Funktionsstörung

Die Anzahl der Attacken auf Journalisten hat in diesem Jahr erheblich zugenommen. Der Beruf ist nicht gefährlicher als andere. Die kritische Frage lautet allerdings, was es bedeutet, wenn nicht mehr frei und unbefangen berichtet werden kann.

Chemnitz.

Die Pressefreiheit war kein Gottes- und kein Regierungsgeschenk. Sie wurde von Leuten wie Johann Peter Zenger erkämpft. Über Monate ließ Zenger in seiner Zeitung, dem "New-York Weekly Journal", tadelnde Artikel gegen den Provinzchef von New York erscheinen, während die regierungstreue Konkurrenz von der "New-York Gazette" sich in Lobhudeleien erging. William Cosby, Gouverneur von Englands Gnaden, warf Zenger Verleumdung vor. Er wollte ihn zum Schweigen bringen, ließ ihn verhaften und brachte ihn vor Gericht.

Zenger war ein deutscher Immigrant in den USA. Er stammte aus der Pfalz und kam mit seinen Eltern nach Amerika. Im Prozess zog Cosby alle Register, suchte ihm genehme Richter aus und ließ zwei Verteidigern die Lizenz entziehen. Was Cosby nicht erwartet hatte: Der Zeitungsmann fand Beistand in der New Yorker Gesellschaft, und das Urteil fiel zu Zengers Gunsten aus. Die Geschworenen sprachen ihn vom Vorwurf der Verleumdung frei. Das geschah am 5. August 1735.

Eine alte Geschichte, die aktuell zwei Erträge abwirft: Die Pressefreiheit ist nur etwas wert, wenn die Presse sie auch nutzt, um ihren Auftrag zu erfüllen. Und Pressefreiheit hält nur stand, wenn die Öffentlichkeit sie wertschätzt und zu ihrer Verteidigung bläst.

Hört man "Pegida"-Leuten zu, steht die Pressefreiheit im dünnen Kleidchen an der Laterne und friert. Die Demonstranten rufen "Lügenpresse", die AfDler "Pinocchiopresse". Sie legitimieren damit irre Haudraufs, die seit Monaten übergriffig werden: Im Januar bliesen Hooligans in Leipzig zur Jagd auf Reporter. In Duisburg konnte ein WDR-Kamerateam nur unter Polizeischutz drehen, in Braunschweig griffen Demonstranten Journalisten an. In Dresden bei "Pegida" wurde im September ein MDR-Mitarbeiter getreten, ein Reporter der "Dresdner Neuesten Nachrichten" erhielt einen Schlag ins Gesicht. Im Oktober griffen sie Berichterstatter der "Deutschen Welle" und von "Russia Today" an. In Cottbus attackierten AfD-Anhänger eine ZDF-Reporterin.

Auch die "Freie Presse" geriet ins Fadenkreuz: Steinwürfe gegen ein Redaktionsgebäude, Bedrohung eines Reporters im NSU-Prozess, Faustschlag gegen einen Fotografen im Dienst, Hetzjagd auf ein Reporterteam, das sich verstecken und in Sicherheit bringen lassen musste. Dazu kommen Einschüchterungsversuche und Hasstiraden im Internet, letztere beinahe täglich.

Mehr als 900 Straftaten wurden binnen eines Jahres im Zusammenhang mit Attacken auf Journalisten angezeigt, so der Deutsche Journalistenverband (DJV). Der Berufsverband spricht von No-Go-Areas für Journalisten - in bestimmten Städten, zu bestimmten Zeiten.

Haben die "Lügenpresse"-Rufe die Gewalt gegen Journalisten angeheizt? Ganz sicher. Wo die Sprache unerbittlich wird, verrohen auch die Umgangsformen. Die Spirale der Eskalation rotiert - ein Teufelskreis, der sich nur noch schwer durchbrechen lässt.

