Die am gefährdetsten Menschen im Freistaat sind oft nicht gegen Grippe geimpft, zeigt eine Barmer-Auswertung. Bei Corona gibt es eine erfreuliche Entwicklung.
An Influenza sind in dieser Saison in Sachsen mehr Menschen gestorben als an Corona. Von Anfang Oktober bis zum 22. Februar hat die Landesuntersuchungsanstalt (LUA) im Freistaat 171 Grippetote offiziell registriert. Es handelt sich um 86 Frauen und 84 Männer im Alter zwischen 47 und 101 Jahren, wobei das Durchschnittsalter bei 87 Jahren lag. Aber auch ein dreijähriges Kind mit schweren Vorerkrankungen erlag den Grippeviren.
Mit 37 die sachsenweit meisten Grippetoten wurden aus Dresden gemeldet. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass besonders schwer Kranke aus dem Umland in die Uniklinik überwiesen werden. Im Verbreitungsgebiet der "Freien Presse" stammten die meisten Grippetoten aus dem Landkreis Zwickau (19), gefolgt vom Erzgebirgskreis (13) und Chemnitz (7).
Die saisonale Influenzawelle hält zwar noch an, ihr Höhepunkt ist nach Einschätzung der LUA jedoch überschritten. Für die achte Kalenderwoche vom 16. bis 22. Februar meldet sie 1154 neue Grippefälle in Sachsen - ein deutlicher Rückgang zur Vorwoche, wozu sicherlich auch die Winterferien beigetragen hätten. Die meisten Grippekranken der letzten Wochen sind über 60 Jahre alt. Aktuell berichten die Gesundheitsämter aber auch über gehäufte Fälle in Kitas und Krankenhäusern, vereinzelt in Seniorenheimen.
Ausgerechnet die gefährdetsten Menschen lassen sich allerdings oft nicht impfen. Das belegt eine Auswertung von Abrechnungsdaten der Barmer. Demnach waren 2023 in Sachsen nur 47,5 Prozent der über 60-Jährigen gegen Grippe geimpft. "Das liegt noch unter den Impfquoten von 2020 bis 2022 und weit unter dem Ziel der Weltgesundheitsorganisation von 75 Prozent", sagt Barmer-Landesgeschäftsführerin Claudia Beutmann. "Mit nur 28,3 Prozent ist die Impfquote bei den 60- bis 64-Jährigen besonders niedrig." Erst ab 75 Jahren sei mehr als die Hälfte geimpft. Gerade bei Älteren und chronisch Kranken kann eine Grippe zu schweren Komplikationen führen, weil ihr Körper anfälliger für Infektionen ist. Beutmann: "Vor allem bei Menschen mit Herzproblemen verbessert eine Grippeimpfung nachweislich die Überlebenschancen. Hausärzte haben eine besondere Verantwortung, darüber aufzuklären."
Sachsen ist mit der niedrigen Impfbeteiligung nicht allein. In Bayern und Baden-Württemberg waren sogar nur etwa 30 Prozent der Barmer-Versicherten gegen Grippe geimpft. Die höchste Quote verzeichnete mit 55,2 Prozent Sachsen-Anhalt. "Besonders wichtig ist der Impfschutz für Pflegebedürftige", sagt Beutmann. "In stationären Pflegeeinrichtungen waren bundesweit zuletzt 48,9 Prozent geimpft, bei häuslich Pflegebedürftigen 45,6 Prozent." Erstaunlich sei, dass Pflegebedürftige ab 70 Jahren seltener gegen Grippe geimpft waren als gleichaltrige Nicht-Pflegebedürftige. Beutmann: "Hier müssen wir besser werden."
Wie viele der Grippetoten in Sachsen keinen Impfschutz hatten, lässt sich nicht sagen, weil nicht immer Angaben über den Impfstatus vorlagen. Laut LUA seien acht der verstorbenen Patienten im Alter zwischen 84 und 95 Jahren in der aktuellen Saison gegen Influenza geimpft gewesen.
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeschutzimpfung allen ab 60 Jahren, Schwangeren ab dem zweiten Trimester, Personen mit Grunderkrankungen, Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen sowie allen, die durch ihren Beruf ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben. Neu ist in dieser Saison, dass sich auch Menschen impfen lassen sollten, die regelmäßigen und direkten Kontakt zu Schweinen, Geflügel, Wildvögeln und Robben haben. Auch wenn man selbst kein hohes Risiko für schwere Verläufe hat, kann eine Impfung sinnvoll sein, um gefährdete Menschen im Umfeld zu schützen.
"Die Impfung ist sicherlich nicht perfekt", sagt Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Jena. "Sie schützt auch nicht hundertprozentig vor der Influenza. Aber sie reduziert sehr deutlich das Risiko, wegen einer Influenza auf die Intensivstation zu kommen oder einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden."
Grippe-Schnelltests aus Apotheken können helfen, frühzeitig eine Infektion zu erkennen. Wer mit einem Grippekranken die Wohnung teilt, sollte immer wieder lüften, um infektiöse Tröpfchen nach draußen zu schicken. Das Umweltbundesamt rät, bei weit geöffnetem Fenster einige Minuten stoßzulüften. Wenn Durchzug möglich ist - umso besser.
Weniger Corona, mehr RSV
Die Zahl der Corona-Kranken ist in dieser Saison nicht mal halb so hoch wie die der Grippekranken. An oder mit Corona sind in dieser Saison bisher 138 Menschen in Sachsen gestorben - 47 Frauen und 91 Männer im Alter zwischen 53 und 99 Jahren. Die meisten stammen aus dem Landkreis Bautzen (25) und Dresden (19). In der achten Kalenderwoche meldet die LUA nur noch 86 neue Corona-Fälle, vor allem aus Leipzig und Dresden.
Immer noch steigend dagegen sind die RSV-Infektionen. Vom 16. bis 22. Februar wurden in Sachsen 728 Neuerkrankungen offiziell gemeldet - ein Plus von acht Prozent zur Vorwoche. Betroffen sind erwartungsgemäß vor allem Kleinkinder, aber auch ältere Erwachsen. Die zehn bisher in dieser Saison registrierten RSV-Toten waren ausnahmslos ältere Patienten zwischen 68 und 95 Jahren.





