Anastasia Zampounidis war während ihrer Zeit als MTV-Moderatorin, wie sie sagt, voll „drauf“ auf Zucker.
Anastasia Zampounidis war während ihrer Zeit als MTV-Moderatorin, wie sie sagt, voll „drauf“ auf Zucker. Bild: WDR/Bilderfest
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Gesundheit
TV-Moderatorin: „Ich lebe seit 20 Jahren zuckerfrei“

Chemnitz. Anastasia Zampounidis war zuckersüchtig. Sie ist Protagonistin der neuen ARD-Doku „Hirschhausen und der Zucker“ und spricht vorab über ihren Zuckerentzug, was er bringt und wie sie Zucker ersetzt.

Freie Presse: Frau Zampounidis, die CDU will am Samstag über eine Zuckersteuer für Softdrinks diskutieren. Ärzte und Verbraucherschützer fordern die ja seit langem, aber bislang war es in Deutschland nicht gewollt, die Industrie an die Leine zu nehmen.

Anastasia Zampounidis: Ja. Wir überlassen es der Industrie, den Zuckeranteil in den Lebensmitteln freiwillig zu begrenzen. Das funktioniert nicht, das ist ein Fakt. Niemand, der freiwillig etwas ändern soll, das ihn Profit einbüßen lassen könnte, tut das. Alle Produzenten sollten weniger Zucker oder veränderte Rezepturen verwenden. Dann müssten sie sich einfallen lassen, wie man die Produkte trotzdem schmackhaft machen kann - denn das geht ja.

FP: Die ARD sendet am Montag die neue Doku "Hirschhausen und der Zucker", in der erklärt wird, wie negativ sich Zucker auf unsere Gesundheit tatsächlich auswirkt. Sie kommen auch darin vor. Warum?

Zampounidis: Weil ich im April mein zwanzigjähriges Jubiläum ohne Zucker feiere. Das ist, glaube ich, einzigartig in diesem Land. 2006 hat darüber noch niemand gesprochen. Aber nach wie vor ist das Thema noch nicht in der breiten Masse angekommen.

FP: Warum haben Sie sich damals entschieden, keinen Zucker mehr essen zu wollen?

Zampounidis: Mit 20 war ich schon komplett "drauf".

FP: Was heißt das denn?

Zampounidis: Süchtig. Ich habe jeden Tag meine Ladung Zucker gebraucht, sonst ging es mir nicht gut. Das ist der Zustand eines Süchtigen. Zucker wirkt im Gehirn ähnlich wie eine Droge. Ich habe ihn nicht mehr gebraucht, um mich euphorisch zu fühlen, sondern um mich OK zu fühlen. Vor meinen Livesendungen habe ich jeden Tag Schokolade, Kuchen oder einen Riegel gegessen. Ich habe viel gearbeitet und brauchte den Schub Energie. Mit Mitte 30 habe ich dann festgestellt, dass ich keinen Hunger oder kein Sättigungsgefühl mehr habe. Ich hatte nur Appetitattacken durch die schwankenden Blutzuckerspitzen. Ich wollte auch nicht zunehmen, habe ab und zu gehungert. In meinen Augen ist das schon eine Essstörung. Deswegen habe ich versucht, etwas dagegen zu unternehmen.

FP: Und dann haben Sie von jetzt auf nachher keinen Zucker mehr gegessen?

Zampounidis: Nein. Vor 2006 habe ich drei Jahre lang versucht, meinen Zuckerkonsum zu reduzieren. Das gelang mir allerdings nicht. Ich war damals total ahnungslos, dass ich nicht nur Zucker konsumiere, wenn ich Eis, Kuchen und Schokolade esse, sondern quasi ständig. Also immer, wenn ich etwas Verarbeitetes gegessen habe. Streckenweise habe ich es geschafft, aber dann kam ein Rückfall, der schlimmer war als vorher. Ich wusste nicht, dass ich permanent eine Pegelesserin war.

FP: Das klingt ja wie Pegeltrinker!

Zampounidis: Ja, das ist auch ähnlich! Zuckerhaltige Lebensmittel triggern Gehirn und Körper, sodass beide irgendwann nach einer Extraportion Energie und Dopamin verlangen. Das Traurige ist, dass ich keine Ahnung von biochemischen Zusammenhängen hatte. Ich dachte einfach nur: "Du bist undiszipliniert. Du bist schwach. Du schaffst es nicht." Das war mir selbst gegenüber ungerecht, weil diese Systeme im Körper so stark sind, dass man sich ihnen nicht verwehren kann.

FP: Was brachte die Änderung?

Zampounidis: 2006 hat mich eine Ärztin der Traditionellen Chinesischen Medizin darauf hingewiesen, dass meine Leber bereits stark geschwächt und auf dem Weg war, eine Fettleber zu werden. Sie empfahl mir, den Industriezucker wegzulassen. Das war das erste Mal, dass ich auf die Zutatenliste geachtet habe.

FP: Welche Lebensmitteln haben Sie am meisten überrascht, weil sie Zucker enthalten?

Zampounidis: Die würzigen. Senf, Kartoffelchips, Sojasoße, alle Fertigprodukte. Es ist kein Zufall, dass die Industrie das macht. Zum Einen sind wir seit Kindestagen auf Süßes konditioniert: Wo immer etwas Süßes drin ist, schmeckt es besser. Süß ist neben Fett und Salz ein Geschmacksträger. Zum Anderen ist Zucker ein sehr günstiger Füllstoff, der Lebensmittel haltbar macht.