Der Beginn alles Neuen ist der Schrecken, schrieb der Dramatiker Heiner Müller. Inzwischen weicht der Schrecken der Erkenntnis. Hinter all den Aufläufen, hasserfüllten Leserbriefen, atemlosen Schreibdelirien der "Lügenpresse"-Rufer auf Facebook drückt sich ein Strukturwandel der Öffentlichkeit aus. Offenbar verlernen wir gerade, Debatten zu führen, um Probleme zu lösen. "Ich habe Recht und du nicht", ist alles, worum es noch geht. Vor der angeblichen "Propaganda" der Medien flüchten sie sich ins Fegefeuer des Internets: Was Emotionen anheizt, wird wie von Sinnen ventiliert. Wahrheitsgehalt, Quelle? Egal.

Das Gegenmittel gegen Propaganda ist aber nicht Gegenpropaganda. Das Gegenmittel ist Medienkompetenz.

Die Verantwortung für diesen verarmten Diskurs ist nicht nur auf der Straße zu suchen. Das Talkshow-Format im Fernsehen hat es vorgemacht: fünf Gäste in fünfzig Minuten und ein Moderator, der nur Stichwortgeber ist. Einer spielt den Kasper, ein anderer das Krokodil. Man knallt sich Vorurteile an den Kopf, Affekt statt Argument, zur Gaudi eines Publikums, das sich davon unterhalten lässt, sich am nächsten Tag aber kaum einer tieferen Erkenntnis zu erinnern vermag.

Um es mit einer Formel des Dichters Tomas Tranströmer zu sagen: Worte, Worte, keine Sprache. In genau diesem Talkshow-Modus bleiben sie auch auf dem Marktplatz stecken, der Curd aus Duisburg, der Stephane aus Leipzig, oder wie das austauschbare Bühnenpersonal der "Pegidas" landauf, landab auch heißen mag, wenn sie sich über "die Medien" pauschal das Maul zerreißen.

Dabei täuschen sich die Demonstranten, wenn sie glauben sollten, sie hätten die Kritik an Presse und Medien erfunden. Eine lächerliche Vorstellung, blanke Unwissenheit. Die Zahl der großen, einflussreichen Geister, die der Presse die Leviten lasen und lesen, ist Legion.

Saftig schimpfte schon vor hundert Jahren der Wiener Kulturphilosoph Egon Friedell, selbst ein Zeitungsschreiber: "Denn was ist Journalismus? Falsches Ethos und unerlebtes Pathos; leerlaufende Routine und ausgemünzte Phrase; konventioneller Blick durch das Auge des ,Zeitgenossen' und anmaßendes Glossieren von unten; zwangsläufige Themenwahl, diktiert von der Nachfrage; geistlose Überschätzung des ,Nachrichtenmaterials'."

Einem früheren Journalisten, der dem Alkohol verfallen ist, legt der jüngst verstorbene Kriminalautor Henning Mankell die Worte in den Mund: "Du hast Journalisten, die entlarven und aufdecken wollen. Du hast andere Journalisten, die sich als Laufburschen der Macht betätigen und dazu beitragen, das, was eigentlich vor sich geht, zu verbergen." Jawohl. Und wenn der frühere Bundespräsident Johannes Rau seufzte, das Selbstbewusstsein mancher Journalisten eile ihrer Kompetenz ziemlich weit voraus, hatte vermutlich auch er recht damit.

Es kann und darf der Gesellschaft nicht darum gehen, strukturelle Probleme der Medien zu leugnen. Auch die Tageszeitung ist in gewisser Hinsicht nichts als eine "parteiische, flüchtige, unvollständige, in Teilen zwangsläufig verfälschte und ungenaue Darstellung der Dinge, von denen wir in den vergangenen 24 Stunden gehört haben", wie ein Meister seines Faches, der "Washington Post"-Kolumnist und Pulitzer-Preisträger David S. Broder schreibt. Die Darstellung ist verzerrt, "obwohl wir uns nach besten Kräften bemühen, grobe Fehler zu vermeiden." Die Fehler liegen im Prozess der Komprimierung begründet: Redaktionen müssen es jeden Tag ermöglichen, dass man in einer vertretbaren Zeit ihre Texte durchlesen, ihre Nachrichten durchhören oder ansehen kann.

