Whiskey, Kaffee oder Cremes hinter Glas oder nur auf Nachfrage kennen Sachsens Supermarkt- und Drogeriekunden schon länger. Doch wer zurzeit zum Beispiel bei Lidl in Chemnitz einkauft, stößt jetzt auch auf Diebstahlsicherungen bei Gulasch, Steaks, Lachs und Co.
In den Regalen finden Kunden inzwischen immer häufiger gelbe Aufkleber auf den Waren: „Gesicherter Artikel – Etikett vor dem Erhitzen entfernen“, ist darauf zu lesen. Dazu ist ein Vorhängeschloss-Symbol abgebildet. Zu sehen sind diese Etiketten nicht nur in Supermärkten bei Kaffeesorten wie Nescafé und Dallmayr Prodomo, sondern auch zunehmend in den Kühlregalen.
Sicherheitsetiketten erobern das Kühlregal
So kleben die gelben Etiketten auf Verpackungen mit Rinderfilet, Entrecôte und sogar mit Rindergulasch. Auch auf Rinder-Hüftsteaks für 5,99 Euro und Lammhaxe für 6,99 Euro prangt der Aufkleber. So gesehen in einer Lidl-Filiale im Chemnitzer Stadtteil Kappel. In etlichen Filialen hat der Discounter auch Doraden, Sushi, Norwegischen Lachs oder Knusper-Backfisch auf diese Art gesichert.
Das sagt Lidl zum Diebstahlschutz
„Bei der Diebstahlprävention nutzen wir branchenübliche Maßnahmen, zum Beispiel die individuelle Sicherung vereinzelter Artikel“, erklärt ein Lidl-Sprecher auf Anfrage der „Freien Presse“. „Dies ist eine gängige, deutschlandweite Praxis im Einzelhandel.“
So funktionieren die gelben Aufkleber
Bei den gelben Aufklebern handelt es sich um sogenannte RF-Etiketten. Dahinter steckt eine ähnliche Technologie, die zum Beispiel auch für Schlüsselkarten in Hotels oder bei Zugangskontrollen am Lift genutzt wird. Die Abkürzung RF steht dabei für Radiofrequenz. Egal ob quadratisch, rechteckig oder rund, die gelben Sicherheitsetiketten beim Discounter besitzen alle in irgendeiner Form eine Spule oder Antenne aus Metall. Die muss durch eine hohe Spannung beim Scannen an der Kasse „ausgeschaltet“ werden. Geschieht das nicht, wird beim Passieren der Sicherheitsschleuse ein Alarm ausgelöst.
Bereits in der Vergangenheit waren solche Aufkleber deutschlandweit in einigen Lidl-Filialen aufgetaucht. Damals hieß es vom Discounter, dies geschehe bei „hochwertigen Produkten und besonders gefährdeten Artikeln“, wie die „BZ“ berichtet.
Warum nun auch in Sachsen Gulasch, Hüft-Steaks und Lammlaxe derart gesichert werden, will Lidl auf Anfrage der „Freien Presse“ nicht preisgeben. „Wir arbeiten eng mit den zuständigen Behörden zusammen, um Straftaten zu verhindern oder aufzuklären“, erklärt der Sprecher nur. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir keine weiteren Angaben zu Diebstählen und Sicherungssystemen in unseren Filialen machen möchten.“
So riesig ist der Schaden: Sachsens Einzelhandel schlägt Alarm
Laden-Diebstahl ist ein großes Problem für den gesamten Einzelhandel. Vergangenes Jahr wurden mehr als 400.000 Fälle in Deutschland erfasst. Bundesweit ist die Anzahl der Delikte damit gegenüber dem Vorjahr zwar zurückgegangen. In Sachsen aber nimmt der Ladendiebstahl zu: So hat sich die Anzahl der von den Behörden erfassten leichten und schweren Landendiebstähle im Freistaat in den vergangenen drei Jahren auf 20.500 fast verdoppelt. René Glaser, Chef des Handelsverbands Sachsen (HVS), warnte allerdfings kürzlich, dass das tatsächliche Ausmaß der Diebstähle sogar noch viel größer ist: Studien zufolge liegt die Dunkelziffer bei weit über 90 Prozent, da viele Taten nicht zur Anzeige gebracht oder nicht entdeckt würden.
Der Gesamtschaden für den Einzelhandel durch diebische Kunden lag im Jahr 2024 nach Einschätzung des Kölner EHI Retail Institutes bei fast drei Milliarden Euro. HVS-Chef Glaser schätzt den Verlust für Sachsen auf rund 150 Millionen Euro. Allerdings sollen auch Mitarbeiter, Lieferanten und Service-Personal immer wieder selbst stehlen. Geschätzter bundesweiter Schaden dadurch laut EHI: mehr als eine Milliarde Euro. (juerg)







