Die beiden Entertainer geben dieses Mal Menschen an der Front in der Ukraine Sendezeit. (Archivbild)
Die beiden Entertainer geben dieses Mal Menschen an der Front in der Ukraine Sendezeit. (Archivbild) Bild: Christoph Reichwein/dpa
Panorama
Joko und Klaas zeigen Alltag an ukrainischer Front

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Wenn das Grauen zum Alltag wird: Bereits seit 2022 führt Russland Krieg gegen die Ukraine. Joko und Klaas nutzen ihre gewonnene Sendezeit, die Belastungen für Menschen an der Front zu zeigen.

Berlin.

Die Entertainer Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben ihre freie Sendezeit bei ProSieben genutzt, den deprimierenden Alltag an der ukrainischen Front aus der Sicht Betroffener zu zeigen. Die eigentlich geplanten 15 Minuten Sendezeit, die die beiden bei ihrem Haussender ProSieben gewonnen hatten, wurden am Donnerstagabend für die Dokumentation "Joko & Klaas Live- #dontlookaway" auf mehr als drei Stunden verlängert.

Die spontane Ausstrahlung stieß insbesondere beim jüngeren Publikum auf Interesse: Im Schnitt 310.000 Zuschauerinnen und Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren ließen sich über 200 Minuten hinweg auf den Film ein; das entsprach einem Marktanteil von 9,7 Prozent. Insgesamt waren 460.000 Menschen dabei. 

Die sogenannte Netto-Reichweite belief sich laut ProSieben auf 2,88 Millionen Menschen, wie der Branchendienst "DWDL.de" am Freitagmorgen berichtete. Das bedeutet: So viele Leute kamen zumindest für kurze Zeit mit dem Film in Berührung. Zum Vergleich und zur Einordnung: Quotensieger ab 20.15 Uhr war die ARD-Wiederholung "Der Zürich-Krimi: Borchert und der Schuss ins Herz" aus dem Jahr 2024 mit rund 4,1 Millionen Zuschauern (davon 266.000 unter 50).

Darum ging es in "#dontlookaway"

Ein Drohnen-Pilot, ein Chirurg, eine Mitarbeiterin einer Stadtverwaltung, ein Evakuierungshelfer und ein Polizist erzählen und schildern das Grauen des mittlerweile mehr als 1.560 Tage dauernden russischen Angriffskriegs. Eine in der Ukraine lebende Kontaktperson führte nach Senderangaben die Interviews mit den Betroffenen. 

Die Dokumentation beginnt mit den Worten eines Protagonisten: "Vor einiger Zeit haben sie uns Kameras in die Ukraine geschickt und gefragt: Was würdet ihr Menschen über euren Alltag erzählen? Was sollten sie sehen? Das ist es, was wir euch zeigen wollen. So sehen unsere Tage aus. Das ist unser Leben. Schaut nicht weg." Die Dokumentation endet mit den Worten: "Wenn der Krieg kommt, ist es so schockierend. Es ändert alles. Deshalb leben wir im Augenblick."

Thema der freien Sendezeit war großes Geheimnis

Erneut überließen Joko und Klaas ihre erspielte Sendezeit Menschen und Bildern, die aus ihrer Sicht gehört und gesehen werden sollten. Statt wie gewohnt 15 Minuten, zeigten Joko und Klaas eine rund 200-minütige - und werbefreie - Dokumentation. Am Mittwoch hatten sie sich in einer Abendshow gegen ihren Haussender durchgesetzt - und bekamen dafür freie Sendezeit. Wie die beiden diese nutzen wollten, war zuvor ein Geheimnis.

In der Dokumentation wechseln die Protagonisten ständig. Mal ist Chirurg Andriy zu sehen, wie er den Arm eines Schwerverletzten bandagiert und erzählt, es würden auch Leichen gebracht. Dann werden laut weinende Menschen gezeigt, die ihre Angehörigen verloren haben. Olha, Mitarbeiterin eines kommunalen Unternehmens des Stadtrats von Cherson, läuft durch zerstörte Wohnungen. Eine 81-jährige Bewohnerin sagt, wenn sie beim Drohneneinschlag da gewesen wäre, wäre sie nun tot. 

Warum trifft uns dieses Leid?

Der Drohnen-Pilot Dmytro zeigt Dutzende auf dem Boden einer Wohnung stehende Drohnen und sagt: "Unsere Drohnen, die heute töten gehen." Während eine Polizistin mit verzweifelten Blick fragt: "Warum trifft uns dieses Leid?" Arzt Andriy meint am Ende, er wünsche sich so sehr, dass es nie wieder einen so schrecklichen Krieg geben werde. Er habe aber den Eindruck, der Krieg werde nie enden. Er wolle so gerne zurück zu seiner Frau. Sagt der 39-Jährige.

Wenn die Protagonisten mit ihren Handkameras durch Wohngebiete laufen, wirkt die Szenerie im ersten Moment des Öfteren friedlich - bis dann Hausruinen, verkohlte Autos, schwer bewaffnete und auch schwer traumatisierte Menschen vor den Kameras stehen und die deprimierende Realität offenbaren. 

Joko (47) und Klaas (42) nutzen ihre Formate bei ProSieben seit Jahren auch für gesellschaftliche und politische Themen – etwa zu Seenotrettung, Rechtsextremismus oder Frauenrechten. Die beiden Entertainer gehören zu den wichtigsten Gesichtern des Senders. Produktionen wie "Joko & Klaas gegen ProSieben" erreichen regelmäßig ein großes Publikum. Sie gelten als wichtige Quotentreiber für den Sender. (dpa)

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