Die Demokratie beruht aber nicht auf der Vorstellung perfekter Medien, wie sie auch keine perfekten Menschen und keine perfekten Märkte braucht. Demokratie ist eine Antwort darauf, dass es Perfektion im Gesellschaftlichen nicht gibt. Alles muss hinterfragt, erneuert, angepasst werden, und die Demokratie selbst ist das Mittel zur Veränderung. Viele aktuelle Fragen liegen auf der Hand: Sind unsere Parlamente noch repräsentativ und handeln ausgewogen im Interesse aller Menschen? Scheren sich Politiker bei ihren "alternativlosen" Entscheidungen noch um die Akzeptanz derer, die von den Folgen betroffen sind? Kommt das gemeinsam Geschaffene vielleicht zu wenigen zugute? Ist unser Leben so reguliert, dass der Einzelne im Ganzen untergeht?

In den Medien sollen diese Fragen besprochen werden: Die Pressefreiheit ist eine dienende Freiheit der Demokratie. Bedroht ist die Pressefreiheit immer. Deutschland rangiert in der "Weltrangliste der Pressefreiheit" des Vereins Reporter ohne Grenzen auf dem 12. Platz: Es gibt Fälle staatlicher Überwachung von Journalisten. Wir haben einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit politisch beeinflussten Rundfunkräten. Die Anzahl der Zeitungen mit eigener Vollredaktion geht seit Jahren zurück. Von Bundesland zu Bundesland ist der Zugang zu Behördeninformationen unterschiedlich geregelt, oft fallen Zeit und Kosten dafür an. Dazu kommen Angriffe von Rechtsextremen und Salafisten auf Journalisten, die Reporter ohne Grenzen seit Jahren dokumentiert.

Geht es den "Lügenpresse"-Rufern aber wirklich um die Pressefreiheit? Wohl kaum. Ihr Zugang zu Informationen und ihr Recht, sich in frei zugänglichen Quellen selbst umzutun, ist in Deutschland völlig ungefährdet. Politisch geht es um die gesellschaftliche Hegemonie, ein altes Konzept mit linken Wurzeln, das von rechts gekapert worden ist. Es ist mit dem Namen des italienischen Marxisten Antonio Gramsci verbunden. Gramsci saß unter dem faschistischen Diktator Mussolini im Gefängnis, wo er 46-jährig auch starb. Die Haft hatte ihn ruiniert. Sein politisch-philosophisches Erbe erwies sich als unsterblich. Auf zwei Arten, schrieb Gramsci in den "Gefängnisheften", zeige sich die Vorherrschaft einer sozialen Gruppe: Sie herrscht entweder im Staat, oder aber sie strebt, wenn sie im Staat nicht herrschen kann, zunächst nach der Vorherrschaft ihrer Ideen in den Köpfen der Menschen.

Mit ihren Straßenaufzügen, die sie flächendeckend inszenieren, trachten Rechte und Rechtsextreme danach, die "intellektuelle und moralische Führung" zu übernehmen. Auf dass die Macht im Staat ihr dann irgendwann folgen möge.

Die Unübersichtlichkeit in der Welt spielt denen in die Hände, die autoritären Strukturen das Wort reden. Dagegen stehen Vernunft und Selbstvertrauen. Wo repressive Regime herrschen, stirbt auch die Pressefreiheit. Die Gesellschaften werden den Verlust womöglich erst später bemerken. Nur in demokratischen Gesellschaften gilt Thomas Jeffersons libertärer Satz: "Der Irrtum kann toleriert werden, wo die Vernunft frei ist, ihn zu bekämpfen." Wenn es das Korrektiv der öffentlichen Meinung nicht mehr gibt, haben die Irrtümer autoritärer Herrscher schlimme Folgen für alle.

In der Krise besteht für die Medien die Chance, sich auf ihre Funktion zurückzubesinnen. Demokratie lebt vom Streit, nicht vom Skandal. Für die US-Fernsehserie "Newsroom" hat Autor Aaron Sorkin den Anspruch bündig zusammengefasst: Die Arbeit der Medien soll zur Meinungsbildung beitragen. Dabei kommt es auf die besten Argumente und den historischen Kontext an. Polarisieren schadet, weil nicht jede Geschichte genau zwei Seiten hat. Manche hat nur eine, andere fünf.

Und die Mediennutzer? In seiner Schillerrede 2003 riet Johannes Rau zum Zweifel: "Bildung hat in dieser von den visuellen Medien geprägten Gesellschaft eine besondere, nämlich eine kritische Funktion." Im Idealfall, schrieb der Medienmanager Matthias Döpfner, könne "aus dem dialektischen Infragestellen so etwas wie ein konsistentes freiheitliches Weltbild entstehen."

