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Moped, Camping, Festivals: Frisch verheiratet hatten Lukas und Anja Dittrich aus Brand-Erbisdorf viel vor. Seit ihrem Schlaganfall pflegt er sie. Wie er das macht, hat mit Liebe zu tun.
Sie trug langes dunkles Haar und ein schwarzes Kleid, er einen schwarzen Anzug. Ihr Hochzeitsauto: ein Trabi. So unkonventionell gaben sich Anja und Lukas am 10. Juni 2023 das Ja-Wort. Ein Schwur, bis ans Ende ihres Lebens gemeinsam durch dick und dünn, bergauf, bergab, durch schöne und auch schwere Zeiten zu gehen. Zusammen mit ihren Freunden knatterten sich auf ihren Mopeds an die Ostsee, besuchten Konzerte, campten und hatten viel vor.
Anjas Schlaganfall im Mai 2024 bremste die beiden jäh aus. Uniklinik, Reha, Intensivpflege: Plötzlich war alles anders. Lukas, heute 36, funktionierte. Arbeit. Anja. Arbeit. Anja. So oft er konnte, besuchte er seine Frau. Bierchen trinken und am Moped schrauben wurde zur Nebensache. Im Mai 2025 kam Anja nach Hause. Kurzzeitig kümmerten sich noch Pflegekräfte um sie. Dann entschied Lukas: Was die können, kann ich auch. „Ich habe oft zugeschaut und mit den Augen gelernt. Außerdem sagt mir Anja, was ich wie machen soll. Wir brauchen da niemanden mehr“, sagt er heute.
„Sie ist noch nicht mal 40“
Sie in ein Pflegeheim zu geben, steht für ihn nicht zur Debatte. „Sie ist noch nicht mal 40 Jahre alt. Sie kann wieder so viel, sie macht Fortschritte. Was soll sie denn in einem Heim?“, fragt er. Das sitzt. Dann sagt er aber auch: „Wenn es schlimmer wäre, Anja vielleicht im Koma läge, würde die Geschichte anders aussehen. Dann wäre sie wahrscheinlich in Pflege und ich würde arbeiten, um das zu finanzieren“, sagt er. „Es hätte echt blöder sein können für uns.“ Für Anja hat er vorerst seinen Job an den Nagel gehängt.
Er kocht, putzt, wäscht, saugt
Als pflegender Angehöriger ist er gut ausgelastet: Er kocht, putzt, wäscht, saugt. Er kümmert sich um den Papierkram, geht einkaufen. „Es ist schon ein tüchtiger Einschnitt in meiner Freizeit. Aber die Prioritäten müssen jetzt anders gesetzt werden. Ich war immer viel Mopedfahren. Das mache ich jetzt bisschen weniger“, sagt er. Sie schauen gern Filme zusammen, zocken, spielen Karten und Spiele. „Ich finde, es hat sich gar nicht so extrem viel verändert. Und es stört mich absolut nicht, mich um Anja zu kümmern. Es gab damals einen Schwur - und das wird durchgezogen, ohne Wenn und Aber.“ Es ist seine innerste Überzeugung. „Es läuft nicht immer rund. Es gibt auch mal schlechte Tage.“ Aber es gelinge ihnen meistens schnell, sich wieder zusammenzuraufen. Vor allem, wenn einer was macht, worüber der andere lachen muss, erzählt er. Was andere von ihm denken, ist ihm egal.
Wie reagiert seine Familie und sein Freundeskreis darauf?
Wie reagiert seine Familie und sein Freundeskreis darauf? „Anfangs gab es schon gemischte Reaktionen. Aber im Grunde stehen alle hinter uns“, sagt er. Seine größte Stütze ist Tadeus; so nennt er seinen Freund David. Er wohnt nebenan und hilft gern, wenn er da ist. Mit ihm trinkt Lukas ab und zu ein Bier zum Entspannen. Dann setzen sie sich in die Garage und quatschen. Anja hat einen Notknopf an ihrem Bett, mit dem sie Lukas erreichen kann, wenn was ist. „Wenn ich einkaufen gehe, kann Anja auch zwei, drei Stunden allein bleiben. Das klappt jetzt schon“, sagt Lukas. Sehr eingeschränkt fühle er sich nicht.
Sein großes Hobby zelebriert er zu Hause
Sein großes Hobby zelebriert er zu Hause: Militärmodelle aus Klemmbausteinen zusammenzubauen. Er hat Regale voll damit. Im Sommer will er mit Anja zu einem Militärtreffen fahren. Die Technik, die Motoren, das Brüllen eines 40-Liter-Dieselmotors, da gerät er ins Schwärmen. Was ihm fehlt, seien Festivals und Konzerte. Gerne würde er irgendwann mit Anja zum „Wacken Open Air“. Aber erstmal wollen sie kleiner und lokaler anfangen und im Sommer das „Open Air Gößnitz“ in Ostthüringen besuchen. „Dafür bräuchten wir ein größeres Auto“, sagt er. In seinen alten Kombi passt der Rollstuhl nicht rein. Ein Transporter würde ihren Alltag erleichtern, aber eben auch neue Möglichkeiten eröffnen. (cor)






