Sachsens Unternehmer des Jahres: Das sind die fünf Finalisten

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Für den Titel "Sachsens Unternehmer des Jahres" haben sich elf Frauen und 52 Männer aus 43 Unternehmen beworben. Wir stellen die Top 5 vor. Der Sieger wird am Freitag verkündet.

Krise für einen Transformationsprozess genutzt - Renate Heine aus Dresden

Renate Heine (Dresden): Die Fenstermaxx24 GmbH mit Sitz im Dresdner Alberthafen ist ein Familienbetrieb, der das Baugewerbe und Privatkunden seit 2001 mit hochwertigen Fenstern und Türen beliefert. Vor fünf Jahren stieg Chefin Renate Heine (76) mit einem Onlineshop in den digitalen Handel ein. Trotz der Coronapandemie konnte das Unternehmen 2020 zu seinem erfolgreichsten Jahr machen - dank eines schnell aufgesetzten Konfigurators, der das Angebot des Hauses zeitlich und räumlich unabhängig verfügbar macht. Auch wenn Kunden die Produkte nicht anfassen oder testen können, haben sie alle Freiheiten für eine optimale Bestellung. In Verbindung mit einer Hotline können auch kniffligste Fragen beantwortet werden. Es gelang eine Fusion aus jahrzehntelanger handwerklicher Erfahrung und Digitalisierung. Die Krise wurde als Katalysator im Transformationsprozess des Handelsunternehmens genutzt. Ein neues Logistikkonzept mit eigener Lastwagenflotte vermeidet halbe Ladungen und doppelte Fahrten und hat die Effizienz erhöht. Heines Belegschaft ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, 2022 folgen erste Auszubildende. Das Dresdner Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 8,5 Millionen Euro. Bei Fenstermaxx24 sind inzwischen 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. mr/sz

In eine neue Branche vorgestoßen - Jens Trepte aus Chemnitz

Jens Trepte (Chemnitz): Der 60-jährige Ingenieur weiß um die größten Geheimnisse vieler Unternehmen der Autoindustrie, der Luft- und Raumfahrt und des Maschinenbaus. Sein Ingenieurdienstleister IMK Automotive GmbH berät sie in der frühen Phase der Produktentwicklung und ist dort Innovator etwa bei der Entwicklung mechatronischer Systeme und Sondergetriebe. Der einst reine Automotive-Spezialist hat sich zum branchenübergreifenden Dienstleister für Fabrik-, Logistik- und Produktionsplanung gemausert. Industriebetriebe profitieren von den optimierten Prozessen und Softwarelösungen für die digitale Fabrik. IMK hat die Krise in der Autoindustrie genutzt, um in eine neue Branche vorzustoßen: die Medizintechnik. Derzeit entwickeln die Ingenieure eine Anlage für die In-vitro-Diagnostik, mit der auch PCR-Tests und DNA-Untersuchungen durchgeführt werden können. Der Produktionsstart im Chemnitzer Stadtteil Kleinolbersdorf-Altenhain ist für März 2022 geplant. Dafür entsteht auf dem Gelände einer historischen Fabrik ein neues Fertigungsgebäude, in das der frühere Entwicklungschef von Sachsenring in Zwickau rund 2,3 Millionen Euro investiert. IMK Automotive hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 6,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Ingenieurdienstleister beschäftigt 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. mr/sz

Zu einem gefragten Kranhersteller aufgestiegen - Werner, Christoph und Marcus Bang aus Oelsnitz