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17Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    0
    PeKa
    18.12.2015

    Die Tatsache, dass Leute mit Krankheiten in die Notaufnahme gehen, die der Haus- oder Facharzt gut behandeln könnte, hat seine Ursache darin, dass immer mehr Patienten keinen Hausarzt finden. Sie werden gleich bei der Erstanmeldung abgewimmelt mit der Bemerkung "Meine Praxis ist voll ausgebucht". Dieses Problem zu beheben, ist Sache der Politik, indem sie den Ärzteverteilungsschlüssel überarbeitet und niedergelassene Praxen nur dort genehmigt werden, wo es an Ärzten mangelt.

    Noch viel schlimmer sieht es in der Psychiatrie aus. Dort ist es mitunter völlig aussichtslos, trotz schwerster Depressionen oder anderer psychischer Störungen einen behandelnden Arzt zu finden. Da werden Leute gleich an der Praxistür abgewiesen, die kommen gar nicht erst bis zum Thresen. Ein Gang zur Notaufnahme ist dann der einzige Ausweg, um nicht völlig durchzudrehen. Notaufnahmegebühr wäre nur Symptombehandlung. Wir benötigen aber Ursachenbekämpfung!

  • 2
    1
    TheBeastFromTheEast
    17.12.2015

    Naja, saxon, zunächst sollten wir einmal schauen, wer welche Aufgaben finanziell zu schultern hat. Bei der "Notarzt"-Pauschale soll der Grund nicht die Verarmung der Kassen sein, sondern die Versicherten sollen nicht mit Dingen, die der Hausarzt genauso gut erledigen könnte, die Kapazitäten der Notfall-Medizin belasten - wie schon bei der Praxis-Gebühr.
    Die Kommunen haben (meine diesbezügliche Berufserfahrung beschränkt sich auf sächsische Kommunen) in der Vergangenheit eine Finanzpolitik betrieben, die sehr oft bar jeglicher Vernunft war. Energie- und Wasserversorger mit 51%iger Beteiligung der Großkonzerne, der flächendeckende Verzicht auf Konzessionsabgaben, dazu albernst finanzierte Spaßbäder in kommunaler Regie bei einer Wirtschaft, die erst einmal Steueraufkommen generieren mußte - daß dafür jetzt die Pferdehalter einstehen sollen, ist ein Gedanke, der selbst für AOK-Versicherte eine Therapie garantiert. Daß hier Fördermittel in Größenordnungen verschludert wurden, ist traurige Wahrheit, und wirft zunächst die Frage nach Verbesserungen in der kommunalen Verwaltung auf. Ehrlicherweise muß ich zugestehen, daß eine durchgreifende Verbesserung mit den derzeit existierenden Verwaltungseinheiten nicht zu erreichen ist: Burkhardtsdorf (ca. 6.000 Einwohner), Thalheim (ca. 7.000 EW) und Zwönitz (ca. 12.000 EW) könnten zusammen eine leistungsfähige Verwaltung aufbauen - für jede Stadt/Gemeinde alleine klappt´s nur im günstigsten Fall. Aber das scheitert in der Regel am kommunalen Selbstbewußtsein - solange man es sich leisten kann. Diese Probleme haben wir - Flüchtlinge hin, oder her - eh´ zu lösen.
    Der Staat wird auch nicht in sozialen Wohnungsbau oder die Einrichtung von Arztpraxen investieren - selbstredend haben wir auf dem flachen (?) Land Probleme, genügend Ärzte dauerhaft anzusiedeln - wenn ein Facharzt wirtschaftlich denkt, geht er dahin, wo es auch ausreichend (mögliche) Patienten gibt. Daß sich seit der Wende die Wohnverhältnisse auch für die Masse der Mieter entscheidend verbessert hat, ist unzweifelhaft.
    Die "Tafeln" halte ich persönlich für gute Einrichtungen, da wir mittlerweile nicht mehr in einer Wohlstands-, sondern einer Überflußgesellschaft leben, und viel zu viel weggeworfen wird, was eigentlich in Ordnung ist. Dennoch: Die Grundversorgung sicher Hartz IV. Für mich keine Frage: Wenn die "Tafeln" da das knappe Budget entlasten helfen, ist das eine gute Sache - von mir aus können die Eltern dann auch das Geld, das sie für die Kinder kriegen, versaufen, solange sicher gestellt ist, daß die Kinder ordentlich versorgt sind. Verpflegung in den Asylbewerber-(Sammel)Unterkünften ist aber Teil der staatlichen Grundversorgung, und wird auf den jeweiligen Auszahlungsanspruch angerechnet.
    Sie sehen: Ich könnte Bücher (voll)schreiben - daß unser Gemeinwesen trotzdem bislang funktioniert hat, spricht für die Stabilität des Systems. GottseiDank !

