (COVID-19) getestet worden. Das hat das Landratsamt mitgeteilt.  Dabei handele es sich um zwei Frauen aus Großolbersdorf und Hohndorf sowie vier Männer aus Großolbersdorf, Mildenau, Thum und Burkhardtsdorf. Am Abend stieg die Zahl weiter, ein Mann aus Oberwiesenthal wurde positiv getestet.

Zum Beitrag: Corona-Virus - das ist die Lage am Montag

Am Samstagvormittag waren vier neue Fälle gemeldet worden: Es handelt sich um zwei Männer aus Schneeberg, einen aus Aue-Bad Schlema sowie einen aus Bockau.

Am Sonntagabend 18 Uhr wurde bundesweit auf Balkonen und Terassen musiziert. So auch im Erzgebirge, wie hier beim Dachterrassenkonzert mit DJ Rixx in Annaberg

... und hier in Olbernhau.

Eine besondere Idee für gelangweilte Kinder, die auch älteren Menschen helfen könnte, verbreitet der Betreiberverein der Wald- und Naturkindertagesstätte "Pusteblume" in Neudorf auf Facebook. Dort heißt es: "Schickt einen Brief (malt Bilder) ins Altersheim, die Bewohner dürfen keinen Besuch empfangen."

Viele Kirchen bieten in den kommenden Wochen an, Gottesdienste per Livestream zu verfolgen und zu Hause zu feiern. Am heutigen Sonntag, 11 Uhr wird laut der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Annaberg-Buchholz auch ein Gottesdienst aus der Annaberg-Buchholzer St. Annenkirche im Stadtfernsehen zu sehen sein. Ebenfalls am heutigen Sonntag überträgt das Haus der Hoffnung in Annaberg-Buchholz einen Gottesdienst auf seinem YouTube-Kanal. Weitere Informationen zu den Angeboten der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Annaberg-Buchholz sind auf der Website zu finden.

Über Facebook ruft Mark Schmidt aus Schlettau die Erzgebirger auf, ihre Schwibbögen ins Fenster zu stellen, um in Zeiten der Corona-Krise ein Zeichen der Zuversicht zu senden. Mehr als 1000-mal wurde der Beitrag bis Samstagsvormittag innerhalb weniger Stunden bereits geteilt. Am Abend strahlten bereits zahlreiche Schwibbögen in den Fenstern. Reporterin Denise Märkisch und Fotograf Ronny Küttner haben sich in verschiedenen Orten umgesehen.

Fast menschenleer präsentiert sich am Sonntagvormittag der Annaberger Markt. Wenn sich Menschen begegnen, halten sie Abstand.Das gleiche Bild zeigt sich in Aue auf dem Altmarkt, am Postplatz, an der Bahnhofsbrücke oder in Bad Schlema an der Bundesstraße 169 ,am geschlossen Gesundheitsbad oder im Kurpark oder in Schneeberg am Markt . Größere Gruppen wie noch vor ein paar Tagen waren am Sonntag nicht zu sehen - und wenn, wurde ein größerer Sicherheitsabstand eingehalten .

In Aue ist am Wochenende ein Sanitätszelt an der Nikolaipassage aufgebaut worden. Dabei handelt es sich um eine von Ärzten ausgelagerte Abstrichstelle, um Patienten zu testen, bei denen der Verdacht auf den Coronavirus besteht. Damit soll vermieden werden, dass sich andere Patienten mit dem Virus anstecken.

Der Pfarrer von Bärenstein, Kenny Mehnert, kündigt am Samstagabend via Facebook an, dass die Erlöserkirche in Bärnestein jetzt jeden Abend von 19 bis 22 Uhr angestrahlt wird. "Zur Zeit braucht es wohl jedes noch so kleine Zeichen der Hoffnung", schreibt er. Außerdem scheine es gut zu tun, etwas gemeinsam zu machen - wenn auch mit Sicherheitsabstand.

In Deutschland kursiert ein Aufruf, am Sonntag, 18 Uhr, aus geöffneten Fenstern oder von Balkonen zu musizieren. Angestoßen hat die Aktion "Musiker*innen für Deutschland" ein 51-Jähriger aus Zaberfeld bei Heilbronn. Auch im Erzgebirge sind Aktionen geplant.

Das Landratsamt des Erzgebirgskreises verzichtet vorübergehend auf Vollstreckungsmaßnahmen, um ausstehende offene Forderungen einzutreiben, teilt die Behörde mit. Nach Angaben von Pressesprecher Stefan Pechfelder gilt diese Regelung vorerst bis zum 20. April dieses Jahres. "Ausnahmen davon bilden drohende endgültige Zahlungsausfälle durch Verjährung sowie Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung", erläutert er weiter.

