Die Kliniken in Sachsen arbeiten am Anschlag - Mediziner richten dringenden Appell an die Bevölkerung

Wenn es nicht gelinge die Neuinfektionen ganz spürbar zu senken, dann seien die Kliniken spätestens über die Weihnachtsfeiertage nicht mehr in der Lage, die Notfallversorgung im Freistaat auf gewohntem Niveau abzusichern.

Chemnitz/Aue.

Angesichts der weiter stark steigenden Corona-Neuinfektionen blicken die Krankenhäuser in Sachsen mit großen Sorgen auf die kommenden Tage und Wochen. Wenn es nicht gelinge, die Neuinfektionen ganz spürbar zu senken, dann seien die Kliniken spätestens über die Weihnachtsfeiertage nicht mehr in der Lage, die Notfallversorgung im Freistaat auf gewohntem Niveau abzusichern. "Wir müssen schon jetzt, alles was wir an Mitarbeitern und Material zur Verfügung haben, einsetzen, um die Versorgung aufrecht erhalten zu können", sagte Prof. Dr. Christoph Josten vom Universitätsklinikum Leipzig am Nachmittag bei einer Pressekonferenz in Aue. Im dortigen Heliosklinikum hatten sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Landrat Frank Vogel (CDU) vorher über die sehr angespannte Situation informiert. Dort sind inzwischen alle Intensivbetten belegt.

Professor Josten und der Chemnitzer Infektiologe Dr. Thomas Grünewald, dessen Team am Klinikum in Chemnitz aktuell mehr als 200 Coronapatienten versorgen muss, appellierten an die Bevölkerung in Sachsen, endlich konsequent Kontakte zu vermeiden, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten sowie Mund-Nase-Schutz zu tragen. Obwohl die jetzige Coronasituation viel dramatischer sei als im Frühjahr, würden noch zu viele Menschen zu locker und unbedarft mit der Pandemie umgehen. "Jeden kann diese Krankheit treffen", sagte Dr. Grünewald. Dass mittlerweile jeden Tag zwischen 50 und 100 Menschen in Sachsen an oder mit Covid sterben, dies sei nicht hinnehmbar.

Den fundamentalen Unterschied in den Auswirkungen auf die Krankenhäuser zwischen der ersten Welle im Frühjahr und jetzt belegten die Mediziner auch mit Zahlen. So würden aktuell etwa zehnmal so viele Covidpatienten auf Normalstationen behandelt wie im Frühjahr. Die Anzahl der Intensivpatienten habe sich verfünffacht. Allein in Südwestsachsen seien aktuell 1200 der insgesamt 6500 Krankenhausbetten mit Covidpatienten belegt. Tendenz stark steigend.

Erschreckend sei, so Professor Josten, dass in Sachsen rund 40 Prozent der Intensiv-Covidpatienten versterben. Hoch sei auch die Sterblichkeitsrate bei Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen. Dr. Grünewald sprach von 25 Prozent.

Mit Blick auf die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage würden in den Kliniken zwar weitere Intensivkapazitäten aufgebaut, um den prognostizierten weiteren überproportionalen Patientenanstieg noch bewältigen zu können. Allerdings gehe das erneut zu Lasten der Normalversorgung, die in vielen Krankenhäusern schon extrem ausgedünnt sei. Zudem könnten Mediziner, Pfleger und Klinikpersonal über die Feiertage kaum noch freibekommen. Schon jetzt würden Patienten aus dem Raum Ost- und Westsachsen nach Nordsachsen verlegt. Im nächsten Schritt könnte es notwendig werden, Patienten auch in andere angrenzende Bundesländer zu verlegen.

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2222 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    1
    OlafF
    14.12.2020

    @klapa: Die ehemaligen Parteien der ehemaligen Arbeiterklasse und ver.di warnen schon seit Jahren, dass Personalschlüssel zu gering sind, halten jetzt jedoch lieber schön Mund und Nase bedeckt. Auch wenn sich Patienten bis zur Decke hoch stapeln. Das Problem ist nicht neu. Also schnell Hände aufhalten und über Wasser halten, bevor das Geld alle ist. Die Maximalversorger müssen maximal versorgt sein. Schließlich geht es hier nicht um Daseinsvorsorge, sondern um maximale Auslastung und rasche Gewinnoptimierung. Als Bankkaufmann kennt man sich schließlich gut aus in der Gesundheitsindustrie. Wen störts schon, dass regelmäßig Personal und System am Limit sind? Reserven oder Katastrophenpläne wozu?
    Das bringt nix. Das kostet nur.