  • 3
    0
    saxon1965
    17.12.2015

    @TheBeastFromTheEast: Wir sind uns im Tenor einig.
    Ich überlege nur, warum kommen die (armen) Krankenkassen wieder mal nicht mit den Einnahmen aus? Was gibt es für neue Ausgaben, die die Allgemeinheit jetzt schultern muss? Wir zahlen mittlerweile rund 15 Prozent unseres Gehaltes ein!
    Die Kommunen versuchen bzw. sind sogar verpflichtet jede Möglichkeit der Steuereinnahme umzusetzen, weil sie mit den Geldern vom Bund vorn und hinten nicht langen.
    Und wenn im Bund das Geld nicht langt oder die schwarze Null in Gefahr sein wird ... wäre die Gelegenheit die Mineralölsteuer zu erhöhen gerade sehr günstig. Okay, das ist nur ein Gerücht! Wir werden uns vielleicht wieder sprechen.
    Das eine oder andere Thema wäre es jedoch wert, zu hinterfragen, zu recherchieren, denn die Bundesregierung wird ganz sicher nicht zum Steuerzahler sagen: Wegen der Mehrbelastung durch die Völkerwanderungen, müssen wir 1:1 Steuern erhöhen. Das wäre viel zu unpopulär! Man wird so etwas bewusst und geschickt entsprechend zu verschleiern wissen. Denken sie nicht auch?
    Da gehe ich nicht mal so weit und stelle die Frage: Warum war für so vieles kein Geld da, wenn nun in Unterkünfte (nicht in Kitas, Schulen), in Verpflegung (nicht für die Tafeln), in sozialen Wohnungsbau (nicht für Kinderreiche oder Obdachlose), Medizinische Versorgung (s. o.), Manpower bei der Polizei (nicht bei der Drogenfandung) ...? Diese Fragen und Gedanken vieler Bürger kann man doch nicht einfach als Rechtspopulismus abtun?! Solche Zusammenhänge sollten mal untersucht werden.

  • 2
    2
    TheBeastFromTheEast
    16.12.2015

    @saxon1965: So lasse ich mit mir diskutieren - ohne Ihnen ohne Weiteres Recht zu geben. Sorkin verstehe ich so, daß die Medien Fakten so weitergeben, daß ich feststellen kann, ob die handelnden Personen meine Werte teilen, für sie einstehen oder nicht - und "handelnde Person" meint nicht den Berichterstatter. Das ist dann der erste Beitrag zur Meinungsbildung - der zweite ggf. ein Kommentar, der die Meinung des Autors wieder geben darf. Am Beispiel: Die FP schreibt auf der Sportseite: "CFC schlägt Dynamo 1:0". Im Kommentar steht:" Ein verdienter Sieg des CFC, wie jeder im Stadion sehen konnte: Die Dresdner Mannschaft gleicht einem Trümmerhaufen. Dredsden eben." Das läßt sich lesen, ist für mich als Dynamo-Fan selbstredend nahezu unvorstellbar *lach* - aber wenn der Fakt, daß der CFC gewonnen hat, nicht stimmt, ist das Ganze reine Propaganda. Also müßten Tatsachenbehauptungen wie "Die Asylanten kriegen mehr als unsere Hartzer!", "Die Regierung bricht das Grundgesetz !" erst einmal stimmen, damit die darauf aufbauenden Argumentationen erst einmal ernst genommen werden könnten - im Sinne einer auf Vernunft basierenden Meinungsbildung.
    Um Ihre Beispiele aufzugreifen: Die "Notarztgebühr" käme - wie schon die "Praxisgebühr" den Krankenkassen zu Gute, die "Pferdesteuer" ist eine Kommunalabgabe, die mit dem Bundeshaushalt nichts zu tun hat. Von einer Mineralölsteuererhöhung war - so das "goggle"-Ergebnis - 2015 keine Rede. Und jetzt bilden Sie sich eine Meinung über die Zuverlässigkeit der Quellen, die dahinter eine von "ganz oben" intiiierte Verschwörung sehen, die uns "die Medien" verschweigen.

