Die Explosion war so heftig, dass ein Mann im nordsächsischen Kobershain nach dem Hantieren mit explosiven Stoffen starb. Selbst Teile des Dachs wurden durch die Detonation noch in Mitleidenschaft gezogen.
Die Explosion war so heftig, dass ein Mann im nordsächsischen Kobershain nach dem Hantieren mit explosiven Stoffen starb. Selbst Teile des Dachs wurden durch die Detonation noch in Mitleidenschaft gezogen. Bild: EHL Media
Sachsen
Toter nach Explosion in Sachsen: Hantierte der Mann mit gefährlichen illegalen Feuerwerkskörpern?

Erneut gibt es in Sachsen offenbar einen Feuerwerkstoten. Das Landeskriminalamt ermittelt nach der gewaltigen Detonation mit einem Toten in Kobershain. Die „Freie Presse“ hat recherchiert, wie einfach die todbringenden Tschechen-Böller noch bis vor Kurzem zu kaufen waren.

Kobershain.

Sämtliche Fensterscheiben des Gebäudes sind geborsten, Ziegel vom Dach geschleudert worden, Risse durchziehen die Wände: Ein Mann ist tot. Der 41-Jährige soll ersten Erkenntnissen zufolge im Heizungskeller des Dreiseitenhofes im Belgern-Schildauer Ortsteil Kobershain im Landkreis Nordsachsen mit explosiven Stoffen hantiert haben. Die Detonation war so gewaltig, dass das Haus einsturzgefährdet ist. Das LKA ermittelt.

Einsatzkräfte konnten Mann nicht mehr retten

Die Feuerwehr eilte am Dienstagabend nach der Detonation zum Anwesen, konnte den Mann aber nicht mehr retten. „Uns war anfangs ein Mülltonnenbrand gemeldet worden, doch als wir vor Ort waren, sahen wir das wahre Ausmaß und haben sofort Verstärkung angefordert“, zitiert „Tag24“ den Ortswehrleiter Melvin Petersohn. Ein Mann sei panisch über den Hof gerannt und habe gerufen, dass noch jemand in dem Gebäude liege. Petersohn: „Als wir unter Atemschutz vorgerückt sind, war schnell zu sehen, dass es für die Person keine Hilfe mehr gab.“

Gebäude ist nach Detonation einsturzgefährdet

Den Einsatzkräften bot sich auf dem Hof ein Bild der Verwüstung. „Das Gebäude war einsturzgefährdet und musste von den Spezialisten des THW gesichert werden“, sagte Feuerwehr-Einsatzleiter Jens Frenzel „Tag24“. Erst danach konnte die Leiche, die unter Trümmern lag, geborgen werden. Der weitere Bewohner blieb unverletzt. Er kam bei Verwandtschaft unter.

Hat sich die Treibladung illegaler Böller entzündet?

Da der 41-Jährige allem Anschein nach durch eine Sprengstoffexplosion umgekommen ist, schickte die Polizei noch in der Nacht ihr USBV-Team (Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen) zum Unfallort. Am Morgen trafen dann Ermittler des Landeskriminalamtes ein. Ersten Ermittlungen zufolge soll der 41-Jährige in dem zur Werkstatt umgebauten alten Heizungsraum des Hofes mit illegaler Pyrotechnik hantiert haben. Spekuliert wird, dass er sich für Silvester eigenes Feuerwerk basteln wollte. Dabei könnte sich eine Treibladung entzündet und die gewaltige Explosion ausgelöst haben.

So einfach bekam man Kugelbomben im Erzgebirge

Als besonders gefährlich gelten sogenannte Kugelbomben. Schon mehrere Sachsen sind Opfer dieser als extrem gefährlich eingestuften Sprengkörper geworden. So kamen zum Beispiel in Oschatz und Hartha zwei Menschen nach dem Zünden einer Kugelbombe am Silvesterabend 2024/25 ums Leben.

Trotz dieser tödlichen Gefahr waren diese Kugelbomben auf Märkten in Tschechien bis vor Kurzem noch leicht zu kaufen. Sie wurden dort massenhaft unerlaubt vertrieben und über die Grenze geschmuggelt - und zwar ganzjährig, wie ein Test der „Freien Presse“ am Grenzübergang Bärenstein/Vejprty im Februar 2025 gezeigt hatte. Auch die Vietnamesenmärkte in Potůčky bei Johanngeorgenstadt galten als Umschlagplätze für illegale Böller. Je nach Durchmesser wurden Kugelbomben auf derartigen Märkten für 10 bis 50 Euro das Stück angeboten.

Kaum Kontrolle

Im Gegensatz zu Deutschland war Feuerwerk der Kategorie F4, unter die auch Kugelbomben fallen, in Tschechien frei verkäuflich. Kunden benötigten lediglich eine Berechtigung, die auf den Märkten aber nicht kontrolliert wurde. Entsprechend fehlte den Behörden die rechtliche Handhabe, Kugelbomben zu beschlagnahmen.

