Junger Verein schafft Spagat zwischen Turnen und Artistik

Ihr Name sei Programm - sagen die Mitglieder von "Showact". Sie verbinden Sport und Unterhaltung auf gekonnte Art und Weise. Dabei geraten sie aber auch an ihre Grenzen.

Luna ist ein aufgewecktes Mädchen. Die Neunjährige grinst unentwegt, als sie von ihrer bisherigen sportlichen Karriere erzählt. Sie war schon beim Schwimmen, bei der Leichtathletik, beim Ringen und hat sich auch in Ballsportarten versucht. "So richtig gefällt es mir aber hier bei den Artisten", sagt sie. Mit ihrer Show, einer Turnübung auf einem riesigen Tisch, konnte Luna vor wenigen Tagen das Publikum im Rahmen der diesjährigen Jugendsportlerehrung des Stadtsportbundes begeistern - wobei sie dort noch schüchtern und etwas aufgeregt wirkte. "Es war einer ihrer ersten großen Auftritte, aber sie gehört ja auch zu unseren jüngsten Vereinsmitgliedern", sagt Lukas Schlegel.

Der 21-Jährige leitet die Abteilung Showact beim Ersten Artistenverein Chemnitz (EAVC). Seit fast drei Jahren gibt es den Club, derzeit arbeiten die etwa 30 Mitglieder daran, bekannter zu werden und mehr Auftritte zu bekommen. Und sie stellen sich dabei richtig gut an, denn das Publikum ist immer wieder fasziniert vom Können der jungen Athleten. Auch Marlene und Joann zeigten bei der Jugendsportlerehrung in der Galerie Roter Turm eine Show - die Elf- und die Zwölfjährige turnten auf übereinandergestapelten Stühlen in mehreren Metern Höhe. Sie sorgten dabei zunächst für angespannte Ruhe und bewundernde Blicke und später für tosenden Applaus. "Dabei waren wir ordentlich aufgeregt", sagten die Mädchen.

"Aus unserer Sicht gibt es im Turnsport eine große Lücke zwischen Leistungs- und Breitensport. Diese versuchen wir zu schließen, dazu wollen wir die Leute mit unseren Shows unterhalten", sagt Lukas Schlegel. Die Abteilung des Vereins, die mit eigenen Programmen auftritt, heißt deshalb auch Showact. Mit dem Zusatz: "Der Name ist Programm." Neben Auftritten bei größeren Sportveranstaltungen oder verschiedenen Galas organisieren die Sportler auch eigene Varieté-Shows im Pentagon3. "Auch in diesem Jahr wird es wieder solche Shows geben, wir arbeiten derzeit am Programm dafür", sagt Schlegel, der selbst unter anderem mit einer Trapeznummer dabei ist.

Eines der neuesten Elemente wird dabei die "Flying Pole" sein - das ist eine Polestange, die nicht im Boden verankert ist, sondern nur am oberen Ende hängt. Daran turnt mit Julia Hänel eine junge Frau, die aus dem Leistungsturnen kommt und beim EAVC auch als Trainerin aktiv ist. Dass diese Nummer in luftiger Höhe zum Beispiel bei der Preisverleihung für die besten Chemnitzer Nachwuchssportler nicht gezeigt werden konnte, hat einen einfachen Grund: Logistisch stoßen die Mitglieder von Showact immer dann an ihre Grenzen, wenn sie nicht genügend Platz oder Aufbauzeit haben. "Bei der Jugendsportlerehrung war das sozusagen unser ,kleines Besteck', mit dem wir mal gezeigt haben, was unsere Jüngsten so können", sagt Lukas Schlegel. "Wenn wir alles zeigen wollen, müssen wir unsere große Traverse aufbauen - und da steckt schon richtig Aufwand dahinter."

Und auch bei den Trainingseinheiten sind die Kinder und Jugendlichen der Artistenabteilung - zum EAVC gehört auch noch eine Sektion Volleyball - richtig gefordert. Intensives Warmlaufen und ausgiebiges Dehnen sind wichtig, um die anspruchsvollen Übungen durchführen zu können. "Wir haben in erster Linie Mädchen bei uns", sagt Schlegel. "Die Jungs werden wohl davon abgeschreckt, dass das Training hier deutlich härter und anstrengender ist als bei jedem Fußballverein."

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