Chancenlose Auer gehen beim Hamburger SV mit 0:4 unter

Der FC Erzgebirge muss in der 2. Fußball-Bundesliga beim Hamburger SV eine 0:4 (0:2)-Nieder- lage hinnehmen. Dabei bekommen die Auer ihre Grenzen aufgezeigt.

Hamburg.

Im Vorfeld der Partie des FC Erzgebirge Aue beim Hamburger SV hatte Sören Gonther darauf spekuliert, im Volksparkstadion möglichst lange die Null zu halten. Nicht nur das ging am Sonntag gründlich schief. Bei der 0:4 (0:2)-Niederlage fiel das erste Tor für den Krösus der 2. Bundesliga bereits nach einer guten Viertelstunde - umstritten, dennoch viel zu einfach. Doch nicht nur dabei zeigte sich die zuletzt sicher und kompakt stehende Auer Abwehr äußerst anfällig. Einen ganz schwarzen Tag erwischte Linksverteidiger Filip Kusic, den FCE-Chef- coach Dirk Schuster in der 50. Minute aus dem Spiel nahm - kurz nach dem dritten Gegentor. "Wir haben zur Halbzeit gedacht, dass wir das Ding vielleicht noch einmal korrigieren können. Aber mit dem 3:0 hatte sich das erledigt. Filip Kusic hatte einen saumäßigen Tag erwischt", nahm FCE-Präsident Helge Leonhardt kein Blatt vor dem Mund, ohne den Stab über den jungen Linksverteidiger zu brechen. Der 23-Jährige war auch nicht der Einzige, der seine Grenzen aufgezeigt bekam. "Die Hamburger waren uns in allen Belangen überlegen", traf Innenverteidiger Gonther den Nagel ebenso auf den Kopf wie Clemens Fandrich, der von "naiven Gegentoren" sprach.

Dirk Schuster brachte für den gesperrten Calogero Rizzuto auf der linken Abwehrseite wie erwartet Kusic. Im Offensivbereich überraschte er mit der Aufstellung von Christoph Daferner, der neben dem frischgebackenen Vater Pascal Testroet stürmte. Wirkung erzielte der Coach mit dieser Maßnahme nicht. Die Hausherren versuchten, das Spiel mit aggressivem Anlaufen des Gegners an sich zu reißen. Der erste Jubel, der in der 16. Minute im Volksparkstadion aufbrandete, galt aber dem VfL Osnabrück, der gegen den HSV-Stadtrivalen St. Pauli mit 1:0 in Führung gegangen war.

Zwei Minuten später konnten die Hamburger Anhänger aber einen Treffer ihrer Mannschaft feiern. Josha Vagnoman kurvte auf der rechten Angriffsseite nach innen - gleich vier Veilchen ließen ihn gewähren - und zog trocken ab. Dabei hatten die Gäste doppeltes Pech. Den nicht allzu strammen Schuss fälschte Marko Mihojevic mit dem Rücken ab. Und dass der im Abseits stehende Martin Harnik FCE-Keeper Martin Männel vor der Nase herumsprang, ließ Referee Tobias Reichel trotz heftiger Proteste durchgehen. "Ich habe erst auf der Anzeigetafel gesehen, dass derjenige, der mir die Sicht versperrt hat, ein Hamburger war. Das war eine eindeutige Abseitsstellung", sagte Männel, der wie alle Auer jedoch von einem verdienten Sieg des Ex-Bundesliga-Dinos sprach.

Die Erzgebirger versuchten nach dem Rückstand immerhin, eine schnelle Antwort zu geben. Daferner (24.) fand mit einem Kopfball jedoch in HSV-Torhüter Heuer Fernandes seinen Meister. Viel mehr Gefahr strahlte der FCE nicht aus, zudem schlief die eigene Defensive in der 32. Minute komplett. Ein langer Ball von Rick van Drongelen segelte über die letzte Kette der Auer, Harnik legte quer zu Lukas Hinterseer, der ohne Mühe einschieben konnte. "Ein guter Diagonalball war das nicht unbedingt, aber von uns war es einfach schlecht verteidigt", meinte Gonther selbstkritisch.

Nahezu ein Abbild des 2:0 war das vorentscheidende 3:0 (47.) kurz nach der Pause. Der 20-jährige Niederländer van Drongelen schlug erneut seelenruhig einen langen Ball auf die rechte Seite. Dort stand Kusic viel zu weit weg von Harnik, der in seinem Rücken lauerte und dem an diesen Tag bedauernswerten Männel keine Chance ließ. Auch beim vierten Gegentreffer durch Aaron Hunt (62.) traf ihn keine Schuld, vielmehr verhinderte er in der 71. Minute erneut gegen den HSV-Kapitän sogar einen weiteren Gegentreffer. "Verdient verloren", konstatierte auch Testroet, der aber schnell auf das am kommenden Sonntag anstehende Derby gegen Dynamo Dresden blickte. "Das ist unser täglich Brot, der HSV nicht. Hier darf man verlieren", sagte der Stürmer, der am Sonnabendvormittag Vater ein Tochter (Paulina) geworden war. Wenigstens ein freudiges Ereignis.

Statistik HSV: Heuer Fernandes - Vagnoman, Jung, van Drongelen (V), Leibold - Hunt, Fein, Dudziak (72. Ameachi) - Harnik (60. Jairo), Hinterseer (81. Wood), Kittel. Aue: Männel - Kalig, Gonther, Mihojevic, Kusic (50. Strauß/V) - Baumgart, Riese, Fandrich (V), Hochscheidt - Testroet (73. Krüger), Daferner (V/46. Nazarov) SR: Reichel (Stuttgart). Zu.: 44.021. Tore: 1:0 Vagnoman (18.), 2:0 Hinterseer (32.), 3:0 Harnik (47.), 4:0 Hunt (62.)

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