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Bürgerenergie-Initiative aus Rossau spürt politischen Rückenwind

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Für Akteure in Mittelsachsen, die auf erneuerbare Energien setzen, ist der erste Energietisch des Landrats motivierend. Auch Kritikern will er noch eine Plattform geben.

Rossau.

Mit ihrer Initiative zur Gründung einer Bürgerenergiegenossenschaft für Mittelsachsen stehen die Akteure um Kristina Wittig vor offenen Türen bei Landrat Dirk Neubauer (parteilos). Das ist beim ersten Energietisch, zu dem der Landrat rund 50 Vertreter aus Energie- und Finanzwirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung eingeladen hatte, deutlich geworden.

"Da zum Energietisch vor allem die Akteure zusammengekommen sind, die sich aktiv in Energiewende einbringen wollen, war die Stimmung dort motivierend", sagte Kristina Wittig. Die Gründungsgruppe sehe sich hier unterstützt bei ihrem Vorhaben, Photovoltaikanlagen mit Bürgerbeteiligung und unter hoher regionaler Wertschöpfung aufzubauen und zu betreiben. "Wir können davon ausgehen, dass der Landrat und Landratsamt für Bürgerbeteiligung werben und über deren Chancen aufklären", sagte die Sprecherin der Initiative "WirMachenEnergie" nach dem Energietisch. Das Landratsamt könne auch konkret vorangehen und der Genossenschaft ungenutzte Dächer seiner Liegenschaften oder andere Flächen für die Errichtung von Photovoltaikanlagen anbieten. "Bürgerschaftliche Beteiligung sei der Schlüssel zur Akzeptanz, so Kristina Wittig aus Rossau. "Geld ist nicht das Problem", das hätten Projektierer und Banken bei dem ersten Treffen dieser Art signalisiert. "Aber an der Akzeptanz müssen wir alle gemeinsam arbeiten", so Kristina Wittig.

Dem hat sich Landrat Dirk Neubauer angeschlossen: "Es gibt meiner Ansicht nach eine große schweigende Mehrheit, die dem Thema aufgeschlossen gegenübersteht. Ihr wollen wir eine Stimme geben. Sie muss laut werden. Lauter als die Stimmen der Kritiker." Letztgenannte - zu denen zum Beispiel Bürgerinitiativen zählen, die den Neubau von Windrädern ablehnen - waren zum Energietisch nicht geladen. "Mit den Kritikern spreche ich auch, beziehungsweise mit denen bin ich im regelmäßigen E-Mail-Austausch. Auch ihnen werde ich noch eine Plattform bieten", kündigte Neubauer an.

Der Landrat formuliert beim Energietisch als Primärziel, eigene Energieproduktionen im Landkreis zu generieren und die Bürger daran zu beteiligen. So steige die Akzeptanz für eine Windkraftanlage oder einen Solarpark vor Ort. Das finanzielle Risiko werde verteilt, da zum Beispiel ein Genossenschaftsmodell dahinterstehen könnte. "Wir haben im Landkreis eine Menge Leute, die sich mit dem Thema Energie auskennen, die Ideen oder im besten Falle sogar schon Lösungen haben", so Neubauer.

Dazu zählt sich unter anderem die Volksbank Mittweida, deren Vertreter Raymond Uhlig zum Energietisch geladen war. Das Kreditinstitut unterstütze Initiativen, die beim Energietisch eine Rolle spielten, "zu meinen als finanzierendes Institut, zum anderen als Betreiber von Anlagen für erneuerbare Energien. Diese PV-Anlagen befinden sich unter anderem in Frankenberg und Mittweida", so Uhlig. Die Volksbank ist zum Beispiel an der MSE Mittelsächsische Bürgerenergiegenossenschaft Erlau beteiligt, die mit Strom aus Windkraft und Biogas Wasserstoff herstellen will.

Ein positives Fazit zum Energietisch hat auch Andreas Lietzmann von der Firma EAB New Energy GmbH aus Großschirma gezogen: "Wir wollten schauen, welche Ansätze es geben kann, um den Ausbau der erneuerbaren Energien in Zukunft weiter voran zu bringen. Es ist der richtige Ansatz. Jetzt müssen wir an Lösungen und Zielen arbeiten." Dabei müssten die Bürger mitgenommen werden. EAB ist unter anderem am geplanten Bau von Windkraftanlagen in Kleinschirma und Königshain-Wiederau beteiligt.

"Wir als Landratsamt möchten die Drehscheibe dieser Entwicklung sein. Eine Plattform für den Austausch bieten", sagte Neubauer. Die Kreisverwaltung habe beispielsweise die Regionalkonferenzen in den Altkreisen als solch eine Plattform für lokale Strategien etabliert. Zudem würden Gespräche über die Regelung zu Konsensflächen für Wind und Solar mit den zuständigen Sächsischen Ministerien und im regionalen Planungsverband geführt.

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