  • 6
    0
    saxon1965
    16.12.2015

    >TheBeastFromTheEast< Richtig! Medien sollten nicht ungeprüft die Meinungen irgendwelcher Minderheiten vervielfältigen. Doch sie sollten Zitat: "...Aaron Sorkin den Anspruch bündig zusammengefasst: Die Arbeit der Medien soll zur Meinungsbildung beitragen." Wie bitte schön, soll sich der Leser eine Meinung bilden, wenn nicht auch die sachlichen Gegenargumente abgebildet werden? Wie kann sich ein/e 20jährige/r eine Meinung bilden, wenn dem jungen Menschen nicht auch verständlich gemacht wird, was die momentane Situation eventuell für Auswirkungen auf sein weiteres Leben in diesem Land haben könnte.
    Die Diskussionen/Gerüchte um Notarztgebühren, Erhöhung der Mineralölsteuern, Eintreiben von Pferdesteuern u. ä. m. kommt doch nicht von Ungefähr! Man (Frau M.) braucht Geld! Aber es geht uns Allen ja soooo gut!? Ich bin der Überzeugung, dass die Steuerlast und Sozialabgaben für den normalen Berufstätigen deutlich geringer sein könnten. Nein! Nicht alleine wegen der Flüchtlinge. Sondern weil dieses System komplett falsch funktioniert. Stichwort soziale "Schere".

  • 6
    1
    saxon1965
    16.12.2015

    Da haben sie >Hankman< sicher recht ... Gleich und Gleich gesellt sich gern. Mit den Umfragen ist das so eine Sache. Wen fragt man wie Was. Wenn dann 43 Prozent CDU wählen, sagt das auch nicht aus, dass 43 Prozent aller Bürger CDU-Wähler währen.
    Doch es ist ja wohl Fakt, dass man warnende Stimmen von vor einem Jahr nur all zu gerne und all zu schnell in die Rechte Ecke geschoben hat. Jetzt, seit paar Wochen, wird von kontrollierter Einreise, Quoten, Registrierung, Abschiebung, gescheiterter Multikulti u. s. w. gesprochen. Es ist schon so, sagt der Normalbürger unverblümt die Wahrheit ... erfindet der Politiker das Fahrrad noch mal, ist es etwas ganz Anderes. Dabei sollte doch die Politik auf Volkes Maul schauen.

  • 7
    3
    TheBeastFromTheEast
    16.12.2015

    Aber, saxon1965, warum sollte eine Zeitung irgendjemandes "Meinung" wiedergeben. "Recherche" soll die wesentlichen Fakten in den Artikel bringen, und nicht "Meinungen" - das dürfen "Kommentare", oder wir in den Leserbriefen. Daß eine Zeitung, die ernstgenommen werden möchte, keinen Unfug ("Jeder Asylbewerber bekommt mehr als ein Hartzer!", "Die Asylanten sind nur dran interessiert, unsere Frauen zu vergewaltigen!" etc.) kolportiert, sondern die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Kriminalstatistik darstellt, erscheint da legitim. Und "Volkes Meinung" haben nicht 300 Demonstranten in Chemnitz zu formulieren, sondern alle Bürger an der Wahlurne. Meinungsfreiheit bedeutet, straflos seine Meinung sagen zu dürfen - aber nicht, daß diese Meinung auch noch von allen estimiert werden muß.