FP: Was fiel Ihnen an der Umstellung am schwersten?

Zampounidis: Dass ich mit 37 Jahren anfangen musste, zu kochen. Zum Glück ist das bei den meisten nicht so schlimm wie bei mir. Ich bin nicht mehr essen gegangen, weil ich nicht wusste, was drin ist. Aber nach den drei Jahren war ich so froh, dass ich endlich wusste, was mit mir los war, dass mich die Euphorie durch den Zuckerentzug getragen hat.

FP: Zuckerentzug? Wie äußert der sich?

Zampounidis: Mit typischen Symptomen wie Kopfschmerzen, schlapp fühlen, Heißhunger, schlechte Laune. Nur der Entzug ist schwierig. Danach wird es einfacher.

Das Schwierigste an der Umstellung auf eine zuckerfreie Ernährung war für Anastasia Zampounidis, dass sie kochen lernen musste.
Das Schwierigste an der Umstellung auf eine zuckerfreie Ernährung war für Anastasia Zampounidis, dass sie kochen lernen musste. Bild: Bastei-Lübbe

FP: Was hat sich bei Ihnen geändert, seit Sie den Zucker weglassen?

Zampounidis: Wichtig war mir nur, dass ich nicht mehr süchtig sein und keinen Heißhunger mehr haben wollte. Im ersten Jahr fiel mir auf, dass ich von Kleidergröße 38 auf Kleidergröße 34 gekommen bin. Das klingt wenig, aber ist es nicht, denn ich bin winzig. Ohne zu hungern oder darauf zu achten, bin ich ins untere Drittel meines Normalgewichtes gerutscht. Und dieses Gewicht halte ich seit 20 Jahren, obwohl ich jetzt 57 bin. Aber es gibt nicht nur optische, sondern auch mentale und psychische Aspekte.

FP: Berichten Sie doch mal: Was ist passiert?

Zampounidis: Mein ganzes Leben hat sich verändert. Zu Beginn nach dem Entzug habe ich mich relativ schnell fit und energiegeladen gefühlt, sah deutlich jünger aus, als ich war. Aber mein Hauptfaktor war das Wohlbefinden. Meine Blutwerte haben sich gebessert, meine Zähne sind top fit, die Menstruationsbeschwerden waren zurückgegangen, kein Heißhunger mehr, das Geschmacksempfinden hat sich verbessert. Und ich kann generell sagen, dass eine zuckerfreie Ernährung emotional stabiler macht.

FP: Woran machen Sie das fest?

Zampounidis: Wenn wir Industriezucker zu uns nehmen, steigt der Blutzucker rasch an und fällt dann schnell wieder ab. Wir erleben das meist gar nicht als Zuckerproblem, sondern, dass es uns nicht so gut geht. Ich war innerlich unruhig, gereizt, ein bisschen zickig, hatte Konzentrationsprobleme, wenn ich Nachschub brauchte. Nach so einem Hoch kam dann die Antriebslosigkeit.

FP: Verraten Sie doch bitte mal, wie Sie das im Alltag machen. Kochen Sie jeden Tag? Essen Sie Trockenfrüchte? Was ist mit Datteln?

Zampounidis: Ja, die sind quasi meine Schokolade. Am Anfang habe ich viel zu viele gegessen, aber das pendelt sich alles von alleine ein. Der Körper kann das alles, wenn man ihn erstmal giftfrei werden lässt. Ich koche nicht jeden Tag, aber ich koche vor. Gemüse, Hülsenfrüchte. Mittlerweile habe ich kein Interesse mehr an Kuchen. Ich backe den, wenn ich Besuch bekomme.

FP: Womit süßen Sie dann?

Zampounidis: Mit Bananen, Rosinen, Datteln, Mandel- und Reismehl. Die Rezepte sind für Leute wichtig, die gerade mit der zuckerfreien Ernährung angefangen haben. Aber mir ist das inzwischen viel zu süß. So sehr hat sich mein Geschmack schon verändert. Karotten, Hokkaido-Kürbis oder Süßkartoffeln empfinde ich heute als so süß wie Schokolade früher. Zucker hat die Geschmacksrezeptoren versaut. Jetzt schmeckt alles viel voller, nussiger, kerniger.

FP: Wie machen Sie das, wenn Sie essen gehen?

Zampounidis: Wenn ich nicht weiß, was drin ist, frage ich nach. Dressing lasse ich weg und würze mit Olivenöl und Zitronensaft. Manchmal esse ich nur eine Gemüsesuppe oder einen Salat und gehe nicht so hungrig aus dem Haus. Ich habe immer etwas im Auto dabei, Nüsse, Obst, einen Snack. Man muss sich ein bisschen organisieren, aber das geht schnell.


Zur Person: Anastasia Zampounidis

  • Die TV-Moderatorin und Autorin wurde 1968 in Thessaloniki geboren und wuchs in Deutschland auf.
  • Bekannt wurde sie als Moderatorin von MTV, aber auch für die Außenwetten bei "Wetten, dass...?", für RTL-II und ZDFneo stand sie vor der Kamera.
  • Die Vegetarierin hat 2017 ihr erstes Buch "Für immer zuckerfrei: Schlank, gesund und glücklich ohne das süße Gift" veröffentlicht, es folgten etliche weitere.
  • Am Montag, 23. Februar um 20.15 Uhr strahlt das ARD die neue Dokumentation "Hirschhausen und der Zucker" aus, in der Anastasia Zampounidis zu sehen ist. Die Doku ist ab 20. Februar in der ARD Mediathek zu sehen.
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