Große Solidarität im Netz: Ein Youtuber ruft nach dem Leipziger Davidstern-Skandal und dem Dschungelcamp-Sieg Gil Ofarims zu Spenden für den fälschlich beschuldigten Hotelmitarbeiter Markus W. auf. Dessen Reaktion rührt viele.
Während die einen Gil Ofarim als Dschungelkönig feiern, sind viele andere entsetzt und enttäuscht, fühlen mit Markus W. und üben scharfe Kritik an RTL. Ihnen stößt vor allem übel auf, dass weder der Sender noch die Moderatoren die neuerlichen falschen Behauptungen des jüdischen Musikers eingeordnet haben. Markus W. brach deshalb sein Schweigen. Im Interview mit „Zeit Online“ machte er deutlich, wie schwer es für ihn sei, dass der 43-Jährige sich im Camp „als Opfer inszenieren“ durfte.
Markus W. hat Zeit voller Hass hinter sich
Die Täter-Opfer-Umkehrversuche und das Schicksal des Hotelmitarbeiters bewegen aber auch die Netzgemeinde: Der Youtuber und TikToker Sanijel Jakimovski hat deshalb jetzt eine Spendenaktion gestartet, um Markus W. Unterstützung und Wertschätzung zu zeigen. Der hat eine Zeit voller Hass, Zweifel und Anfeindungen ertragen müssen, nachdem ihn Gil Ofarim 2021 fälschlicherweise in einem Videoclip bezichtigt hatte, sich ihm gegenüber antisemitisch verhalten zu haben. Wer Vorurteile gegenüber Sachsen hegte, fühlte sich damals bestätigt. Es gab Proteste vor dem Hotel. Markus W. wurde zunächst suspendiert und bekam Morddrohungen. Im November 2023 begann dann der Prozess vor dem Landgericht Leipzig. Er endete mit einem überraschenden Geständnis: Ofarim räumte ein, gelogen zu haben: „Die Vorwürfe treffen zu. Ich möchte mich entschuldigen. Es tut mir leid. Ich habe das Video gelöscht.“
Viele Fernsehzuschauer hatten nun gehofft, der jüdische Musiker würde im TV alle offenen Fragen endlich klären. Stattdessen säte Gil Ofarim aber erneut Zweifel, stellte die Beweise infrage, deutete angebliche Manipulationen an den Überwachungsvideos an - obwohl all das im Gerichtsverfahren durch Experten längst widerlegt worden war. Ein echtes öffentliches „Es tut mir leid“ von Gil Ofarim blieb aus. Erst nach seinem Camp-Sieg sprach Gil bei „Punkt 12“ auf RTL diese Worte aus.
Das sagt Markus W.
Nach Einschätzung vieler Zuschauer sieht echte Reue aber anders aus. Deshalb wünschte sich Influencer Sanijel Jakimovski, dass „wir als Community Markus symbolisch etwas zukommen lassen, dass er sich gesehen, verstanden und geschätzt fühlt“. Markus W. hat sich jetzt zu dieser Spendenaktion selbst zu Wort gemeldet - und Jakimovski eine persönliche Nachricht zukommen lassen. Die hat der TikToker nun per Video seinen Fans vorgelesen.
„Hallo Sanijel, ich habe noch eine Bitte, die du gerne an die Community weitergeben darfst“, heißt es in dieser Nachricht. „Ich bin ein großer Freund von Transparenz – vor allem, wenn Menschen für einen Fremden Geld spenden sollen. Deshalb habe ich mir überlegt, wofür das Geld verwendet werden soll.“
Hotelmitarbeiter will Geld selbst wieder spenden
Dann verliest Jakimovski, dass der Hotelmitarbeiter einen Teil des gesammelten Geldes an wohltätige Organisationen spenden zu wollen - darunter an „HateAid“, eine deutsche gemeinnützige Organisation, die sich gegen Hass im Internet einsetzt und Betroffene von digitaler Gewalt unterstützt. Auch an den Leipziger Verein „Minilöwen“, der sich für Frühgeborene und kranke Neugeborene sowie deren Familien einsetzt, soll Geld gehen. Einen Teil will Markus W. demnach aber auch für „Zeit für mich und meine Familie, die zu jeder Zeit an meiner Seite stand“, verwenden. Zum Ende seiner Nachricht erklärt Markus W.: „Richte den lieben Menschen, die dazu beitragen, bitte viele herzliche Grüße aus. Ich bin unendlich dankbar für den Zuspruch und weiß das sehr zu schätzen.“
Sanijel Jakimovski verspricht Transparenz bei der Abwicklung der Spendengelder. Wie viel bei seiner Aktion zusammenkommt, ist noch offen. Die Spendenaktion läuft noch. Jakimovski selbst hofft auf 100.000 Euro. Der Influencer verspricht: „Ihr könnt hundertprozentig davon ausgehen, dass er jeden Cent bekommen wird. Ich werde ihm das Geld überweisen und ihm auch die Kontoumsätze lückenlos zuschicken.“ (juerg)





