Der Apfel hat für Angelika Tittmann Symbolkraft.
Der Apfel hat für Angelika Tittmann Symbolkraft. Bild: Uwe Mann
Gesundheit
Heilfasten nach Buchinger und Lützner

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Es ist wieder Fastenzeit. Um zu entschleunigen und seiner Gesundheit Gutes zu tun, gibt es verschiedene Wege. Heute: Heilfasten nach Buchinger/Lützner.

Chemnitz.

Gesundheitsvorsorge, das Sich-Kümmern um den eigenen Körper, lag Angelika Tittmann aus Chemnitz schon immer am Herzen. So entdeckte sie auch das Fasten. "Ich wollte alles tun, um gesund zu bleiben und Arztbesuche möglichst zu vermeiden", sagt die 54-jährige Vermögensberaterin. Diese Einstellung decke sich auch mit ihrer beruflichen Tätigkeit, denn bei den Finanzen drehe sich ja auch vieles um Vorsorge. Aus dem Präventionsgedanken wurde eine Lebenseinstellung - Schritt für Schritt, mit jedem Fasten ein wenig mehr.

In ihrer Wohngebietssportgruppe hörte Angelika Tittmann vor etwa 20 Jahren das erste Mal vom Heilfasten nach Buchinger und Lützner. Dabei wird eine Woche auf feste Nahrung verzichtet. Das war zwar schwer vorstellbar, die Neugier siegte jedoch. Die erste "Fastenreise" ging ins Erzgebirge - in ein Hotel, in dem es verführerisch nach Essen duftete. Diesen Eindruck hat sie bis heute nicht vergessen. Doch Essensduft und Restaurantatmosphäre waren viel weniger anstrengend, als sie anfangs vermutet hätte. Ihre Begründung: "Es ist alles Einstellungs- und Kopfsache. Wenn man sich bewusst aufs Fasten einlässt, sind die Gedanken ans Essen nicht mehr so dominant", blickt sie zurück.

Wie viele Fastenaufenthalte es seither waren, kann Angelika Tittmann heute nicht mehr sagen. "Ich habe immer wieder etwas Neues für mich entdeckt und mitgenommen. Mein erster und einschneidendster Schritt war der Verzicht auf Schweinefleisch", sagt sie. "Das habe ich mir bis heute erhalten."

Hunger hat sie während der Fastenwoche übrigens nie verspürt. Mit einer Ausnahme: "Ich fastete vor vielen Jahren arbeitsbegleitend, weil es terminlich einfach nicht anders machbar war. Ich hätte es aber lieber lassen sollen, denn Zeit für mich gab es kaum. Abends wurde schnell etwas lösliche Gemüsebrühe getrunken. Auch die Darmreinigung blieb auf der Strecke. Das Resultat: Hunger und schlechte Laune. Heute faste ich nur, wenn ich mir eine Auszeit nehmen kann, sonst hat es keinen Sinn", weiß Angelika Tittmann.

Doch wie kommt es, dass man beim Fasten - wenn man es richtig macht - keinen Hunger verspürt? "Der Darm ist der Schlüssel", sagt Anita Büttner, ausgebildete Fastenleiterin. "Wenn der Darm leer ist, läuft die Verdauungsarbeit auf Sparflamme. Damit verschwindet der Hunger und der Körper schaltet auf Selbstversorgung um, greift also seine Depots an", erklärt sie weiter. Die Darmreinigung wird in Gang gesetzt, indem man am ersten Tag eine Glaubersalzlösung trinkt. Das wirkt stark abführend. Dann werden Darmspülungen empfohlen.

"Das Teetrinken ist auch so etwas, was mich seit meinem ersten Fasten bis heute begleitet. Wie unterschiedlich Kräuter riechen und schmecken, merkt man beim Fasten besonders. Das Gleiche betrifft den Saft, den es jeden Nachmittag gibt - er ist etwas ganz Besonderes. Man genießt ihn mit allen Sinnen", berichtet Angelika Tittmann.

Wer nie gefastet hat, denkt nach diesen Schilderungen, dass man völlig kraftlos ist und aus dem Bett nicht herauskommt. Doch weit gefehlt. Angelika Tittmann: "Ich habe mich so fit und agil gefühlt und war voller kreativer Ideen. Vieles habe ich mir in mein Tagebuch geschrieben, in dem ich auch heute noch lese und mich freue, wie viel ich davon schon umgesetzt habe."

Anita Büttner erklärt das Phänomen: Viele kennen die Müdigkeit nach dem Essen. Da der Körper beim Fasten nur Flüssiges verarbeitet, ist der Kopf frei, das Unterbewusstsein hellwach und Ziele werden besser im Gedächtnis verankert."

Nach einer Woche ohne feste Nahrung ist das Fastenbrechen ein ganz besonderes Erlebnis, erzählt Angelika Tittmann. Es wird stilecht mit einem Apfel zelebriert. "Der Tisch ist festlich gedeckt, an jedem Platz liegt ein blankgeputzter Apfel, der aussieht wie gemalt. Das Ganze hat etwas Feierliches - ist aber trotzdem auch melancholisch. Denn einerseits freut man sich wieder aufs Essen, andererseits hat man Angst, wieder in alte Gewohnheiten abzurutschen. Der Apfel hat für mich Symbolkraft - als Zeichen der Verführung und der Erkenntnis." Am meisten verblüfft ist sie immer, wie schnell man davon satt ist. Einen ganzen Apfel schaffen die wenigsten. "Ich fühle dabei immer eine große Dankbarkeit und Freude, das ist etwas Seltenes in der heutigen Überflussgesellschaft."

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