"Night of Lights": Veranstaltungsbranche sendet auch im Erzgebirge Notsignal

Mit der Night of Light haben in ganz Deutschland Discothekenbetreiber, Techniker, Musiker, DJs, Caterer und Co einen flammend roten Appell an die Politik gesendet. Auch in der Region machten viele mit. In Bärenstein zeigte sich, dass bei Weitem nicht nur Clubbesitzer unter den Beschränkungen leiden.

Annaberg/Bärenstein/Olbernhau.

Die Abende und Nächte sind sehr ruhig geworden. Kaum noch Konzerte, Theateraufführungen, keine durchtanzten Nächte. Die Veranstaltungsbranche steht so gut wie still. Und wenn etwas stattfindet, dann nur unter strengen Hygienemaßnahmen. Bis Ende Oktober sollen Großveranstaltungen verboten bleiben. In Sachsen sollen zwar ab dem 30. Juni Musikclubs wieder öffnen dürfen, allerdings ohne Tanz. Dennoch steht es auch in der Region um die Branche nicht zum Besten. In den vergangenen Monaten nahm sie so gut wie nichts ein. Mit der bundesweiten Night of Light, die in der Nacht von Montag auf Dienstag stattfand, wurden Clubs, Eventhäuser, Sehenswürdigkeiten und Locations jeglicher Art mit rotem Licht angestrahlt. Ein stille und doch eindrückliche Aktion.

Mit dabei war unter anderem das Eventhaus in Bärenstein. Und bei der dortigen Nacht des Lichts wurde klar, dass neben Pächter Randy Reichel (Foto 2. v. r.) noch viele andere darunter leiden, dass Häuser wie dieses derzeit nicht genutzt werden dürfen. "Ich brauche große Events, um das Haus zu unterhalten", erklärt Reichel. Zum Glück seien nun wenigsten private Geburtstagsfeiern und andere Zusammenkünfte erlaubt. Ein paar Einmietungen habe er. Doch das reiche langfristig nicht. Dabei sei das nur der Beginn einer langen Kette. Wenn er eine Veranstaltung auf die Beine stellt, werden Musiker und DJs gebucht, Werbung wird gemacht, um die sich wieder andere kümmern. Getränke und je nach Event auch Essen sind zu bestellen. Für das richtige Licht und den Sound braucht es weiterer Mitstreiter. Aus diesem Grund blieb Randy Reichel an diesem Abend auch nicht allein. Mit den Anwesenden hätte man wohl die Party des Jahres auf die Beine stellen können.

So war das DJ-Duo Stereoact nach Bärenstein gekommen. Auch Rico Einenkel und Sebastian Seidel (Foto l. und r.) sind von der Krise betroffen. Statt Open-Air-Veranstaltungen und Auftritte in angesagten Clubs bleibt ihnen derzeit neben der Produktion von Remixes und neuen Songs nur ihr wöchentlicher Livestream auf Facebook. Der ist zwar sehr erfolgreich, doch unterm Strich lässt sich damit kein Geld verdienen. "Wir sitzen alle im selben Boot", sagt Einenkel. Lange werden aus Sicht von Stereoact viele die jetzige Situation nicht mehr durchhalten. Das sieht auch Mike Schmidt so. Er ist Inhaber der Ein-Mann-Firma Sachsen-Sound, die sich unter anderem auf Veranstaltungstechnik, also Ton. Licht und Videoprojektionen, spezialisiert hat. Kurz bevor Corona alles lahmgelegt hatte, investierte Schmidt noch kräftig. Große Veranstaltungen wie die Kät, Stadtfeste etc. standen auf dem Programm. 15-mal wäre die neue Lautsprecheranlage 2020 mindestens zum Einsatz gekommen. Jetzt steht sie ungenutzt rum. Am meisten mache ihm die Perspektivlosigkeit und Planungsunsicherheit zu schaffen. Über die Runden komme er halbwegs, weil er auch als Elektroinstallateur, seinem erlernten Beruf, arbeiten kann. Doch ihm fehlen die Veranstaltungen. So hat er in letzter Zeit angefangen, markante Gebäude wie das Schlettauer Schloss und die Scheibenberger Kirche zu beleuchten. Geld bekommt er dafür keins. Am Samstag soll der Aussichtsturm auf dem Scheibenberg leuchten. Außerdem kündigt er noch eine Überraschung an. Die Scheibenberger sollen nicht nur schauen, sondern auch ganz genau hinhören.

Eins ist klar, allen der Branche juckt es in den Fingern. Sie sind kreativ und können diese Kreativität aber nicht ausleben, weil alles still steht. Und welche Kreise eine Zeit spielt, in der nicht mehr getanzt und gefeiert werden darf, zeigt Frank Fischer. Er ist Getränkehändler und war am Montagabend auch in Bärenstein. "Wir sind ebenso betroffen", sagt er. Zwar laufe ein Teil seines Geschäfts weiter, doch aufgrund fehlender Events sank auch sein Umsatz deutlich. Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit geschickt werden. Eine Lösung für das Problem hat auch Frank Fischer nicht. Er war bei der Night of Light dabei, um zumindest Aufmerksamkeit zu erzeugen. "Diejenigen, die immer gute Laune verbreitet haben, stehen derzeit nicht gut da."

Ortswechsel: Auch in Annaberg-Buchholz war vieles in Rot getaucht. Till Schwabe strahlte die Tanzbar, den Schutzteich und die Festhalle mit roten Scheinwerfern an. Auch der Salon, die Alte Brauerei, das Wolpertinger und viele andere Locations waren Teil der Night of Light.

Auch Max Steudel, Inhaber von Skylineevents, beteiligte sich in Olbernhau mit seinem Team an der Aktion "Night of Lights". Mit insgesamt 53 LED-Scheinwerfern und 8 beweglichen Lichtquellen tauchte er drei Olbernhauer Gebäude in rotes Licht: Neben dem Treibehaus im Areal der Saigerhütte auch das städtische Theater "Theater Variabel" und die evengelisch-lutherische Stadtkirche. Insgesamt vier Stunden, von 21 Uhr am Montagabend bis 1 Uhr am Dienstagfrüh leuchteten die Gebäude. Zahlreiche Interessierte schauten sich das Lichtspektakel an. (mit faso)

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