Wer Sonne satt und breite Sandstrände liebt, kommt auf Djerba auf seine Kosten. Die tunesische Mittelmeerinsel hat aber auch eine lange Geschichte, deren Errungenschaften jetzt ausgezeichnet wurden. Mindestens drei Tage Kultur sollten also drin sein.
Beim Blick aus dem Fenster während des Landeanflugs auf die Ferieninsel Djerba fallen riesige Pfeile im Meer auf. Hinweise für Piloten? Die dürften den richtigen Weg mit ihrer Bordtechnik finden. Der Hintergrund der Zeichen ist stattdessen eine alte Fischfang-Technik, die Charfia-Fischerei. Dafür werden Barrieren aus Palmenblättern gebaut, in denen sich die Fische verfangen sollen.
Wäre der Flughafen nicht im Norden, könnte man beim Flug über die Insel eine weitere Besonderheit Djerbas von oben sehen: kleine Höfe, in denen Lehmhäuser mit blauen Kuppeldächern um einen Platz gebaut sind. Mehrere Generationen einer Familie wohnen dort zusammen. In angrenzenden Gärten züchten sie wassersparend ihr Obst und Gemüse, daneben gedeihen Olivenbäume und Dattelpalmen.
Für solche an die trockene Natur angepassten Lebensformen, für die Traditionen und das Miteinander verschiedener Religionen hat Djerba 2023 den Welterbe-Status der Unesco verliehen bekommen. Während eines Badeurlaubs lohnt es sich also, das Hotel zu verlassen und die Insel nach jahrtausendealten Spuren aus der Zeit der Phönizier, Berber und Römer abzusuchen.
Tag 1 im Norden: In der überdachten Medina (Altstadt) des Inselzentrums Houmt Souk schließen Händler am Morgen nach und nach ihre kleinen Läden auf. Vorn sind darin Kleider, Kunstgegenstände oder Goldschmuck aufgehängt, dahinter sind in kleinen Kammern Werkstätten eingerichtet.
Zur Werkstatt von Mohamed Khacha führt eine Treppe nach oben. Stundenlang kann man ihm zuschauen, wie er aus Palmenblättern oder Saharagras Matten, Körbe und Hüte flechtet. Mit geschickten Fingern fädelt er die Halme zwischen die Spannstricke eines Webrahmens und zieht sie mit einem Brett zusammen. Mit zwölf Jahren habe er die Technik von seinem Vater gelernt, erzählt der Khacha. Heute ist er 76 Jahre alt und hat das Handwerk seinen Söhnen beigebracht.
Während Werkstätten wie die von Mohamed Khacha noch betrieben werden, haben die alten Karawansereien ausgedient und einen neuen Zweck gefunden. In einigen sind Teppichmanufakturen untergebracht, in anderen Cafés oder Hotels. Stadtführer Wajdi Borgi lässt bei seinen Touren das Leben in den alten Herbergen wieder aufleben. „Unten wurden die Kamele versorgt und die Preise verhandelt, in den oberen Gemächern haben sich die Kaufleute nach ihren langen Reisen ausgeruht“, sagt Borgi und zeigt auf die Zimmer in der ersten Etage.
Die Medina von Houmt Souk ist heute ein lebendiger Ort zum Shoppen von Souvenirs. Es gibt viele kleine Boutiquen mit Schmuck und Keramiken von Künstlern. In Restaurants und Cafés kann man einen frischen Orangensaft oder einen „Direkt“ genießen, wie der Milchkaffee auf Djerba genannt wird. Die Muezzinrufe aus den Moscheen schaffen dazu eine besondere Atmosphäre.
Geflüchtete Juden sind nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem aus Israel nach Tunesien gezogen. Diese Sefarden haben in der Gemeinde Erriadh die Synagoge La Ghriba errichtet, in der heute Steine des alten Tempels und eine der ältesten Thorarollen der Welt liegen sollen. Die Synagoge beeindruckt durch handbemalte Keramikfliesen und reich verzierte Ornamentik. Besuchern steht sie außer an jüdischen Feiertagen offen.
Einen Kilometer von der Synagoge entfernt haben sich in „Djerbahood“ Straßenkünstler an Hauswänden und Mauern verewigt. Die Idee hatte der Pariser Galerist Mehdi Ben Cheikh, er hatte 150 Künstler aus aller Welt für das Projekt nach Djerba eingeladen. So ist „Djerbahood“ heute ein farbenfrohes Freilichtmuseum, das für viel Entdeckungsfreude in dem jüdisch geprägten Viertel sorgt.