  • 6
    3
    klapa
    13.12.2020

    Ist es eigentlich das erste Mal, dass Kliniken und KH an ihre Limits gelangen? Ist das in der Vergangenheit in D noch nie passiert? Ist das nicht vllt. doch auf Grund des Personalmangels auf allen Ebenen eher ein Dauerzustand

    Oder wird diese Tatsache jetzt eher dazu genutzt, psychologischen Druck in der Öffentlichkeit aufzubauen und durchsichtige Begründungen für drastische und ‚autoritäre’ Maßnahmen zu liefern?

    ‚Alarmierende Zustände in deutschen Krankenhäusern. Ärzte sind überlastet und haben keine Zeit für Patienten. Von jungen Medizinern kommt jetzt ein Aufschrei. Eine Studie gibt ihnen recht: 70 Prozent der Ärzte haben Anzeichen von Burnout.

    Da bleiben einfach Patienten auf der Strecke. - DLF 23.01.2020

    Das war etwa zwei Monate vor Corona.

  • 5
    4
    Einspruch
    13.12.2020

    Zumindest besteht bei Corona noch Hoffnung auf einen glimpflichen Verlauf und das Verlassen der ITS. Es gibt Krankheiten, da weiß man bei erhalt der Diagnose, das das Ende naht und die ITS nur die letzte Station ist und man auch nicht gerade entspannt ablebt. Aber sowas zählt heute offenbar nicht mehr. Als gäbe es nur diese eine, des öfteren, aber nicht unbedingt zwingend schwer verlaufende Krankheit.

  • 5
    4
    Schützenfrau
    13.12.2020

    @tbaukhage , das ist aber auch nicht die feine Art . Pietätlos heißt das . Bei Unfällen auf der Autobahn werden Spanner bestraft .

    Auf den ITS ist im Frühjahr und Herbst / Winter immer sehr viel los . Selbst im Sommer musste mein Sohn von der ITS auf die Normalstation , weil auf der ITS die Betten alle belegt waren , obwohl er schlimme Verletzungen hatte .

  • 5
    7
    tbaukhage
    13.12.2020

    @ShadowLight: Ich hatte im Frühjahr Gelegenheit, einen Blick durch die Scheibe eines ITS-Zimmers zu werfen. Ich konnte erleben, wie dort ein Corona-Infizierter mit blauen Lippen um ein bisschen Luft zum Überleben rang. Ich war _bisher_ der Meinung, dass ich das niemendem wünsche, weder vor noch und schon garnicht hinter der Scheibe...

    Hast Du auch schon solche Erfahrungen gemacht? Oder bist Du aktuell oder in den vergangenen Tagen Corona-positiv getestet, evtl. mit der Aussícht, selber hinter so einer Scheibe zu landen? Ich hatte bei meiner Corona-Infektion Glück, die Symptome waren nur mittelschwer und sind langsam am Abklingen...

  • 6
    4
    ShadowLight
    13.12.2020

    @ Twe Merken sie überhaupt, was für einen Schwachsinn sie vom sich geben und wieviel Quatsch sie reden,

    Erstens haben sie nicht das miterlebt, was ich erlebt habe und zweitens lasse ich mich hier von niemanden als Lügner und Spinner hinstellen!

    Werde erst mal erwachsen! Vielleicht kann man ja dann vernünftig mit ihnen reden!

    Ich könnte ihnen das auch ausführlich erklären! Aber das würde zu lange dauern!

  • 5
    8
    TWe
    13.12.2020

    @ShadowLight
    Ihre verbalen Entgleisungen zeigen, dass meine Vermutung bezüglich Ihrer zweifelhaften Glaubwürdigkeit offenbar berechtigt ist.