  • 4
    2
    Hankman
    16.12.2015

    @saxon1965: Das ist eben die Schwierigkeit: Was ist Volkes Meinung? Die von Ihnen erwähnten 70 Prozent Willkommens-Bürger stammen aus Umfragen. Die Institute, die sowas machen, stellen auch dar, wie sie zu diesen Ergebnissen kommen. Ich halte es für möglich, dass diese Zahl - bundesweit betrachtet - auch zuverlässig ist. Ob sie es aber auch für Sachen ist ...? Keine Ahnung. Ich kenne in meinem Umfeld viele Menschen, die ich den "Willkommensbürgern" zuordnen würde oder die zumindest gelassen bleiben. Ihnen geht es offenbar anders. Wir alle umgeben uns natürlich am liebsten mit Menschen, die so ähnlich ticken wie wir selbst. Und in den sozialen Medien wird uns - systembedingt - natürlich vor allem das angeboten, was unseren Interessen und Ansichten entspricht. Wie wollen Sie oder ich dann aber "Volkes Meinung" korrekt erkennen?

  • 6
    3
    saxon1965
    16.12.2015

    Sehr viel von dem, was hier geschrieben wurde stimmt. Ich glaube, dass die "Lügenpresse" dadurch entstanden ist, dass sich viele Bürger in den Medien mit ihren Meinungen nicht wiedergefunden haben. Da muss die Frage erlaubt sein, wie auch die FP recherchiert, wenn die angeblichen 70 Prozent Willkommensbürger, von denen immer wieder geschrieben wurde, keiner kennt! Dass die meisten der Menschen nicht prinzipiell gegen die Aufnahme von Asylberechtigten war und ist, viel dabei leider dem Schwarz-Weiß, sprich Gut-Rechts, der Medien zum Opfer. Ich finde es sehr schade, dass eine regionale Volkszeitung, wie die FP, es nicht verstanden hat, wirklich Volkes Meinung wieder zu geben. Da wurde im letzten Jahr immer wieder von PEGIDA hier und da, den Gegendemonstranten und der allgemeinen Politischen Korrektheit berichtet, anstatt mal das journalistische Ohr an die Masse zu halten.
    Sehr viele meiner Bekannten, wie ich selber auch, fanden und finden sich jedoch weder Da noch Dort wieder.

  • 5
    1
    Freigeist14
    16.12.2015

    VitaminC:"Die Medien lügen wie gedruckt"Was für eine fahrlässige Verallgemeinerung.Ich bin überzeugt,der Wutbürger hier nimmt dabei explizit"Zuerst"und "Compact"aus.
    Boulevardmedien -von BILD bis Focus-haben aber schön öfter den Beruf des Journalisten verhöhnt und beschmutzt und Kollegen von seriösen Blättern,wie Freie Presse und Sächsische Zeitung auch,einen Bärendienst erwiesen.

  • 9
    3
    TheBeastFromTheEast
    16.12.2015

    VitaminC: Wenn die "FP" nicht schreibt, was Sie für kritikwürdig erachten - hier in der Leserbriefspalte haben Sie doch die Chance, Ihre Sicht der Dinge darzustellen. War das zu DDR-Zeiten auch so ? Mitnichten ! Selbstredend: Ich tue mich leichter mit Argumenten, statt mit Beleidigungen, Fakten, statt bloßen Mutmaßungen. "Ich hab Recht, und Du hast Unrecht!", ist für mich nicht das Ziel einer Diskussion. Ich erwarte aber von meinen "Kontrahenten" Sachlichkeit, die ruhig auch scharf ironisch, aber nicht beleidigend oder (Bildungsbürger!) polemisch daher kommen darf. Und: Es zwingt Sie niemand, die "FP" überhaupt zur Kenntnis zu nehmen - es gibt Publikationen genug, und eine wird auch Ihre Weltsicht bestätigen. Wenn Sie das denn wollen.

  • 9
    0
    Hankman
    16.12.2015

    @vitaminC: Das ist doch ein Teil des Problems in der gegenwärtigen Debatte: Es gibt nicht DAS Volk, es gibt nicht DIE Medien oder DIE eine Wahrheit. Die Welt ist bunt und viel komplizierter. Ich verstehe, dass das manchen überfordert. Aber das müssen wir alle aushalten. Ihr Tipp ist genau richtig: Smartphone aus, raus in die Wirklichkeit. Und möglichst auch in die Ecken, die man sonst meidet. Sollten die Pegidisten auch machen. Statt auf DIE Medien zu schimpfen, kann man ja mal eine TV-, Radio- oder Zeitungsredaktion anmailen: Hallo, darf ich mal vorbeikommen? Erklärt ihr mir mal genau, wie ihr arbeitet? Ist sicher für die Journalisten ebenso interessant wie für die Besucher. Jedenfalls wenn man einander zuhört und vor allem: einander respektiert.