Werner, Christoph und Marcus Bang (Oelsnitz): Von Werner Bang (69) im Jahr 1989 als Ein-Mann-Unternehmen gegründet, hat sich die Bang Kransysteme GmbH & Co. KG in Oelsnitz zu einem weltweit agierenden Unternehmen mit 155 Mitarbeitenden und mehr als 27 Millionen Euro Jahresumsatz entwickelt. Prozess- und Automatik-Krane aus dem Vogtland sind vor allem in der Europäische Union, in China, Mittel- und Südamerika gefragt. Zu den Abnehmern der Hebemaschinen mit bis zu 50 Metern Spannweite und 500 Tonnen Traglast zählen namhafte Autobauer, Stahlproduzenten, Energieerzeuger, Papierhersteller.
In den letzten Jahren wurde viel in den eigenen Kran-Campus, ins Know-how und das Team investiert. Mit Produktionsflächen von 10.000 Quadratmetern in der Endmontage, 7500 Quadratmetern in der Stahlbau-Fertigungshalle und einem modernen Schulungs- und Verwaltungszentrum gehört das Familienunternehmen zu den führenden Kranherstellern Deutschlands. Dank eines guten Betriebsklimas arbeiten mehr als 40 Prozent der Belegschaft schon zehn und mehr Jahre im Unternehmen. Längst sind auch Werner Bangs Söhne Christoph (41) und Marcus (37) in der Geschäftsführung aktiv. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen mit 155 Beschäftigten einen Umsatz von 27 Millionen Euro. mr/sz

Gerüstbauer, die eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen - Dirk Eckart und Walter Stuber aus Roßwein

Dirk Eckart und Walter Stuber, (Roßwein): Walter Stuber (60) und Dirk Eckart (54) sind Wiederholungstäter. Die Führung der Gemeinhardt Service GmbH, einem Spezialgerüstbauer mit Sitz in Roßwein, greift bereits zum 5. Mal nach der Unternehmerkrone und hat jedes Jahr neue Argumente. Jüngster Coup: Als weltweit erster Gerüstbauer hat sich Gemeinhardt nach Gemeinwohl-Werten bilanzieren lassen: Solidarität, Menschenwürde, Gerechtigkeit, Mitbestimmung, Nachhaltigkeit, Transparenz. Die Prüfer lobten das ganzheitliche Qualitätsmanagementsystem, die Mitwirkung der Beschäftigten über die Firmen-App, die mutmachende Buchreihe der Chefs. Zu den ausgefallenen Ideen der Unternehmer gehören eine Protest-Kutschfahrt gegen Dieselfahrverbote durch Frankfurt, Jobanzeigen auf Pizzakartons, Werbespots in West-Kinos, um ausgewanderte Sachsen zurückzuholen, ein Wunschlohn für Mitarbeiter mit zwei Zusatzprojekten, ihre Lehrlingskolonne. Die Firma baut Gerüste auch von oben nach unten, etwa an Staumauern und Brücken - dort wo viele andere kapitulieren. Außerdem bieten sie Lösungen im Bereich des Industrieschutzes an. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 4,2 Millionen Euro. Der Gerüstbauer mit dem Gemeinwohl-Gedanken aus Roßwein stützt sich auf insgesamt 44 Beschäftigte. mr/sz

Mit Sanierungskonzepten viele Arbeitsplätze gerettet - Hubertus Bartsch aus Leipzig

Hubertus Bartsch (Leipzig): Für Hubertus Bartsch, Chef und Mitinhaber der Neuen ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH (NZWL), ist es "eine große Ehre, dass wir für den sächsischen Unternehmerpreis vorgeschlagen wurden". Der promovierte Physiker war viele Jahre Berater großer Unternehmen. Zu den Verdiensten des 76-Jährigen zählt ein Sanierungskonzept für das Eisen- und Hüttenwerk in Thale im sachsen-anhaltischen Landkreis Harz, das vielen der 6000 Beschäftigten eine Zukunft sicherte. In der Folge übernahm er die insolvente NZWL. Unter seiner Ägide hatte der Zahnradhersteller und Autozulieferer nach fünf Jahren den Umsatz gegenüber 1999 vervierfacht und die Mitarbeiterzahl verdoppelt. Elektroantriebe und Großserien für Zahnräder sind für das Unternehmen mit Fertigung in der Slowakei und in China nun Grundlage für Serien in E-Mobilität und Hybridantrieben. Die Zeitschrift "Focus Money" hat die NZWL 2020 im Rahmen von "Deutschlands beste Jobs mit Zukunft" ausgezeichnet. Bewertet wurden Umsatz-, Gewinn- und Mitarbeiterentwicklung. Folgt nun Sachsens Unternehmerpreis? Das Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 94 Millionen Euro. NZWL beschäftigt rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. mr/sz

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