Der FC Erzgebirge hat das Ostderby gegen Energie Cottbus verloren. Für Aufregung sorgte eine Spielunterbrechung zu Beginn der zweiten Hälfte. Die „Freie Presse“ liefert die Geschichten zum Spiel.
Wismut-Wetter, eine fünfstellige Kulisse und ein früher Führungstreffer: Eigentlich sprach zunächst alles für einen extrem wichtigen Derbysieg des FC Erzgebirge gegen Energie Cottbus. Doch dann kamen zwei Standards der Lausitzer. Aue verliert mit 1:2 (1:1) gegen den Spitzenreiter und steht nun vier Punkte hinter dem rettenden Ufer. Die Luft wird immer dünner; die Abstiegssorgen immer größer. Die „Freie Presse“ liefert die Geschichten zum Spiel.
Die Kulisse: Es ist ein Prestigeduell. Ein Ostschlager. Und dieses für die Erzgebirger aufgrund der sportlichen Situation so unheimlich wichtige Derby wollten sich die Fans nicht entgehen lassen. 11.774 Zuschauer verfolgten den Ostkracher im Lößnitztal, damit war die Kulisse im Erzgebirgsstadion zum vierten Mal in dieser Spielzeit fünfstellig. Bei den Auftritten gegen Hansa Rostock (0:0), 1860 München (2:0) und Schweinfurt (4:0) blieben die Veilchen vor jeweils mehr als 10.000 Zuschauern ungeschlagen. Diesmal allerdings nicht.
Ein hoffnungsvoller Beginn: Im Erzgebirge herrschte Wismut-Wetter. Der Himmel war grau, es regnete. Es war nass und kalt – eklig eben. Und eklig wollte auch die Mannschaft von Cheftrainer Christoph Dabrowski auf dem Rasen sein. „Für jede Mannschaft, die hierherkommt, muss es eklig sein“, verdeutlichte Stadionsprecher Mario Dörfler mit seiner Fanansage vor dem Anpfiff. Und tatsächlich waren die Erzgebirger in den Anfangsminuten unangenehm zu bespielen. Aue war zweikampfstark, agierte extrem leidenschaftlich und überraschte die Zuschauer sogar mit Zauberfußball. Gefällig kombinierte sich die Dabrowski-Elf durch die Cottbusser Hintermannschaft, Mika Clausen setzte nach einem tollen Kombinationsspiel im Tiki-Taka-Stil mit einem Kurzpass Marcel Bär in Szene, der tanzte Verteidiger King Manu aus und schlenzte den Ball sehenswert von der Strafraumgrenze in den Winkel. Nach fünf Minuten führten die Erzgebirger, das Erzgebirgsstadion verwandelte sich in ein Tollhaus.
Die Fünf-Minuten-Phasen: Auf diese hoffnungsvollen ersten fünf Minuten folgte aber erst einmal der Cottbusser Dauerdruck. Es spielte nur noch der Tabellenführer. Die Elf von Claus-Dieter „Pele“ Wollitz schnürte die Veilchen in der eigenen Hälfte ein. Aue bekam gar keine Entlastung und leistete sich im Spiel mit dem Ball zu viele Fehler. Deshalb dauerte es auch nur sieben Minuten, bis die Lausitzer zum Ausgleich kamen. Der großgewachsene Manu King sprang nach einer Flanke – nachdem die Dabrowski-Elf einen Eckball nicht klären konnte – am höchsten und köpfte zum 1:1 ein (12.). Und so ging es auch weiter: Es spielte nur Cottbus, es bot sich ein Klassenunterschied, Aue konnte nichts entgegensetzen – zumindest bis zur Schlussphase der ersten Hälfte. In den letzten fünf Minuten wurden die Veilchen wieder aktiver. Chancen brachten auf beiden Seiten nichts ein. So war es zunächst das Spiel der Auer Fünf-Minuten-Phasen.
Die Spielunterbrechung: Es war über die gesamten 90 Minuten eine extrem spannende Partie. Es war ein Kracherspiel. Doch zu Beginn der zweiten Halbzeit gab es unschöne Szenen: es kam zu einer Spielunterbrechung. Ursächlich hierfür waren von den mitgereisten Cottbus-Anhängern provozierte Tumulte. Nach 51 Spielminuten hatte der Gäste-Anhang Banner mit der Aufschrift „Cottbus grüßt alle fahnenlosen Schachter – auf der Suche nach ihrer Identität!“ hochgehalten. Daraufhin versuchten Aue-Anhänger sowohl aus der Gegengerade als auch aus der Westkurve zum Gästeblock zu gelangen und stürmten den Rasen. Die Sicherheitskräfte eilten ins Stadion und deeskalierten die aufgeheizte Situation. Hintergrund der ganzen Tumulte: Ende November des vergangenen Jahres waren die Führungsgruppen der Aue-Ultras in privatem Umfeld überfallen und dabei sämtliche Zaunsfahnen und Banner entwendet worden. Zuletzt verhärtete sich der Verdacht, Cottbus-Anhänger würden dahinterstecken. Die Provokationen im Erzgebirgsstadion brachten damit das Fass zum Überlaufen. Der Stadionsprecher forderte die Fans auf, sich nicht provozieren zu lassen. Um 17.53 Uhr wurde die Begegnung nach 15-minütiger Unterbrechung fortgesetzt.
Zwei Standards: Nach der Spielunterbrechung war Aue viel besser im Spiel und kam das ein oder andere Mal brandgefährlich in den Cottbusser Strafraum. Was allerdings fehlte war das Glück im Abschluss; das Fortune, das ein Team im Abstiegskampf braucht. Und so kam es ganz dick für die Erzgebirger: Axel Borgmann traf nach einer Tolcay-Cigerci-Ecke nur wenige Minuten vor dem Spielende. Zwei Standards brachten die Dabrowski-Elf um den Ertrag und setzten Aue ganz böse im Abstiegskampf zu.
Statistik
Aue: Männel - Fallmann (V), Malone, Zobel, Collins (88. Ocansey) - Fabisch - Clausen (88. Schmid), Guttau (69. Günther-Schmidt), Stefaniak - Ehlers, Bär
Cottbus: Funk - Straudi, Awortwie-Grant, Manu, Lucoqui - Michelbrink (60. Tolga Cigerci), Pelivan (80. Butler), Borgmann - Hannemann (60. Moustfa), Engelhardt, Tolcay Cigerci (89. Cvjetinovic)
SR.: Benen (Nordhorn). Zuschauer: 11.774 Tore: 1:0 Bär (5.), 1:1 Manu (12.), 1:2 Borgmann (87.)





