Die Handwerkskammer Dresden will schärfer gegen Schwarzarbeit vorgehen. (Symbolbild)
Die Handwerkskammer Dresden will schärfer gegen Schwarzarbeit vorgehen. (Symbolbild) Bild: Julian Stratenschulte/dpa
Sachsen
Handwerk: Schwierige Konjunktur lässt Schwarzarbeit boomen

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Im Bau- und Friseurhandwerk in Sachsen wächst die Sorge: Immer mehr Aufträge werden ohne Rechnung erledigt. Wie Experten und die Kammer die Lage einschätzen.

Dresden.

Die Branche schlägt Alarm: Schwarzarbeit wird in Sachsen zunehmend zu einem Problem im Handwerk. "Die schwierige Konjunkturlage lässt die Schwarzarbeit boomen", sagt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. Derzeit gebe es dazu vermehrt Anfragen und Hinweise von Mitgliedsbetrieben. Vor allem im Fokus: das Bau- und Ausbaugewerbe sowie das Friseurhandwerk, in dem sich laut Handwerkskammer immer mehr Barbershops ausbreiten.

Nach Angaben der Handwerkskammer gehen die Hinweise teils auch dahin, dass Arbeiten von Betrieben ausgeführt werden, die dafür nicht qualifiziert sind. So würden etwa Tätigkeiten übernommen, die eigentlich einem anderen Gewerk vorbehalten seien. "Wenn etwa ein Maurer plötzlich auch Malerarbeiten anbietet", so die Kammer. Bei Barbershops werde zudem überprüft, ob die vorgeschriebene Betriebsleitung durch einen Friseurmeister eingehalten wird. 

Runder Tisch gegen Schwarzarbeit

Die Handwerkskammer Dresden hatte jüngst Zoll, Gewerbeämter, Landratsämter und Handwerk zu einem runden Tisch eingeladen. Angeregt wurden unter anderem mehr gemeinsame Schwerpunktkontrollen.

Nicht alle Handwerkskammern beobachten jedoch dieselbe Entwicklung. Die Handwerkskammern Chemnitz und Leipzig teilten auf Anfrage mit, eine deutliche Zunahme entsprechender Hinweise könne derzeit nicht festgestellt werden. "Eine schwache Konjunktur stärkt grundsätzlich die Schattenwirtschaft", erklärte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig, Volker Lux. Im Fokus stünden auch in Chemnitz und Leipzig unter anderem Barbershops.

Auch hohe Abgaben als Ursache

Brzezinski von der Handwerkskammer Dresden sieht auch die Politik in der Pflicht. "Hohe Steuern und Sozialabgaben sind eine der Hauptursachen für die Schwarzarbeit." Sie vergrößerten die Schere zwischen Brutto und Netto und verteuerten handwerkliche Arbeiten. "Wodurch der Anreiz steigt, illegal zu agieren." Entlastungen für die Betriebe seien notwendig.

Der stellvertretende Leiter des ifo-Instituts Dresden, Joachim Ragnitz, hält die Einschätzung der Handwerkskammer für nachvollziehbar. "Bei schwacher Konjunktur werden weniger neue Arbeitsplätze geschaffen beziehungsweise Arbeitsplätze abgebaut", erklärt er. Das führe dann zu Ausweichreaktionen von Personen, die keinen Arbeitsplatz finden - also zu mehr Schwarzarbeit.

Schwarzarbeit werde zudem durch hohe Steuern und Sozialabgaben begünstigt. "Und der Auftraggeber spart darüber hinaus die Mehrwertsteuer. Insoweit liegt hier wohl der relevanteste Grund", sagte Ragnitz. Zwar seien die Abgaben trotz eines leichten Anstiegs in etwa so hoch wie früher auch. "Aber die Realeinkommen stagnieren ja auch seit mehreren Jahren", erklärte er.

Bau und Friseure im Fokus des Zolls

Im Hauptzollamt Dresden ist das Problem bekannt. Das Baugewerbe sowie die Friseurbranche mit den Barbershops gehörten zu den Schwerpunktbereichen der Kontrollen. "Die Branchen sind anfällig für Schwarzarbeit", sagte Sprecherin Heike Wilsdorf auf Nachfrage. Es gebe gerade in diesen Bereichen viele Tätigkeiten, für die es keinen Facharbeiter brauche. Rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) im Einsatz. Aber auch die Bereiche Logistik und Spedition sowie Hotel und Gastronomie gehören zu den anfälligen Bereichen.

Im Hauptzollamt Dresden wurden 2025 insgesamt 3.500 Ermittlungsverfahren wegen Straftaten im Bereich Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung sowie mehr als 900 Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten eingeleitet. Die ermittelte Schadenssumme belief sich auf rund 14 Millionen Euro.

Wie groß das tatsächliche Ausmaß der Schwarzarbeit ist, lässt sich nach Angaben von Ragnitz allerdings kaum beziffern. "Schwarzarbeit zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie statistisch nicht erfasst wird", sagte der Wirtschaftswissenschaftler. Die Einschätzungen von Kammern und Verbänden beruhten daher häufig auf Beobachtungen aus der Praxis. (dpa)

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