Es war eines der ersten digitalen Konzerte in Zeiten des Corona-Virus im Erzgebirge: Am Freitag hat Musiker Gernot Müller in der "Goldnen Sonne" im Schneeberg vor leeren Stühlen eine Aufführung gegeben. Die Resonanz war riesig: 3000 Nutzer verfolgten den Live-Stream bei Facebook

Die Fakultät für Angewandte Kunst in Schneeberg und die Zwickauer Hochschule bleiben bis zum 4. Mai geschlossen. Das berichtet die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ), zu der die Schneeberger Kunstfakultät als Außenstelle gehört. In dieser Woche sei die WHZ "auf mobile Arbeit umgestellt" worden, heißt es. Damit dürfen ab sofort weder die Studierenden noch die Beschäftigten auf dem Campus arbeiten. Grund ist die Corona-Krise. Ausgenommen sind festgelegte Beschäftigte, die beispielsweise zur Sicherheit einzelner Anlagen im Einsatz sind.

Die Gießerei Lößnitz will ältere Menschen in der Stadt wegen der Corona-Krise mit einer Hilfsaktion unterstützen. Mitarbeiter sollen mit einem firmeneigenen Transporter ab Montag Einkäufe und andere Erledigungen übernehmen, etwa Rezepte in der Apotheke einlösen. Das sagt Max Jankowsky, einer der beiden Geschäftsführer der Gießerei. "Auslöser war, dass ich diese Woche ältere Damen mit Mundschutz im Supermarkt gesehen habe. Die Leute machen sich Sorgen." Die Firma wolle deshalb helfen. Wer sich bei der Gießerei am Telefon meldet, wird zu Hause besucht, um die Bestellung aufzunehmen. Dann erledigen Mitarbeiter die Einkäufe, die erst bei Lieferung zu bezahlen sind. "Wir wollen allen Lößnitzern helfen, die sich nicht mehr raus trauen", so Jankowsky.

Ein ökumenischer Gottesdienst ist am Sonntag im Stadtfernsehen von Annaberg-Buchholz zu sehen. An der Aufzeichnung, die ab 11 Uhr ausgestrahlt wird, wirken Pfarrer Karsten Loderstädt von der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde und sein katholischer Amtsbruder Andreas Schumann sowie Kantor Matthias Süß mit. Das teilt Karsten Loderstädt mit. Er verweist zudem auf einen Livestream-Gottesdienst der Sächsischen Landeskirche, der ebenfalls am Sonntag, ab 11 Uhr zu sehen ist. Das Bistum Dresden-Meißen streamt dann gleichzeitig einen Gottesdienst mit Bischof Heinrich Timmerevers.

Obwohl der Zoo der Minis in Aue wegen der Corona-Krise gegenwärtig geschlossen hat, können sich Besucher weiterhin über die Tiere und den Tierpark auf dem Laufenden halten. Auf der eigenen Facebookseite sowie auf der Videoplattform Youtube werden ab sofort regelmäßig kleine Geschichten veröffentlicht und darin unter anderem Tierpersönlichkeiten vorgestellt, heißt es aus der beliebten Einrichtung. Auch der Aufbau eines Onlineshops ist in Arbeit.

Die Tafeln in den Städten Thalheim und Lugau werden ab Montag vorerst geschlossen. Darüber informierte Annerose Aurich, die Leiterin der Einrichtungen. Demnach wird bis zum 20. April kein Essen mehr ausgegeben. In den vergangenen Tagen seien weniger Kunden gekommen, vermutlich wegen der Ansteckungsgefahr. Auch die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen hätten Angst mit dem Virus in Kontakt zu kommen, sagte Aurich. Die Schließung hat nicht nur Auswirkungen für die Bedürftigen. "Wir haben ja trotzdem Ausgaben wie die Miete", sagte Aurich schon vor ein paar Tagen. Der Landesverband suche nach einer Lösung.

Das Rathaus von Johanngeorgenstadt bleibt ab Montag laut Bürgermeister Holger Hascheck wegen der Corona-Epidemie weitgehend für Besucher geschlossen. Anfragen sollen per E-Mail, Post oder Telefon an die Ämter gestellt werden. In Ausnahmefällen könne schriftlich oder telefonisch ein Termin vereinbart werden. Die Gemeinde Zschorlau schließt von Montag an ihr Rathaus ebenfalls für Besucher.

Einige Gaststätten im Erzgebirge bitten ihre Kunden, am Samstag bis 18 Uhr doch noch einmal vorbeizukommen oder zubereitete Speisen abzuholen. Die Brettmühle in Königswalde beispielsweise teilt mit, dass alles Frische raus muss, "inklusive Bier ohne Ende" für 10 Euro.  Auch die Sauberg Klause in Ehrenfriedersdorf wendet sich via Facebook an Kunden. "Bitte helft uns, das Kühlhaus leer zu bekommen!!!", heißt es auf der Facebookseite. Bis 18 Uhr können noch Schnitzel, Rouladen, Ochsenbäckchen und Co abgeholt werden. Das Berghotel Pöhlberg bietet nun mittags und abends einen Außer-Haus-Service auf Bestellung an, Speisen können auch abgeholt werden.

Alle Entwicklungen zum Corona-Virus im Erzgebirge


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