Sachsen
Ost-Länder sehen sich im Nachteil - Bund weist Kritik zurück

Freie Presse auf Google News folgen

Die Beziehungen zu Polen und Tschechien sind eng, doch die Verkehrsverbindungen reichen aus Sicht der Ost-Regierungschefs nicht. Das Bundesverkehrsministerium reagiert auf die Kritik.

Berlin/Dresden.

Der Unmut der Ost-Länder wächst: Die Regierungschefs von Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fühlen sich beim Verkehr abgehängt. Sie machen sich für einen schnelleren Ausbau der Infrastruktur stark und warnen vor Benachteiligung.

"Die Bundesregierung ist gestartet mit der Erkenntnis, dass gerade in Richtung Osteuropa, Polen und Tschechien, die Verkehrsverbindungen Schiene absolut hinter denen gegenüber Frankreich und den westeuropäischen Ländern hinterherhinken", sagt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. "Dass da gar nichts passiert, dass das so schleppend läuft, ist eine wirklich große Enttäuschung."

Bis Polen fehlt das zweite Gleis

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) machte seinem Ärger beim Treffen der Ost-Regierungschefs am Flughafen BER am vergangenen Donnerstag Luft. "Ostdeutschland hat eine rasante Entwicklung hingelegt", sagte er. Nun müsse offen über "Benachteiligung und Protektionismus" gesprochen werden.

Die Brücke über die Oder zwischen Deutschland und Polen steht seit zwei Jahren. (Archivbild)
Die Brücke über die Oder zwischen Deutschland und Polen steht seit zwei Jahren. (Archivbild) Bild: Patrick Pleul/dpa

Woidke macht das gern am Beispiel der Ostbahn deutlich. Die Strecke der RB 26 ist auf deutscher Seite nicht elektrifiziert und abschnittsweise eingleisig, obwohl vor zwei Jahren eine neue Brücke über die Oder in Betrieb ging. Es sei blamabel, dass Polen Deutschland regelmäßig vorhalte, beim Ausbau nicht hinterherzukommen, sagte Woidke.

Kretschmer: Kritik aus Nachbarländern

Kretschmer sieht das ähnlich. "Es vergeht kein Termin mit Polen oder mit der Tschechischen Republik, wo die nicht immer wieder sagen: Wir haben Staatsverträge, wir haben uns das vorgenommen, wir haben gebaut", sagte er. Bei Infrastruktur "ist auf euch Deutsche eigentlich überhaupt kein Verlass mehr". Im Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt es, zentrale Teile der Verkehrsinfrastruktur nach Polen und Tschechien würden zügig ausgebaut.

Bundesverkehrsminister Schnieder (CDU) weist die Kritik der Ost-Regierungschefs zurück. (Archivbild)
Bundesverkehrsminister Schnieder (CDU) weist die Kritik der Ost-Regierungschefs zurück. (Archivbild) Bild: Jens Kalaene/dpa

Bundesverkehrsministerium: Keine Benachteiligung

Das Verkehrsministerium von Patrick Schnieder (CDU) wies den Vorwurf einer Benachteiligung zurück. Ein Sprecher verwies auf Projekte wie Dresden-Prag und die Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Nordrhein-Westfalen und Sachsen, aber auch auf fehlendes Geld für Neu- und Ausbau.

Woidke lässt das nicht gelten und nennt das Milliardenpaket des Bundes. Das Ministerium erklärt, aus dem Sondervermögen könne "nur" die Sanierung von Schienen und Brücken bezahlt werden. Und: "Generell gibt es dabei keine Bevorzugung oder Benachteiligung von einzelnen Bundesländern oder Regionen."

Und die Ostbahn? Sie ist laut Ministerium im Bedarfsplan für Bundesschienenwege im "potenziellen Bedarf". "Für einen Aufstieg in die Kategorie "vordringlicher Bedarf" konnte bisher keine ausreichende Nachfrage im Schienenpersonenfern- und -güterverkehr nachgewiesen werden." (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
11.06.2026
4 min.
Ost-Länder wollen bei Verteidigung durchstarten
Ost-Länder wollen bei Verteidigung durchstarten - Die Ministerpräsidenten der ostdeutschen Länder haben sich zu einer Sonderkonferenz im Rahmen der ILA Berlin getroffen.
Die ostdeutschen Länder werben um Investitionen in Sicherheit und Verteidigung. Sie dringen aber erst mal auf bessere Verkehrsanbindungen und sehen Ostdeutschland benachteiligt.
Oliver von Riegen und Leonie Heß, dpa
07:30 Uhr
3 min.
Führungskräfte: Wirtschaftserfolg hängt auch an Demokratie
Führungskräfte: Wirtschaftserfolg hängt auch an Demokratie - Wenn die Demokratie bröckelt, schadet das meinem Unternehmen - so sehen das laut einer Umfrage 78 Prozent der deutschen Führungskräfte. (Symbolbild)
Mehr als drei Viertel der Chefs und Führungskräfte sehen stabile demokratische Verhältnisse als Schlüssel für Investitionen und Vertrauen. Wie groß ist die Angst vor Parteien mit Demokratiedefizit?
13.06.2026
3 min.
Hier gibt es bald Kofola, Rohliky und Süßmilch: Tschechischer Lebensmittelladen öffnet auf Sonnenberg
Hier gibt es bald Kofola, Rohliky und Süßmilch: Tschechischer Lebensmittelladen öffnet auf Sonnenberg - Andre Fercak und seine Familie öffnen am 26. Juni ein Geschäft mit tschechischen Produkten an der Hainstraße.
Mehr als 2000 Tschechen und Slowaken wohnen in Chemnitz, viele auf dem Sonnenberg. Dort will Andre Fercak einen tschechischen Lebensmittelladen öffnen. Aber das ist nur der erste Schritt.
Christian Mathea
19:53 Uhr
4 min.
Erstmals Eintritt auf Erdbeerfeld bei Chemnitz fällig – und: anderes Feld wird schließen
Erstmals Eintritt auf Erdbeerfeld bei Chemnitz fällig – und: anderes Feld wird schließen - Heidi Franke-Rausch mit Enkel Vincent beim Pflücken auf dem Erdbeerfeld in Chemnitz-Altenhain.
Warum in Chemnitz-Altenhain nun fünf Euro Eintritt fällig werden, wo man sonst noch pflücken kann, worauf man dabei achten sollte und weshalb ein anderes Feld im Umland in die letzte Saison geht.
Jonas Patzwaldt
07:20 Uhr
2 min.
Diebstahl bei Englands WM-Team: zwei Männer angeklagt
Diebstahl bei Englands WM-Team: zwei Männer angeklagt - Thomas Tuchel und das englische Team erlebten eine böse Überraschung.
Nach einer bösen Überraschung bei Englands WM-Mannschaft geben die Behörden Details bekannt. Wer ihren Ermittlungen nach hinter dem Diebstahl von Ausrüstungsgegenständen steckt.
27.05.2026
5 min.
Mehr Tempo nach Polen: Vier Länder für bessere Zugverbindung
Mehr Tempo nach Polen: Vier Länder für bessere Zugverbindung - Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und der Marschall der Woidwodschaft Großpolen (Wielkopolskie), Marek Wozniak, dringen auf bessere Schienenverbindungen von Deutschland nach Polen.
Deutschland und Polen sind eng vernetzt. Doch beim Schienenverkehr ist noch Luft für einen Ausbau, finden vier Bundesländer und vier Regionen in Polen in und um die Oder – und appellieren an den Bund.
Oliver von Riegen, dpa
Mehr Artikel