Seine Gegenspieler waren immer die torgefährlichsten Stürmer des jeweiligen Kontrahenten – eine Aufgabe, die Frank Uhlig mochte. Am 8. Dezember wird der ehemalige FCK-Verteidiger 70 Jahre alt. Seinem Club ist er nach wie vor treu.
Wenn Frank Uhlig heutzutage auf der Ehrentribüne des CFC-Stadions sitzt, sieht er ziemlich mittelmäßigen Viertligafußball. Einem, der durch und durch mit dem himmelblauen Virus infiziert ist, muss das wehtun. Am Montag wird Uhlig 70 Jahre alt. Und es tut ihm weh. „„Es ist momentan leider nicht schön. Ziel der Mannschaft sollte es sein, sich weiter zu entwickeln um das Ziel Dritte Liga nicht aus den Augen zu verlieren. Dazu wünsche ich den Jungs viel Erfolg und drücke die Daumen“, sagt der Mann, der bei jedem Heimspiel seines Clubs dabei ist, bei dieser Gelegenheit immer wieder gern mit Mitstreitern aus alten Zeiten fachsimpelt und ein wenig flachst.
„Ein Klassetyp einfach“
Frank Uhlig selbst hat als Verteidiger rund ein Jahrzehnt lang erstklassig gespielt, 237-mal in der DDR-Oberliga für den FC Karl-Marx-Stadt die Schuhe geschnürt. Er war kein Lautsprecher, dafür einer, der immer zuverlässig seinen Job erledigt hat. „Ein Klassetyp einfach“, sagt sein ehemaliger Mitspieler Peter Müller, der sich vor allem an eines erinnert: Uhligs herausragendes Kopfballspiel. Damit war er in der FCK-Abwehr an der Seite von Liberolegende Jürgen Bähringer der Turm in der Schlacht.
Früh erhielt er so auch seinen Beinamen „König der Lüfte“. Das bekamen die besten Angreifer des jeweiligen Gegners stets zu spüren. Joachim Streich, Jürgen Heun, Harald Mothes – egal wie sie heißen, beschattet wurden sie von Frank Uhlig. „Ich habe sehr gern gegen diese großen Namen gespielt, daran konnte ich wachsen“, sagt der Jubilar, „aber man konnte gegen einen wie Achim Streich auch mal alt aussehen. Den hatte man 89 Minuten im Griff, und dann haut er doch noch einen in den Winkel.“ Nur einen Angreifer mochte Uhlig wirklich nicht: Frank Pastor, der erst für den Halleschen FC, dann für den BFC Dynamo stürmte: „Gegen ihn zu spielen, war sehr unangenehm.“ Sehr angenehm ist Frank Uhlig, dass er auch heute noch von den Chemnitzer Fans angesprochen und um Autogramme gebeten wird. „Das macht mich schon ein bisschen stolz“, sagt er. Geboren 1955 in Zschopau, fand Uhlig über Stationen in seiner Heimatstadt und im benachbarten Krumhermersdorf Mitte der 1970er-Jahre den Weg zum FC Karl-Marx-Stadt – dem Verein, der ihn bis heute nicht loslässt.
30 Tore als Verteidiger
Wer Frank Uhlig nur als Abwehrspieler auf dem Schirm hatte, wurde oft überrascht. Denn obwohl er in der Defensive zu Hause war, durfte ihn kein Gegner unterschätzen. Er gehörte zu den torgefährlichsten Verteidigern der Oberliga, 30 Treffer belegen das eindrucksvoll. Von 1976 bis 1985 war er ein fester Bestandteil der FCK-Mannschaft. Er spielte engagiert, fair und mit einer Präsenz, die jeder seiner Trainer – egal ob er Manfred Lienemann oder Manfred Kupferschmied beim Verein oder Rudolf Krause bei der Auswahl hieß – liebte: Uhlig ist kein Mann großer Gesten, aber einer mit großer Verlässlichkeit.
Olympiasilber als Glanzpunkt
Der Glanzpunkt in Uhligs Vita ist olympisch: Mit der DDR-Auswahl gewann der damals 24-Jährige bei den Sommerspielen 1980 in Moskau die Silbermedaille. Die hält er noch heute in Ehren, auch wenn er beim mit 0:1 gegen die Tschechoslowakei verlorenen Finale keine Rolle spielen durfte. Eine zweite Silbermedaille heimste Uhlig mit der Nachwuchsauswahl der DDR bei der Europameisterschaft 1978 in Jugoslawien ein. Seine starken Leistungen dort waren das Sprungbrett zu Olympia.
Ein anderer Höhepunkt seiner Laufbahn war das FDGB-Pokalfinale 1983. Mit einem 1:0-Sieg gegen Carl Zeiss Jena war der FCK in das Endspiel eingezogen. Doch dieser 4. Juni wurde dann der bitterste Tag in Frank Uhligs Karriere: Statt einer Trophäe gab es vor 50.000 Zuschauern im Berliner Stadion der Weltjugend beim 0:4 gegen den 1. FC Magdeburg eine Abreibung. „Es war deprimierend“, blickt der Chemnitzer zurück, „wir hatten uns ganz viel vorgenommen und sind dann so untergegangen.“
Derbyheld beim Sieg in Aue
Es gibt weitaus positivere Erinnerungen. Zum Beispiel an das Derby am 23. September 1978 in Aue: Der FCK kam nach zuvor fünf Niederlagen als Tabellenletzter mit 0:10 Punkten ins Erzgebirge – und besiegte Wismut mit 4:2. Frank Uhlig wurde zum „Spieler des Spieltags“ gewählt. Zwei Tore hatte er zum Karl-Marx-Städter Auswärtssieg beigesteuert – beide per Kopf natürlich.
Seinen Geburtstag verbringt Frank Uhlig in seinem Büro. Noch bis zum 31. März ist er als Filialleiter der Stadtwerke Annaberg in seinem Chemnitzer Büro tätig. Sehr viel gearbeitet wird an diesem Montag freilich nicht. Viele Freunde und Bekannte werden auf einen Snack und ein Gläschen Sekt vorbeischauen – darunter die ganzen alten Haudegen, die Uhlig dann bald auch wieder auf der Ehrentribüne im CFC-Stadion trifft. Und vielleicht gibt es ja auch dort irgendwann mal wieder etwas zu feiern.