    Im Hinblick auf Ihren behaupteten Aufenthalt im Krankenhaus gehe ich davon aus, dass Sie weder in der Personalabteilung noch bei der Pflegedienstleitung Einblick in Dienstpläne genommen haben. Für die Behauptung, dass "viele medizinische Einrichtungen" (In wie vielen Krankenhäusern waren Sie denn überhaupt?) nur mit "halber Belegschaft" arbeiten, feht Ihnen demzufolge ein adäquate Grundlage.

    Trotzdem erheben Sie eine punktuelle subjektive Beobachtung nach einer unbegründeten Verallgemeinerung ("viele medizinische Einrichtungen") zur "nackten Tatsache".

  • 6
    10
    ShadowLight
    12.12.2020

    Twe: Hättet du die Beiträge aufmerksam durchgelesen; dann hättest du auch gewusst, dass ich das nur deshalb von mir behaupten kann, weil ich bis vor kurzem selbst noch im Krankenhaus war und das dadurch alles live vor Ort selbst miterlebt habe!

  • 6
    10
    ShadowLight
    12.12.2020

    TWe: Was laberst du. Ich mit solchen Müll zu,

    Erst nachdenken und Gehirn einschalten, bevor man was schreibt!

    Da dich meine Antworten scheinbar nicht interessieren - Wieso fragst du mich da erst überhaupt?

  • 2
    3
    nnamhelyor
    12.12.2020

    @Pixelghost Ja, das mit dem Maske RICHTIG tragen ist so eine Sache. Ich glaube ja, dass, so wie die allermeisten Menschen ihre MNB benutzen - sofern es sich hierbei auch nicht nur um einen Grobstrickschal oder gar ein Seidentuch handelt - der vermittelte (oder erhoffte) Schutzeffekt überhaupt nicht gegeben ist. Und vielleicht dadurch die Übertragungsrate sogar noch erhöht wird.

    Wohl gemerkt spreche ich den dafür geeigneten MNS ihre grundsätzliche Schutzwirkung nicht ab. Aber ich bezweifle eben dass die allerorten zu beobachtende Benutzung - und Aufbewahrung - noch im Sinne des Erfinders ist!

  • 9
    4
    typewriter
    11.12.2020

    Wenn man sich damit beschäftigen würde, wie sich das Virus überträgt, wüsste man,dass nicht desinfizierte Einkaufswagen nicht das Problem sind. Durch das ständige Desinfizieren zerstören wir nur unser Immunsystem.

  • 22
    7
    Chemnitzfan
    11.12.2020

    Über die Sinnhaftigkeit mancher Maßnahme kann man sich streiten, z.B. das Tragen einer Maske auf dem Parkplatz. Was aber jeder tun kann, ist bestimmte Regeln einhalten, um sich vor Ansteckung zu schützen. Maske tragen, Abstand halten und die Hände und beim Einkauf den Einkaufswagen zu desinfizieren ist das, was jeder kann. Deshalb habe ich kein Verständnis, wenn gerade Letzteres ignoriert wird. Bei einem Einkauf im Kaufland Zschopau sah ich, dass fast keiner seinen Einkaufswagen desinfizierte. Da wundert es mich nicht mehr, das der Erzgebirgskreis so viele Infizierte hat.

  • 16
    12
    TWe
    11.12.2020

    @ShadowLight
    Merken Sie eigentlich, welchen Quatsch Sie hier von sich geben?

    Im ersten Post begründen Sie Ihre Behauptung mit "aller Wahrscheinlichkeit nach". Sechs Posts weiter sind aus der "Wahrscheinlichkeit" dann plötzlich "nackte Tatsachen" geworden. Das entspricht genau der Argumentationsweise unserer querdenkenden Zeitgenossen. Erst kommt die aus der Luft gegriffene unbelegte Behauptung und schwupps ist daraus plötzlich eine angebliche Tatsache geworden.

    Gut, dass hier für jeden nachlesbar alles dokumentiert ist. Im Hinblick auf Ihre Glaubwürdigkeit spricht das nämlich Bände....

  • 10
    17
    ShadowLight
    11.12.2020

    @TWe: Im Krankenhaus war ich grade und dadurch weiß ich es auch!