  • 6
    6
    PeKa
    16.12.2015

    Schlägerangriffe gegen Journalisten und Beschädigung von deren Technik werden also durch Wut gerechtfertigt, die beim Volk aufkommt. @vitaminC, wenn ich Wut gegen jemanden habe, dann habe ich gefälligst die Zähne zusammenzubeißen und die Faust tief in der Hosentasche zu vergraben!

  • 7
    5
    gelöschter Nutzer
    16.12.2015

    @Blackadder: Dem kann ich mich 100% anschließen.

  • 7
    8
    Blackadder
    16.12.2015

    @AnVo59 "Man sollte hier aber unterscheiden, zwischen gezielten Repressalien um eine Berichterstattung zu verhindern und "Frustreaktionen" genervter Bürger !"

    Warum? Eine Einschränkung der Pressefreiheit ist in keinem Fall zu unterstützen, egal, was die Gründe sein mögen. Und Gewalt gegen Journalisten, die gerne mal von besorgten Bürger ausgeht erst recht nicht.

    Es ist richtig und wichtig, falsche Berichterstattungen zu kritisieren. das hat Walraff schon Ende der 1970er Jahre getan, ABER er hat nicht pauschal alle Journalisten verteufelt und mit primitiven Schmährufen bedacht, sondern er hat die Lügen von BILD in einem Buch aufgedeckt und die Menschen sensibilisiert. Was z.B. auch die "Anstalt" im ZDF macht.

    "Ich haben es in letzer Zeit zu oft erlebt, das, wahrscheinlich mangels Argumente, schnell mal mit Verbalen Entgleisungen reagiert wird....."

    Ja und zwar gerade hier im Forum oder auch bei Facebook vor allem von Seiten der besorgten Bürger, wenn man sich erdreistet nicht ihrer Meinung zu sein. Zumal ich Aussagen wie "Lügenpresse" und "Volksverräter" auch für verbale Entgleisungen halten. Das geht auch anders und niveauvoller.

  • 8
    8
    gelöschter Nutzer
    16.12.2015

    Pressefreiheit ist ein hohes Gut, und Gewalt gegen Journalisten nicht hin zu nehmen.
    Man sollte hier aber unterscheiden, zwischen gezielten Repressalien um eine Berichterstattung zu verhindern und "Frustreaktionen" genervter Bürger !
    Ersteres ist zu verurteilen. Beim zweiten sollten sich die Journalisten fragen, ob das nicht Hausgemacht ist. Wenn Bürger durch gewisse Boulevardblätter durch den Kakao gezogen werden, wenn der Eindruck entseht, das nur noch einseitig berichtet wird und offensichtlich das, was berichtet wird, nicht mit dem übereinstimmt, was Bürger erleben, Wenn der Eindruck entseht, das nur "regierungstreu" berichtet wird, dann wundern Ausrufe wie "Lügenpresse" nicht wirklich.
    Vielleicht sollten wir uns wieder angewöhnen, mehr zwischen den Zeilen zu lesen und vor allem auch die Meinungen Anderer zu akzeptieren, auch wenn wir sie nicht unbedingt teilen. Diskutieren kann man ja darüber. Aber bereits da hängt es ja oft schon. Ich haben es in letzer Zeit zu oft erlebt, das, wahrscheinlich mangels Argumente, schnell mal mit Verbalen Entgleisungen reagiert wird.....

  • 8
    13
    vitaminC
    16.12.2015

    Die medien lügen wie gedruckt, es wird verharmlost und weggelassen,Zahlen geschönigt, durch die rosarote Brille unserer irren Kanzlerin gehuldigt, ein Parteitag der CDU wie zu SED_eiten nicht kritisiert, und dann wundert ihr Redakteure euch dass beim Volk Wut aufkommt. Geht doch mal ohne Smartphon an die frische Luft .



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