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Freiberg auf dem Weg zur Musical-Hochburg

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Nach den Erfolgen von „Die Päpstin“, „Hedwig“ und „Doktor Schiwago“ sagt Dramaturgin Catharina Jacobi: Unsere Musicals locken auch Fans mit einer längeren Anreise an. Was ist die nächste Produktion?

Freiberg.

Freiberg ist auf dem Weg zur Musical-Hochburg: Nach den diesjährigen Erfolgen von „Die Päpstin“ und „Hedwig And The Angry Inch“ ist auch das Musical „Doktor Schiwago“ nach Boris Pasternaks Roman (1957) bei der Premiere gefeiert worden. „Viele Gäste kommen auch von weiter her“, sagt Catharina Jacobi. Die 29-Jährige agiert seit der Spielzeit 2023/24 als Dramaturgin mit Schwerpunkt Musical am Mittelsächsischen Theater (MiT).

Beim Gespräch im neu gestalteten Foyer der Bühne in der Borngasse erzählt Jacobi von den „Schiwago“-Premieren in Döbeln und Freiberg. Nach der letzten Szene gab es ein kurzes Schweigen; das Stück muss man erstmal sacken lassen. Dann erhoben sich die Gäste von ihren Plätzen und klatschten. Alexander Donesch (Jurij Schiwago), Anna Burger (Lara), Alexandra Farkic (Tonia), Yannik Gräf (Pascha, später Strelnikow), Gregor Roskwitalski (Komarovskij) und den anderen Darstellenden war die Freude darüber anzusehen.

Szene aus „Dr. Schiwago": Im Lazarett treffen Lara (Anna Burger) und Schiwago (Alexander Donesch) zufällig wieder zusammen und freuen sich auf das ersehnte Ende des Krieges.
Szene aus „Dr. Schiwago": Im Lazarett treffen Lara (Anna Burger) und Schiwago (Alexander Donesch) zufällig wieder zusammen und freuen sich auf das ersehnte Ende des Krieges. Bild: Albrecht Holländer Artworks

Ein Erfolg des Ensembles

Der Erfolg ist eine Ensembleleistung. Das betont Dramaturgin Jacobi. Neben dem Inszenierungsteam um Regisseurin Barbara Schöne („Barbier von Sevilla“) seien das auch die Technikerinnen und Techniker sowie die Teams von Malsaal und Tischlerei, Maske, Requisite und Ankleide. „Hinter der Bühne ist großes Gewusel“, so Jacobi. Dem musikalischen Leiter Bennet Eicke gelinge es gemeinsam mit der Mittelsächsischen Philharmonie, „unheimlich schöne Klänge“ aus der Musik herauszuholen.

Das Musical von Lucy Simon, Michael Weller, Michael Korie und Amy Powers kommt überaus aktuell rüber. Liebe, Hass, Verarmung, Flucht, Krieg und Frieden – das alles bewegt die Menschen auch heute. Im von Jacobi gestalteten Programmheft wird Regisseurin Schöne zitiert: „Alleinige Wahrheitsansprüche, Gier und Macht oder bestimmte Religionsansprüche sind immer noch Auslöser für schlimmes Leid und Massenvernichtung.“

Die Musik ist anders

Das „Lara“-Thema aus dem Film „Doktor Schiwago“ (1965) erklingt in der Inszenierung nicht. „Wir haben uns bewusst gegen die Verwendung der Musik aus dem Film entschieden und lassen das Musical in seiner reinen Form erklingen. Damit sind wir das erste professionelle Theater, das diese Version aufführt“, so Jacobi. Komponistin Lucy Simon habe sich besonders von den 25 Gedichten im Anhang des Romans inspirieren lassen. Simons Empathie sei deutlich zu spüren, beispielsweise im Duett von Lara und Tonia.

Das Stück hat mehrere Zeitebenen. Dank der Ausstattung von Davide Raiola wissen die Zuschauer sofort, wann die Handlung gerade spielt. Gelungen sind auch die Massenszenen; daran hat Chorleiter Pawel Serafin großen Anteil. Am Ende werden auf der Leinwand die Kriege der Vergangenheit aufgelistet. Ganz zuletzt erscheint „No war“. „Die Botschaft ,Kein Krieg′ ist uns sehr wichtig“, so Jacobi. Dabei gehe es auch um die kleinen Kriege im Privaten.

