Härtefälle genießen besonderen Schutz: Haushalte mit Älteren, Kranken, Schwangeren oder Kleinkindern sind bei drohenden Abschaltungen besonders zu berücksichtigen.
Härtefälle genießen besonderen Schutz: Haushalte mit Älteren, Kranken, Schwangeren oder Kleinkindern sind bei drohenden Abschaltungen besonders zu berücksichtigen. Bild: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Haus & Garten
Mehr Strom- und Gassperren: So entkommen Sie dem Dilemma

Freie Presse auf Google News folgen

Eine im vergangenen Jahr vollzogene Gesetzesänderung führt dazu, dass mehr Haushalte in Deutschland von Energiesperren bedroht sind. Was Betroffene tun können, um nicht im Dunkeln zu sitzen.

Stuttgart.

Seit Monaten beobachtet die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nach eigenen Angaben eine steigende Anzahl an Beschwerden wegen einer Sache: angedrohte oder sogar bereits vollzogene Strom- und Gassperren.

Der Grund liegt in einer neuen Regelung im Energiewirtschaftsgesetz: Denn seit Dezember 2025 dürfen nicht mehr nur Grundversorger, sondern auch die sogenannten Sondervertragsanbieter Energieanschlüsse sperren. Das führe den Verbraucherschützern dazu, dass tatsächlich mehr Haushalte von der Maßnahme betroffen sind.

Ab 100 Euro und mit mindestens zwei Abschlägen in Verzug

"Viele Betroffene wissen nicht, dass bereits Zahlungsrückstände ab 100 Euro ausreichen können, damit eine Strom- oder Gassperre eingeleitet wird", erklärt Nina Sauer, Referentin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Gleichzeitig müssen Kundinnen und Kunden mit mindestens zwei Abschlagszahlungen in Verzug sein. Der Versorger muss die Sperre mindestens vier Wochen im Voraus androhen und acht Werktage vor der Abschaltung schriftlich ankündigen. 

In dem Schreiben muss der Versorger zudem darauf hinweisen, dass die Energie in besonderen Härtefällen, etwa wenn Älteren, Kranken, Schwangeren oder Kleinkindern im Haushalt gesundheitliche Schäden durch die Abschaltung drohen könnten, nicht abgeschaltet werden darf.

Schreiben keinesfalls ignorieren

Nina Sauer rät Verbraucherinnen und Verbrauchern, bei denen es mit der Bezahlung von Rechnungen gelegentlich eng wird, darum, Schreiben, E-Mails und SMS des Energieversorgers nicht zu ignorieren. "In vielen Fällen kann eine Sperre noch verhindert werden, wenn Betroffene rechtzeitig reagieren und eine sogenannte Abwendungsvereinbarung oder Ratenzahlung vereinbaren", so die Expertin. Offene Beträge könnten dann in kleineren monatlichen Raten abgestottert werden. 

Gut zu wissen: Die Sperre verursacht zusätzliche Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher, weil die für Sperrung und Entsperrung meist selbst aufkommen müssen. Der deutlich einfachere und günstigere Weg sei daher, frühzeitig mit dem Versorger eine Lösung zu finden.

Strom weg? - Versorger kontaktieren und Raten vereinbaren

Ist die Energiezufuhr bereits abgeschaltet, sollten Betroffene umgehend ihren Energieversorger kontaktieren und erneut nach einer Ratenzahlung fragen, empfiehlt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ein gesetzlicher Anspruch darauf bestehe zwar nicht mehr, wenn der Anschluss erst gesperrt ist. Anbieter zeigten sich aber häufig kulant.

"Wer Bürgergeld, Sozialhilfe oder andere Sozialleistungen bezieht, sollte sich zusätzlich an das zuständige Jobcenter oder Sozialamt wenden", rät Nina Sauer. Unter bestimmten Umständen könnten die Energieschulden von den Behörden zunächst als Darlehen übernommen werden. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
01.06.2026
5 min.
Neue Kommissarin des „Erzgebirgskrimis“: „Im Erzgebirge war ich vorher noch nicht“
Neue Kommissarin des „Erzgebirgskrimis“: „Im Erzgebirge war ich vorher noch nicht“ - Hier stimmt offenbar die Chemie: Kai Scheve und Teresa Weißbach (Mitte) mit ihrer neuen Kollegin Mathilda Switala gestern zum Pressetermin in Hohenstein-Ernstthal.
Der Wahl von Mathilda Switala als neue Ermittlerin in der ZDF-Krimireihe ging ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Am Montag stellte sie sich in ihrer neuen Rolle zusammen mit Teresa Weißbach und Kai Scheve vor.
Katharina Leuoth
17:15 Uhr
2 min.
Zverev nach Sieg gegen Jungstar Jódar im Pariser Halbfinale
Zverev nach Sieg gegen Jungstar Jódar im Pariser Halbfinale - Alexander Zverev bei einem Rückhandschlag in der Defensive.
Nur noch zwei Siege bis zum großen Coup: Alexander Zverev präsentiert sich im Viertelfinale der French Open in Titelform und zeigt einem aufsteigenden Spieler der neuen Generation die Grenzen auf.
22.05.2026
2 min.
Strom und Gas: Was tun bei fragwürdiger Abschlagserhöhung?
Strom und Gas: Was tun bei fragwürdiger Abschlagserhöhung? - Abschlagserhöhungen genau prüfen: Nicht jede Anpassung der monatlichen Zahlungen durch den Energieanbieter ist rechtmäßig.
Plötzlich mehr Vorauszahlung für Strom oder Gas leisten? Warum Sie bei unerwarteten Abschlagserhöhungen genau hinschauen sollten - und was Sie tun können, wenn die Forderung unrechtmäßig ist.
01.06.2026
2 min.
Tierische Hochzeit: FSV-Zwickau-Torhüter Lucas Hiemann hat sich getraut
Tierische Hochzeit: FSV-Zwickau-Torhüter Lucas Hiemann hat sich getraut - Lucas gab seiner Lucy auf dem Schloss Lichtenwalde das Ja-Wort. „Diamond“ (Mitte) gehörte zur Hochzeitsgesellschaft.
Der 27-Jährige ist jetzt auch bei Lucy ganz offiziell die Nummer 1.
Thomas Prenzel
17:15 Uhr
3 min.
Fußball-Westsachsenliga: Spieler der Woche beendet mit Premierentor doppelte Leidenszeit
Fußball-Westsachsenliga: Spieler der Woche beendet mit Premierentor doppelte Leidenszeit - Luis Schenke erzielte gegen Schönfels sein erstes Tor in der Westsachsenliga.
Nach 14 Spielen ohne Sieg konnte der SV Mosel beim 4:0 gegen die SG Schönfels wieder dreifach punkten. Für Luis Schenke war sein Treffer der Lohn für viel harte Arbeit.
Philip Meyer
01.06.2026
5 min.
Strom teilen mit Nachbarn? So funktioniert Energy Sharing
Strom teilen mit Nachbarn? So funktioniert Energy Sharing - Energiegemeinschaft: Solarstrom aus der eigenen Photovoltaikanlage mit den Nachbarn teilen? Das soll ab Juni leichter möglich sein.
Ab dem 1. Juni sollen Hauseigentümer ihren Solarstrom deutlich einfacher an Nachbarn verkaufen können. Doch ganz ohne Verträge geht auch das Geschäft mit den Leuten im Haus nebenan nicht.
Katja Fischer, dpa
Mehr Artikel