Tschechien hat Verkauf von Böllern und Raketen seit Dezember stark eingeschränkt

Die deutschen Behörden warnen schon seit Langem vor der Einfuhr gefährlicher Böller und Feuerwerkskörper aus Tschechien. Nun hat Tschechien per Gesetz den Verkauf gefährlicher Böller und Feuerwerkskörper seit Anfang Dezember eingeschränkt. Im Nachbarland ist seither der Verkauf von Böllern zwar nicht komplett verboten, aber die Regeln wurden drastisch verschärft: So dürfen stärkere Feuerwerkskörper der Kategorie F2 bis F4 auf Märkten und an mobilen Ständen nicht mehr veräußert werden. Erlaubt ist nur noch Kleinstfeuerwerk (F1), während größere Kategorien nur in festen Läden mit Fachkundenachweis erhältlich sein sollen. Zudem gibt es landesweite Verbotszonen im Umkreis von 250 Metern um Krankenhäuser, Pflegeheime und Tierhaltungen. Kommunen dürfen weitere Verbote erlassen. Das soll den „Feuerwerkstourismus“ eindämmen und die Sicherheit erhöhen. Bei Verstößen gegen das neue Gesetz drohen jetzt drastische Strafen.

Feuerwerkskörper müssen Kennzeichen haben

In Deutschland müssen alle im Handel erhältlichen Feuerwerkskörper mit einer entsprechenden Kennzeichnung (CE-Kennzeichen) versehen sein. Fehlt die Kennzeichnung oder ist sie gefälscht, so ist die Einfuhr der Pyrotechnik verboten und strafbar. Für Feuerwerkskörper der Kategorien F3 und F4 ist eine besondere Erlaubnis erforderlich. (juerg/rickh/irme/jwen)

© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
Das könnte Sie auch interessieren
21:36 Uhr
1 min.
Mann in Großschirma von Auto erfasst: Rettungshubschrauber im Einsatz
Nach einem Unfall beleuchtete die Feuerwehr Großschirma den Landeplatz für den Hubschrauber.
Ein Verkehrsunfall in Großschirma führte am Freitagabend zu einem Rettungseinsatz und zu einer Straßensperrung. Die Umstände sind noch unklar.
Marcel Schlenkrich
21:43 Uhr
2 min.
IAEA: Einigung auf Waffenruhe beim AKW Saporischschja
Das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja steht seit fast vier Jahren unter russischer Kontrolle und befindet sich nahe der Frontlinie. (Archivbild)
Seit fast vier Jahren verläuft die russisch-ukrainische Frontlinie unweit des von Russland besetzten Atomkraftwerks Saporischschja. Für die Reparatur einer Stromleitung vermittelte eine UN-Behörde.
30.12.2025
11 min.
Die irre Shoppingwelt im tschechischen Erzgebirgsdorf Potůčky: Billig kaufen, billig tanken, billig essen
Billig, billig, billig - das zählt auf dem Vietnamesenmarkt in Potůčky. Deutsche Weltkriegsfolklore inklusive.
Aus dem einst deutschböhmischen Breitenbach machten Vietnamesen ein Paradies für sächsische Einkaufstouristen. Hier bekommt man fast alles - von Landser-Shirts über falsche Labubus bis zu verbotenem Feuerwerk.
Oliver Hach
29.12.2025
5 min.
Der Tod zündelt mit - was Kugelbomben so gefährlich macht
Illegale Feuerwerkskörper können schwere oder sogar tödliche Verletzungen verursachen (Archivbild).
Heftige Böllerei mit Lebensgefahr: Wer mit Kugelbomben hantiert, kann für diesen vermeintlichen Spaß sogar sterben. Warum nur Profis diese Art von Pyrotechnik zünden sollten.
Marc Fleischmann, dpa
15.01.2026
3 min.
Rückkehr ins Erzgebirge: Neuer Hausarzt eröffnet Praxis in Zwönitz
Martin Kunz (li.) und Aleš Burianek haben in Zwönitz eine Praxisgemeinschaft eröffnet.
Zum Jahresanfang hat in Zwönitz eine neue Praxisgemeinschaft ihre Arbeit aufgenommen. Zwei junge Hausärzte wollen damit die medizinische Versorgung in der Region verbessern.
Thomas Mehlhorn
15.01.2026
3 min.
„Ich verstehe nicht, wie man so etwas genehmigen kann“: Einwohner in Glauchau kritisieren künftigen Windpark
Zwischen dem Ebersbacher Wald und Niederlungwitz werden acht Windräder errichtet.
Im Glauchauer Ortsteil Niederlungwitz werden acht große Windräder gebaut. Doch die Anwohner haben dabei erhebliche Befürchtungen.
Stefan Stolp
Mehr Artikel