Mika Clausen ließ die Riesenchance auf das Führungstor liegen.
Mika Clausen ließ die Riesenchance auf das Führungstor liegen. Bild: PICTURE POINT
FC Erzgebirge Aue
Erzgebirge Aue verliert nach Lord-Patzer, Pepic-Tor und Malone-Rot gegen Dotchevs SSV Ulm

Nach einer schwachen zweiten Halbzeit haben die Veilchen das Duell gegen Ex-Coach Pavel Dotchev verloren. Aue steht nun wieder im Tabellenkeller. Die „Freie Presse“ liefert die Geschichten zum Spiel.

Aue.

Im ersten Heimspiel des Jahres war der FC Erzgebirge gegen den SSV Ulm gefordert. Ein Duell zweier Abstiegskandidaten; ein Duell mit Sechs-Punkte-Spiel-Charakter. Ein Aufeinandertreffen mit Ex-Aue-Chefcoach Pavel Dotchev. Die Erzgebirger wollten diese Begegnung unbedingt gewinnen, um dem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf auf neun Punkte davonzuziehen und den Anschluss ans Tabellenmittelfeld herzustellen. Die Dotchev-Elf aus Ulm hingegen wollte drei Punkte aus dem Lößnitztal entführen, um den Rückstand auf das rettende Ufer zu reduzieren. Am Ende passierte Letzteres: In der Vorwoche in Rostock noch wie ein guter Drittligist aufgetreten, konnte die Elf von Cheftrainer Jens Härtel nicht an die letzte Leistung anknüpfen und unterlag mit 0:3 (0:0). Die „Freie Presse“ liefert die Geschichten zum Spiel.

Die Rückkehr ins alte Wohnzimmer: Nicht nur für Trainer Dotchev ging es zurück ins alte Wohnzimmer, sondern auch für drei Ex-Aue-Kicker, die nun für die Spatzen auflaufen: Mirnes Pepic, Niko Vukancic und Elias Löder. Für alle war die Rückkehr ins Erzgebirge emotional, allesamt wurden sie im Erzgebirgsstadion freundlich in Empfang genommen; allesamt aber wollten sie nur eines: drei Punkte. Und genau das wollten die Veilchen verhindern. Aue-Angreifer Marcel Bär, der in den letzten beiden Jahren auch abseits des Platzes insbesondere zu Mirnes Pepic ein freundschaftliches Verhältnis pflegte, sagte im Vorfeld gegenüber der „Freien Presse“: „Ich freue mich natürlich, Pavel und Mirnes wiederzusehen. Aber die Situation lässt nichts anderes zu, als auf dem Platz in den 90 Minuten überhaupt nichts zu verschenken. Wir werden Einhundert Prozent geben.“

Der Glücklose: Offensivspieler Julian Günther-Schmidt wartet im Erzgebirge noch darauf, dass der Knoten platzt. Woche für Woche bemüht sich der Fußballer mit der Trikotnummer 10 und lässt regelrecht sein Herz auf dem Platz, um seiner Mannschaft mit Toren oder Vorlagen zu helfen. Bislang bleibt der 31-Jährige in seinen Aktionen aber glücklos – und so war es auch am Samstagnachmittag. Es war der erste Aufreger der Partie: Nach einem langen Ball der Hausherren eilte Ulm-Keeper Max Schmitt weit aus seinem Kasten und wollte vor Julian Günther-Schmidt klären. Allerdings traf der Torhüter die Kugel nicht. Günther-Schmidt rannte hinterher, um den Ball ins verwaiste Tor zu schießen, wurde allerdings rechtzeitig vom hinzugeeilten Ulm-Verteidiger Marcel Seegert mit einem harten aber fairen Tackling gestoppt. Nicht nur blieb so der Patzer des Gegner unbestraft, sondern Günther-Schmidt verletzte sich auch noch in dieser Aktion und musste ausgewechselt werden. Nach nur zwölf Minuten war die Partie für ihn beendet.

Ein folgenschwerer Fehlschuss: An den starken Auswärtsauftritt in Rostock konnten die Erzgebirger gerade in diesem so wichtigen Heimspiel nicht anknüpfen. Aue spielte phasenweise mutlos. Der unbedingte Wille, drei Punkte auf Biegen und Brechen im Lößnitztal zu behalten, fehlte teilweise. Aue hatte zwar im ersten Durchgang mehr Spielanteile und ein Chancenplus, machte daraus aber nichts. Sinnbildlich waren ein Dutzend Standardsituationen, die allesamt nichts einbrachten. Die Riesenchance, die für einen anderen Spielausgang hätte sorgen können, ließ Mika Clausen liegen. Aue konterte nach 36 Minuten im eigenen Stadion. Nach Vorarbeit von Pascal Fallmann dribbelte Clausen 50 Meter lang auf das Ulmer Gehäuse zu und hatte dabei offenbar zu viel Zeit, um nachzudenken. Er schob die Kugel nichts ins Tor, sondern daneben. Die Zuschauer konnten es nicht fassen.

Lord-Patzer und Pepic-Tor: Es kam, was kommen musste. Unmittelbar nach Wiederanpfiff leistete sich Louis Lord, der erneut statt Martin Männel zwischen den Pfosten stand, einen Schnitzer nach einem Ulmer Standard. Er konnte den Ball nicht festhalten, Seegert bestrafte den Patzer (48.) zur Führung für die Gäste. Und es kam noch dicker: Mirnes Pepic, bis Sommer vergangenen Jahres noch in Aue, erzielte ausgerechnet an alter Wirkungsstätte seinen ersten Treffer im neuen Trikot (54.). Es war der Stimmungskiller im Erzgebirgsstadion. Und die Ulmer, die als Tabellenvorletzter angereist waren, feierten ausgelassen. Nur einen Sieg hatten die Spatzen aus den letzten sechs Spielen geholt.

Malone fliegt vom Platz: Zu allem Überfluss mussten die Auer das Spiel in Unterzahl zu Ende bringen. Ryan Malone, Mannschaftskapitän an diesem Tag, rauschte mit hoher Intensität und Dynamik in einen Zweikampf und holte 2:0-Torschütze Mirnes Pepic von den Beinen. Der Ex-Auer wälzte sich vor Schmerzen auf dem kalten Rasen, Schiedsrichter Florian Lechner zeigte Malone die Rote Karte (65.). Wenn das Spiel nicht schon mit dem 0:2 entschieden war, dann war es jetzt soweit.

Fans haben genug gesehen: Kurz vor dem Spielende erzielte der eingewechselte Ex-Auer Elias Löder sogar noch den dritten Treffer für den SSV Ulm. Die aktive Fanszene, die lange trotz des Rückstandes noch lautstark mitgesungen hatte, stellte nun den Support ein. Die Fans auf den anderen Tribünen verließen noch vor Abpfiff frustriert das Stadion. Minuten später folgte ein Pfeifkonzert.

Statistik
Aue: Lord - Fallmann (67. Barylla), Malone, Zobel, Collins - Fabisch, Uhlmann - Clausen, Günther-Schmidt (12. Tashchy/80. Weinhauer/V), Ehlers (67. Stefaniak) - Bär (80. Bornschein)
Ulm: Schmitt - Meier, Seegert (V/77. Vukancic), Mazagg (V), Kölle (V) - Pepic (87. Westermeier), Dressel - Chessa, Brandt (V), El-Zein (77. Löder) - Röser (77. Becker)
SR.: Lechner (Hornstorf). Zuschauer: 6838. Tore: 0:1 Seegert (48.), 0:2 Pepic (54.), 0:3 Löder (90.). Rot: Malone (65./grobes Foulspiel)

 
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