In Erriadh lohnt sich auch ein Abstecher zu einer Verkostung in der Olivenöl-Fabrik „Top Oliva“, die für viele Bauern der Insel die Früchte presst. Das Öl hat es zuletzt 2022 bei einem weltweiten Wettbewerb in Dubai auf Platz 1 geschafft. Typisch für Djerba ist die Olivensorte „Chemlali“, die ein leicht scharfes, süßliches Aroma mit Mandel- und Feigennoten hat.
Etwa zehn Kilometer vom Römerdamm entfernt befindet sich das kleine Töpferdorf Guellala. Mit Ton aus der Umgebung stellen dort Töpfer Krüge und Vasen her. Fathi Sakal führt einen 400 Jahre alten Familienbetrieb. Seine Arbeit sieht man seinen starken Beinen und Armen an. Den Ton muss der 48-Jährige zunächst mit den Füßen treten und mit den Händen kneten. Im nächsten Arbeitsschritt verwandelt sich der rabiate Fitnesssportler plötzlich in einen Feingeist. Mit zarten Fingerbewegungen lässt er aus dem Tonklumpen einen wohlgeformten Krug entstehen, der mit einem Faden noch feine, künstlerische Linien erhält.
Das Töpferhandwerk hat eine lange Tradition auf Djerba. Salz, Getreide und Olivenöl mussten von den Karawanen in Krüge umgefüllt werden, bevor sie auf Schiffe verladen wurden. Heute verkaufen die Töpfer ihre Ware auf dem Markt in Guellala oder in Houmt Souk. Fathi Sakal verschickt sie auch nach Frankreich. Er lebt zudem von Töpferkursen für Touristen. Für umgerechnet zehn Euro können Interessierte einen halben Tag mit ihm töpfern, dazu wird gemeinsam Mittagessen gekocht.
Der Abschluss im Westen: Einen „anstrengenden“ Erkundungs- oder Badetag kann man in Ruhe mit einem Sonnenuntergang an der Westküste ausklingen lassen, einem vom Tourismus nahezu unberührten Teil Djerbas. Viele Einheimische sind zu dieser Tageszeit am Strand von Sidi Jmour zu finden, wo abends die Fischer mit ihren Booten anlegen. Auf einem Felsen steht die Moschee von Sidi Jmour. Um das Gebäude sollen Szenen des Kino-Klassikers „Star Wars“ gedreht worden sein. Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte – die ebenfalls an mehreren Orten auf Djerba zu erzählen ist.
Dokumente: Eine Einreise ist nur mit Reisepass möglich, der mindestens sechs Monate gültig sein muss.
Währung: Die Landeswährung ist der Dinar. Euro und Kreditkarte werden in Touristengebieten akzeptiert.
Sprache: Auf der Insel wird Arabisch und Französisch gesprochen. Vor allem junge Leute sprechen Englisch. In vielen Hotels kommt man auch mit Deutsch weiter.
Sicherheit: Nach Anschlägen auf die Synagoge La Ghriba in der Vergangenheit hat das tunesische Innenministerium mobile Sicherheitsposten eingerichtet, die vor allem in der Saison an Plätzen und Stränden im Einsatz sind. Hotels werden durch Sicherheitsdienste geschützt.
Flüge: Regelmäßige Flüge (ca. drei Flugstunden) mit Tunisair starten das gesamte Jahr von Frankfurt. Ab April bis Oktober wird die Insel von mehreren Flughäfen in Deutschland angeflogen, auch von Leipzig und Berlin.
Übernachtung: Djerba ist ein günstiges Reiseziel. Ein Zimmer kostet beispielsweise im Vier-Sterne-Hotel Djerba Golf Resort & Spa ab 69 Euro. Sieben Nächte mit Flug ab München gibt es im Mai ab 650 Euro bei der Tui.
Transport vor Ort: Wer Ausflüge machen will, der kann ein Taxi nehmen. Das gibt es für 30 Euro für einen halben Tag. Am besten über das Hotel buchen. Mietautos gibt es ebenfalls.
Diese Reise wurde unterstützt von www.discovertunisia.com






