Finn Hetzsch bei seinem Profidebüt für die Veilchen am 29. Spieltaggegen Saarbrücken.
Finn Hetzsch bei seinem Profidebüt für die Veilchen am 29. Spieltaggegen Saarbrücken. Bild: IMAGO / Picture Point
FC Erzgebirge Aue
FC Erzgebirge: Ein großer Traum und viele Schicksalsschläge für Aue-Debütant Finn Hetzsch

Finn Hetzsch hat für den FC Erzgebirge Aue kürzlich in der 3. Liga debütiert. Nach mehreren Schicksalsschlägen war diese Entwicklung nicht mehr selbstverständlich.

Aue.

Finn Hetzsch war zehn Jahre alt, als sich seine Eltern trennten und er aus Berlin mit seiner Mutter nach Waldenburg ins Erzgebirgsvorland zog. Was ihm in dieser Zeit auch half, war die Leidenschaft für den Fußball. Mit 13 zog er ins Nachwuchsleistungszentrum des FC Erzgebirge. "Anfangs war das nicht leicht. Auf einmal war man allein, musste Hausaufgaben allein erledigen, allein lernen. Aber ich habe mich relativ schnell eingelebt, weil auch alles sehr familiär gestaltet ist", erinnert sich Finn Hetzsch.

Alle Jugendteams in Aue durchlaufen

Er durchlief die Jugendmannschaften des FCE. In der U14 und U15 noch auf den Spielpositionen des Sechsers und Achters, ging es nun nach vorn, auf den rechten Flügel. "Da kann ich meine Stärken ausspielen": schnell und geradlinig sei er schließlich, sagt "Hetzscher", wie er seit der U17 genannt wird, über sich selbst. Das Talent fiel schnell auch den Trainern auf: Als jüngerer Jahrgang der U19 absolvierte Hetzsch die ersten Übungseinheiten und Testspiele mit den Profis.

Das Rezept: Beständigkeit und Ehrgeiz

"Vergangenes Jahr hat es dann richtig Fahrt aufgenommen. Unter Carsten Müller habe ich schon sehr viel mittrainiert und war auch die ersten Male im Kader."

Beständigkeit und Ehrgeiz zahlten sich aus, als Finn Hetzsch im Februar 2023 mit 18 Jahren seinen ersten Profivertrag in Aue unterschreiben durfte: "Das war natürlich sehr besonders: Wenn man schon eine lange Zeit seines Lebens hier verbracht hat - und dann darf man seinen ersten Vertrag unterschreiben."

Doch das Schicksal schlug erneut zu: Am 1. April 2023 blieb Hetzsch bei einem Spiel der A-Junioren in Luckenwalde im Rasen hängen. Diagnose: Schien- und Wadenbeinbruch.

"Ich dachte: Es ist vorbei!"

"Der Moment, als es passiert ist, als ich da lag, dachte ich: Es ist vorbei! Man sieht sein Bein, was kreuz und quer dort steht und man hat unglaubliche Schmerzen. Das war ein Schockmoment!" Am nächsten Tag wurde er operiert. "Wenn man es gerade geschafft hat Profi zu werden, soll eine Verletzung nicht das Ende sein."

Für Finn Hetzsch begann die Reha, nach zwei harten Monaten der erste Erfolg. "Wieder ohne Krücken laufen zu können, war für mich so ein Moment, an dem ich für mich gemerkt habe: Es ist nicht vorbei!"

Der Weg blieb lang und weit, doch der Zuspruch von den Fans, Freunden und Familie gab ihm noch "den extra Kick", um noch härter am Comeback zu arbeiten. "Der beste Moment war, als ich wieder mit den anderen auf dem Trainingsplatz stand." Hetzsch kam, wie er sagt, "von 0 auf über 100": nach neun Monaten ohne Pause wieder zurück ins Profigeschäft.

Am 29. Spieltag der 3. Liga war es soweit, zur Pause lag der FC Erzgebirge in Saarbrücken mit 0:2 hinten. "Es hieß nach der Halbzeit: Macht euch bereit, es kann sein, dass ihr kommt."

"Es kribbelt kurz"

In der 77. Minute wurde Finn Hetzsch für Sean Seitz eingewechselt. "Es kribbelt kurz, man ist kurz aufgeregt - aber sobald ich auf dem Platz war, war die Aufregung weg. Das war der nächste besondere Moment meiner Karriere."

Neben Finn kam auch William Kallenbach im Saarland noch zu seinem Profidebüt. "Finn und William haben sich den ersten Einsatz mit Trainingsleistung verdient, er wurde ihnen nicht geschenkt", sagt Aues Sportchef Matthias Heidrich.

Neben dem Fußball beginnt Hetzsch im April mit seinem Fernstudium der Sportwissenschaften: "Es war schon immer mein Ziel, dass ich nebenbei irgendwas mache. Wie man durch die Verletzung auch sehen konnte, kann es schnell vorbei sein. Was zum Glück bei mir nicht der Fall war."

Trotzdem liegt Finn Hetzschs Fokus weiterhin auf dem Profifußball. Nach der Karriere kann der 19-Jährige sich gut vorstellen, als Trainer zu agieren oder im Nachwuchsleistungszentrum zu arbeiten. Doch bis es soweit ist, liegt hoffentlich noch eine erfolgreiche Zeit vor ihm - ganz ohne weitere Schicksalsschläge.

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