Die nächste Vorstellung läuft am Sonntag, 17 Uhr in Freiberg .

Und dann kommt „Dracula“

Jacobi freut sich schon auf das Musical „Dracula“, inszeniert von Intendant Sergio Raonic Lukovic, ab 15. März in der Nikolaikirche (Niki): „In diesem historischen Gebäude etwas aufzuführen, ist etwas ganz Besonderes.“ Und der abrupte Themenwechsel? „Das macht den besonderen Reiz aus. Wir wollen Abwechslung bieten.“

„Jesus Christ Superstar“ und „Die Päpstin“ waren wie geschaffen für die Niki. Aber „Dracula“? Jacobi: „Prinzipiell passt es super, weil wir dafür beispielsweise mit Anna Burger eine optimale Besetzung haben. Einen Extrachor gibt es auch wieder. Und in der Niki – das passt auf jeden Fall. Es gibt keinen kirchlicheren Stoff als Dracula.“ Ihre Masterarbeit schieb sie über den „Tanz der Vampire“ und untersuchte dabei auch den Vampirismus. Ein Ergebnis: „Die katholische Kirche ist verantwortlich dafür, dass man einen Vampir mit Weihwasser und einem Kreuz bekämpfen kann und Priester involviert sind. Das ging so weit, dass gesagt wurde: Wenn du nicht als frommer Mensch lebst, wirst du wieder auferstehen als Vampir. Es wurde genutzt, um den Einfluss der katholischen Kirche zu erweitern.“ (hh)

Pawel Serafin ist der Chorleiter des Mittelsächsischen Theaters, auch bei „Doktor Schiwago".
Pawel Serafin ist der Chorleiter des Mittelsächsischen Theaters, auch bei „Doktor Schiwago". Bild: Detlev Müller/Theater

Lieblingsmusical ist „Sweeny Todd“

Catharina Jacobi, geboren 1995 im hessischen Hofgeismar, absolvierte von 2014 bis 2017 an der Philipps-Universität Marburg ihren Bachelor in Kunst, Musik und Medien – Organisation und Vermittlung mit einem Schwerpunkt in Medien auf Narration und Vokalisierung in Kombination mit Gender Studies. Ab 2017 absolvierte sie ein Masterstudium an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und schloss dieses 2019 mit einem Fokus auf Musical ab.

2019 trat sie ihr erstes Festengagement am Theater Altenburg Gera als Theaterpädagogin mit Dramaturgieverpflichtung an. Später war sie dort Dramaturgieassistentin. Seit der Saison 2023/2024 arbeitet Catharina Jacobi als Dramaturgin am MiT und betreute hier bereits „Fast normal“, „Das Tagebuch der Anne Frank“, „Die Päpstin“ und „Hedwig and the Angry Inch“. In dieser Spielzeit betreut sie auch das Schauspiel „So oder so - Hildegard Knef“ sowie das musikalische Familienstück „Peter Pan“ auf der Seebühne Kriebstein, für das Stephan Bestier und sie ein Stück nach Barrie verfassten.

Ihr Lieblingsmusical ist „Sweeny Todd“. Und: Catharina Jacobi mag Katzen. (hh)

Maja (genannt Mayonnaisi, l.) und Melli (Mellers) sind die Katzen von Catharina Jacobi. Die Geschwister der Rasse British Kurzhaar sind sieben Jahre alt. Jacobi sagt: „Ich könnte mir ein Leben ohne Katzen nicht vorstellen.“ Anmerkung der Autorin: Vielleicht wird ja irgendwann auch mal das Musical „Cats" auf die Freiberger Bühne gebracht.
Maja (genannt Mayonnaisi, l.) und Melli (Mellers) sind die Katzen von Catharina Jacobi. Die Geschwister der Rasse British Kurzhaar sind sieben Jahre alt. Jacobi sagt: „Ich könnte mir ein Leben ohne Katzen nicht vorstellen.“ Anmerkung der Autorin: Vielleicht wird ja irgendwann auch mal das Musical „Cats" auf die Freiberger Bühne gebracht. Bild: Catharina Jacobi
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