Sport spielt für Familie Hommel eine wichtige Rolle, wird aber von den Familienmitgliedern in unterschiedlicher Intensität betrieben.
Sport spielt für Familie Hommel eine wichtige Rolle, wird aber von den Familienmitgliedern in unterschiedlicher Intensität betrieben. Illustration: Maria Costantino
Familie
Die Familienkolumne: „Mama geht nicht tanzen“ oder warum es so schwierig ist, einen passenden Sport für Mütter zu finden

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Es fällt mir schwer, regelmäßigen Sport in meinen Alltag zu integrieren. Aber jetzt hat mich meine Tochter auf eine Idee gebracht.

Vor vielen Jahren las ich einmal einen Artikel in einem Magazin: Eine Frau schrieb über ihre Freundin, die als Nonne in ein orthodoxes Kloster gegangen war. Sich selbst bezeichnete die Autorin als ganz normale Frau, die eben „macht, was Frauen um die 40 machen. Rückengymnastik und so.“ Als ich das las, nahm ich mir vor, niemals 40 zu werden. Ich wollte nicht zu einer Bevölkerungsgruppe gehören, die sich durch das aktive Betreiben von Gesundheitssport charakterisiert.

Was soll ich sagen? Es ist anders gekommen. Ich liege also im Wohnzimmer auf einer Matte und mache Rückengymnastik. Und denke darüber nach, welcher Gesundheitssport für mich geeignet wäre. Was Frauen um die 40 eben so machen.

Sport ist übrigens der einzige Punkt, bei dem Frauen ungesünder leben als Männer. Während sich viele Männer dafür Zeit nehmen, fällt er bei Frauen irgendwo zwischen Familie, Beruf und Was weiß ich hinten runter. Habe ich irgendwo gelesen. Vielleicht sollte ich weniger im Internet lesen und mehr Sport treiben.

Es ist schon paradox. Wir Eltern verbringen viel Zeit, um unsere Kinder zu Sportveranstaltungen zu begleiten, und schaffen es selbst nicht zum Sport. Als ich im April (!) mit anderen Müttern und Vätern bei zwei Grad frierend am Spielfeldrand stand, schlug ich vor, parallel zum Fußballspiel der Kinder ein Elternturnier zu veranstalten. Alle fanden die Idee gut, niemand hat sie in die Tat umgesetzt.

Ich muss mir also wohl eine andere Sportart suchen. Es gibt ja diese Trendsportarten, die alle paar Jahre ihren Namen ändern. Tae Bo, Zumba, Pilates und so weiter. Ich habe nichts dagegen. Aber ich will mich nicht auf einen festen wöchentlichen Termin festlegen. Das hat mit beruflichen Abendterminen zu tun. Stadtratssitzungen sind zwar wichtig, beinhalten aber leider sehr wenig Bewegung.

Neuerdings gibt es ja die Veranstaltungsreihe „Mama geht tanzen“. Ein Event, das wohlportionierte Entspannung für Mütter beinhaltet, um 23 Uhr zu Ende ist und die Frauen nicht davon abhält, am nächsten Morgen pünktlich das Frühstück auf den Tisch zu stellen, wie es sich gehört.

Allerdings: Wenn das verbindende Element einer Veranstaltung nicht der Musikgeschmack ist, sondern ein demografisches Kriterium wie Mutterschaft oder Alter, dann ist das nichts für mich. Anders gesagt: Ich muss doch nicht „Charts, Hip-Hop und 90er“ gut finden, nur weil ich eine Mama und Ü30 bin! Also gilt für mich: „Mama geht nicht tanzen“. Vielleicht gehe ich stattdessen zur „U70-Party“, die von irgendwelchen Scherzbolden in unserer Stadt beworben wird.

Zum Thema Sport bringt mich das alles überhaupt nicht weiter. Vielleicht sollte ich auf meine Große (11) hören. Nachdem sie selbst ihr Schwimmabzeichen in Gold geschafft hat, findet sie, ich könnte ja ruhig mal mein Silberabzeichen machen. Vielleicht hat sie Recht. Schwimmen schont schließlich die Gelenke. Und es ist gut für den Rücken. ( eva)

Bild: Mark Frost

Eva-Maria Hommel, Jahrgang 1984, ist Redakteurin bei der „Freien Presse“. Sie wollte schon immer drei Kinder, und so ist es auch gekommen. Das (Familien)Leben hält viele Überraschungen bereit - einige davon sind Thema dieser Kolumne.

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