  • 37
    12
    Pixelghost
    11.12.2020

    „Trotz monatelanger Warnungen vor der, viel schlimmer werdenden, 2.Welle wurde schlussendlich genau was unternommen um sich darauf einzustellen?“

    Und was hat der geneigte Bürger dazu getan? Abstand halten? Kontakte vermeiden? Maske RICHTIG tragen?
    Nein, es wurden nur Ausflüchte gesucht was nicht passt. Wie im Straßenverkehr.

  • 11
    25
    ShadowLight
    11.12.2020

    @Twe: dieses Statement entspricht nackten Tatsachen. Wenn sie kotzen wollen - Nur zu! Niemand hindert sie daran!

  • 46
    23
    TWe
    11.12.2020

    @ShadowLight
    "viele medizinische Einrichtungen werden aller Wahrscheinlichkeit nach nur mit halber Belegschaft arbeiten"
    Ist diese Vermutung durch irgendeinen Fakt belegt oder lediglich einem querdenkenden Hirn entsprungen? Wenn sehe, welcher unmenschliche Zynismus aus den hier zu lesenden Statements spricht, könnte ich ko.....

    Erst wird monatelang die Existenz der Virus geleugnet, dann wird die Situation gnadenlos verharmlost und nun wo uns sogar die Mediziner um eine Verhaltensänderung anflehen wird alles auf eine imaginäre Instanz geschoben, welche unsere Kliniken mit viel zu wenigen ITS-Betten ausgestattet hat. Eines bleibt aber gleich. Die Ursachen liegen immer woanders, niemals beim eigenen Verhalten.

    Vielleicht benötigen Sie ja in den kommenden Wochen mal einen Krankenhausaufenthalt. Es könnte sein, dass der Weg nach der Entlassung auch bei einer vergleichsweise harmlosen Erkrankung in einer Holzkiste direkt auf den Friedhof führt. Wann begreift das endlich der letzte?

  • 31
    15
    1212178
    11.12.2020

    "trotz monatelanger Warnungen... Da schulden uns die Verantwortlichen schon mal konkrete Antworten": Fangen doch einige mal bei sich selbst an: Ist es so kompliziert ohne weitere Anweisungen mal den Sicherheitsabstand einzuhalten, nicht jedes Obst einzeln anzudatschen bis man das genehme findet oder den Kopf nicht fast im Kühlregal zu versenken um das Fleischstück in der letzten Reihe zu finden, das vielleicht noch einen Tag länger haltbar ist. Noch ist der Krug nicht gebrochen, aber er befindet sich im freien Fall.

  • 23
    18
    tbaukhage
    11.12.2020

    @nnamhelyor: Was soll sich dadurch an der aktuellen Situation ändern???

    Sinken die Infektionszahlen durch das ständige Fragen nach Schuldigen? Wie ändert sich die Belegung der ITS-Betten durch die ständigen Hinweise auf das Kaputtsparen?

    Hebe Dir Deine (völlig berechtigte) Kritik auf bis kommenden September!

  • 39
    11
    nnamhelyor
    11.12.2020

    Trotz monatelanger Warnungen vor der, viel schlimmer werdenden, 2.Welle wurde schlussendlich genau was unternommen um sich darauf einzustellen? Da schulden uns die Verantwortlichen schon mal konkrete Antworten!

    KH arbeiten durch personelle und finanzielle Einsparungen quasi im Dauerzustand an der Belastungsgrenze, und ähnliche Zustände wurden auch in den letzten Jahren nicht selten zu den Hochzeiten von Virusinfektionen erreicht. Diesbezügliche Meldungen findet man deutschlandweit in den Archiven großer und kleiner Zeitungen. Corona deckt diesen Zustand nun schonungslos auf, und diesmal ist der Krug eben gebrochen.

  • 33
    19
    mivoroge25
    11.12.2020

    Im Globus- Markt in Weischlitz darf man bis heute noch seinen Imbiss direkt neben der Fleischtheke einnehmen. Wer etwas dazu sagt wird vom Sicherheitsdienst und von der Verkäuferin beschimpft.

  • 31
    22
    ShadowLight
    11.12.2020

    Es dürfe auch klar sein warum! Denn viele medizinische Einrichtungen werden aller Wahrscheinlichkeit nach nur mit halber Belegschaft arbeiten und das bei nahezu voller Kapazitätausnutzung!