Das nächste Unternehmen aus Sachsen musste Insolvenz anmelden. Rund 90 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs. Es gibt aber noch Hoffnung für den nach eigenen Angaben ältesten Hersteller von Papierschneidemaschinen der Welt.
Das Perfecta Schneidemaschinenwerk in Bautzen ist pleite. Nach 130 Jahren Betriebsgeschichte droht das Aus. Die Geschäftsführung hat Ende Dezember 2025 beim zuständigen Amtsgericht in Dresden einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung stellen müssen. Dem hat das Gericht stattgegeben – und Anfang Januar Rechtsanwalt Rüdiger Bauch, Partner der Kanzlei Schultze & Braun, zum vorläufigen Sachverwalter bestellt.
130-jährige Firmengeschichte
Perfecta ist nach eigenen Angaben der weltweit älteste Hersteller von Papierschneidemaschinen. Der Betrieb wurde 1896 gegründet. Seit 1920 hat er sich auf die Entwicklung und Produktion von Papierschneidemaschinen spezialisiert. Zu DDR-Zeiten firmierte das Unternehmen unter VEB Polygraf Schneidemaschinenwerk Perfecta Bautzen und gehörte zum Kombinat Polygraf Werner Lamberz. Nach der Wiedervereinigung wurde es 1992 privatisiert.
86 Mitarbeiter betroffen
Derzeit beschäftigt die Firma in Sachsen 86 Mitarbeiter. Für Dezember, Januar und Februar seien deren Löhne und Gehälter über das Insolvenzgeld abgesichert, heißt es in einer Pressemitteilung. Zudem werde der Geschäftsbetrieb „uneingeschränkt fortgeführt“. Die Kunden würden „wie gewohnt“ beliefert.
Investorensuche läuft
Nun gehe es darum, im Verlauf des Eigenverwaltungsverfahrens einen passenden Investor zu finden, erklärt Perfecta-Geschäftsführer Christian Baumann. Ein weiteres Ziel sei es, das eigene Geschäftsmodell nun strategisch weiterzuentwickeln. Weitere Details dazu nennt Baumann aber nicht.
Experte: Ausgangslage für Sanierung gut
Als Generalbevollmächtigter unterstützt Sanierungsexperte Dirk Eichelbaum von dhmp Restrukturierung nun die Geschäftsführung. Rechtsanwalt Rüdiger Bauch wird die Geschäftsführung im Rahmen der Sanierung beaufsichtigen und konstruktiv begleiten. „Eine Nachfolgelösung im Gesellschafterkreis hat mehr Zeit benötigt als geplant“, so Eichelbaum. „In der Folge konnten die strategische Neuausrichtung und eine damit verbundene Investorenlösung nicht abschließend verhandelt werden.“ Jedoch bewerten Eichelbaum und Bauch die Chancen auf einen Fortbestand des Unternehmens aber als gut. „Grundsätzlich ist die Projektlage positiv, die Aussichten, als kosteneffizienter Technologieführer Maßstäbe zu setzen, sind gut“, so Eichelbaum.
Das Perfecta Schneidemaschinenwerk in Bautzen gehört zur Baumann-Gruppe. Als Systemanbieter beliefert es nach eigenen Angaben Kunden in mehr als 70 Ländern mit Schnellschneidern, kompletten Schneidsystemen und umfangreicher Peripherie - vom Stapelheber bis zur vollautomatischen Schüttel- und Schneidelinie. Technologisch setzt das Unternehmen auf robotergestützte, intelligent vernetzte Systeme. Weitere Unternehmen der Baumann-Gruppe seien von dem vorläufigen Eigenverwaltungsverfahren nicht betroffen, hieß es. (juerg)





