Mit 85:79 gewannen die Chemnitzer Basketballer im Eurocup bei Lietkabelis Panevezys. Nach der deftigen Niederlage am Freitag gegen Würzburg zeigten sie ein anderes Gesicht.
Die Basketballer der Niners Chemnitz bleiben in dieser Saison eine Wundertüte. Nachdem es am Freitag bei der deutlichen Niederlage in der Bundesliga gegen Würzburg noch so aussah, als fehle es dem Team an allen Grundlagen, um wettbewerbsfähig zu sein, holten sie am Dienstag im Eurocup einen knappen 85:79-Sieg beim litauischen Vertreter Lietkabelis Panevezys und damit den fünften Erfolg in diesem Wettbewerb. Nach einem allerdings auch dürftigen Auftritt der Gastgeber bleibt nach diesem Spiel die Frage offen: Waren die Niners so stark – oder die Litauer so schwach? Eine Antwort ist schwer zu finden.
Mit Kajami-Keane und Davis fehlen beide Spielmacher
Die Niners mussten in der Kalnapilio Arena, die eigentlich eine Radrennbahn ist und ein dementsprechend ungewöhnliches Ambiente bot, ohne ihre zwei etatmäßigen Pointguards auskommen. Kapitän Kaza Kajami-Keane war verletzt in Chemnitz geblieben, Corey Davis war wegen eines Krankheitsfalles nach Italien gereist, wo seine Familie wohnt. Den Spielaufbau übernahmen Kostja Mushidi, Nike Sibande und John Newman – und sie machten das zu Beginn ordentlich. Der Ball lief gut, die Dreier fielen endlich mal, die Niners lagen ziemlich schnell ziemlich deutlich mit 14:2 vorn.
Der Weihnachtsmann bejubelt den Ausgleich
Wie so oft in dieser Saison war dieser Start wohl aber zu gut. Die Litauer, bei denen im Gegensatz zum Hinspiel (86:67-Sieg der Niners) der gerade erst aus Heidelberg gekommene Michael Flowers den Ball brachte, konnten beim 21:21 ausgleichen, was die Fans in der spärlich besetzten Halle und den als Weihnachtsmann verkleideten Hallensprecher freute – Europapokal ist eben auch immer ein bisschen besonders. Bis zur ersten Viertelpause konnten die Gäste aber wieder in Führung gehen – 26:21 für Chemnitz hieß es nach den ersten zehn Minuten.
Gute Leistung gegen schwache Gastgeber
Ins zweite Viertel gingen die Niners mit weniger Tempo, dafür aber mit sehr viel Stabilität und Konzentration. Sie waren defensiv sehr aufmerksam, offensiv war es solide. Auf der anderen Seite lieferten die Gastgeber allerdings auch eine Leistung ab, die mit der der Niners am vergangenen Freitag gegen Würzburg zu vergleichen war. Beim 67:86 klappte bei den Chemnitzern fast gar nichts – und so lief es am Dienstag für Panevezys. Neun Ballverluste leisteten sich die Litauer allein in der ersten Halbzeit, die sie mit 36:49 verloren. Niners-Coach Rodrigo Pastore hatte allerdings auch nicht Unrecht, als er seine Mannschaft bei einer Auszeit für die Leistung im zweiten Viertel lobte: „Ihr macht das großartig“, sagte er.
Doch noch einmal Spannung am Ende
Doch so blieb es nicht. Im dritten und vor allem im letzten Viertel leisteten sich die Chemnitzer nach einer 18-Punkte-Führung wieder einmal unerklärliche Fehler und Fehlwürfe, ließen den Gegner bis auf zwei Punkte (72:70) herankommen. Ein ganz wichtiger Dreier von Newman zum 77:70 drei Minuten vor dem Ende ließ die Niners dann aber wieder auf die Siegerstraße abbiegen. Souverän befuhren sie diese jedoch nicht, denn eine Minute vor dem Ende waren die Litauer beim 79:80 aus ihrer Sicht plötzlich wieder bis auf einen Punkt dran. Die Niners brachten die Führung aber über die Zeit.
Was dieser Sieg wert ist – und ob er wieder nur ein Strohfeuer ist, wird sich am Samstagabend zeigen. Dann kommen die Rostock Seawolves in der Bundesliga nach Chemnitz. Wer voraussagen kann, wie dieses Spiel laufen wird, sollte dringend darauf wetten.
Statistik
Niners: Sibande (17), Yebo (16), Newman (15), Mushidi (12), Sow (11), Brewer (10), Minchev (4), Beran






