Freundliche Gesichter und ein vertrauter Kopf werben auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin für die Kulturhauptstadt 2025 Chemnitz.
Freundliche Gesichter und ein vertrauter Kopf werben auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin für die Kulturhauptstadt 2025 Chemnitz. Foto: Luise Wolf
Kultur
Chemnitz und Nova Gorica/Gorizia als Europäische Kulturhauptstädte 2025 auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin: "Die Nachfrage ist da"

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Die sächsische und die slowenisch-italienische Stadt stellten sich auf der weltweit wichtigsten Reisefachmesse bei einer gemeinsamen Programmpräsentation vor. Die Themen Grenzen, Grenzüberschreitungen und bisher unsichtbare Entdeckungen geben den Ton an.

Tourismus- und Kulturmarketing.

Von Dienstag bis heute präsentieren sich die Europäischen Kulturhauptstädte Chemnitz und die Grenzstädte Nova Gorica und Gorizia auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin, kurz ITB. Sie ist die weltweit wichtigste Fachmesse und konnte letztes Jahr trotz dreijähriger Corona-Pause etwa 90 Tausend Fachgäste aus der Tourismus-Branche anziehen. Für Chemnitz 2025 ist sie die erste und wohl wichtigste Plattform, um das Projekt Multiplikatoren wie Reiseveranstaltern, Hotellerie, Gastronomie, Fluggesellschaften und Medien vorzustellen.

Am Stand Sachsens auf der Messe wird die Kulturhauptstadt prominent beworben. "Die Nachfrage ist da. Das wird das ein gutes Kulturhauptstadt-Jahr", so Stefan Herold vom Tourismusverband "Chemnitz. Zwickau. Region". Auf der Messe seien vor allem Hotels und Reiseveranstalter wichtige Multiplikatoren. Wie viel Bedeutung heute Social Media im Tourismus einnehme, sei schwierig einzuschätzen, Herold räumte aber ein: "Es sind noch ein paar Hausaufgaben zu machen. Wir müssen die Homepage noch mit mehr Leben füllen, auch Marketing-Kanäle in den sozialen Medien oder Google Ads."

Für die kulturelle und programmatische Vermittlung der Kulturhauptstadt ist Frizzi Seltmann zuständig, Marketing- und Kommunikationsmanagerin bei der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 GmbH. Sie war bereits mit vielen nationalen und internationalen Medien im Gespräch. Locker meinte sie, "wir üben schon mal fürs GTM". Das German Travel Mart ist der größte internationale Tourismus-Workshop Deutschlands, der im April in Chemnitz stattfinden wird.

Am Mittwoch präsentierten sich die Kulturhauptstädte gemeinsam unter dem Titel "Transcending Borders, Discovering the Unseen - Spotlight on the European Capitals of Culture 2025." Frizzi Seltmann gab bei der Präsentation Einblicke in laufende und kommende Programm-Highlights wie den Purple Path oder das Hutfestival und führte in regionale und nationale Eigenheiten und Traditionen ein. Sichtbare Begeisterung und warme Worte fand sie für das Kosmos Festival, das sie als "Festival für die Demokratie" vorstellte, bei dem man in der Vergangenheit "überall lächelnde Gesichter" sehen konnte. In einem knappen Abriss der Stadtgeschichte von Chemnitz erklärte Seltmann, wie sich etwa Industriegeschichte auf Kultur, ihre Orte und Institutionen auswirkte. Sie erwähnte die Umnutzung ehemaliger Industriegebäude in Museen. Für Einheimische und Kulturelle können solche Narrative und immer wiederkehrende Fotos vom Karl-Marx-Kopf plakativ wirken, für internationales Publikum und die Touristik bilden sie zündende Ohröffner.

Das Kulturhauptstadt-Projekt "Go! 2025" der slowenisch-italienischen Grenzstädte Nova Gorica und Gorizia wurde von Andreja Rapič Agrež vorgestellt, der Marketing-Chefin. Agrež stellte vor allem ungewöhnliche und beeindruckende Orte heraus: Ein Konzert des berühmten Pianisten Alexander Gadjiev wird auf der Salcanobrücke stattfinden, der weltweit größten Eisenbahn-Bogenbrücke. Die internationale Tanzkompanie MN Dance Company wird in einem nahe gelegenen Steinbruch performen. Im Park Pečno werden kleine Keramikfiguren zu entdecken sein. Beim "Travel Talk" am Slowenischen Stand im Vorfeld der Präsentation verglich Andreja Rapič Agrež diesen Kunst-Parcours mit der Erfahrung des Pilzesammelns im Wald; zuerst sehe man vielleicht nicht viel, doch dann sehe man nur noch Pilze.

Auch bei der Präsentation betont Agrež dann noch einmal, in der Kunst gehe es darum, Dinge aus einer anderen Perspektive sehen zu können. Sie selbst sei in Jugoslawien aufgewachsen, das es heute unter diesem Namen nicht mehr gibt - so wie es "Karl-Marx-Stadt" nicht mehr gibt. Geteilte und teilende Ansichten und Geschichten machen die Städte Nova Gorica/Gorizia als Kulturstätte spannend - zusammen bilden sie die erste grenzüberschreitende Europäische Kulturhauptstadt.

Was sie mit Chemnitz verbindet; eine wechselhafte Geschichte durch ehemalige oder bestehende Grenzen, die ihnen unter anderem mehrere Bezeichnungen und eine kontrastreiche Architektur zwischen Alt und Neu einbrachte. Aber: "The culture is not defined by borders, the culture is defined by the horizon", endet Agrež ihren eindrücklichen Vortrag, heißt: Die Kultur wird nicht durch Grenzen definiert, sondern durch den Horizont.

Nicht am Horizont, sondern in unmittelbarer Nähe erschien für alle Messegäste diese Woche der Streik der Lokführer ab Donnerstag, also dem letzten Messetag, der bis Freitag um 13 Uhr währen soll. Der Ausstand dürfte der Tourismusmesse gehörige Lücken ins Programm schlagen und nebenher finanzielle Verluste verursachen. Die Präsenz der Kulturhauptstadt auf der Messe sei aber nicht gefährdet, so Frizzi Seltmann - sie reiste zwar mit dem Zug an, reist aber im Auto bei den Kolleginnen und Kollegen des regionalen Tourismusverbands wieder ab. Zusammenarbeit ist eben alles.

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