Mit Rübezahl für Völkerverständigung

Der Berggeist des Riesengebirges hat den Ellefelder Horst Teichmann schon als Kind fasziniert. Jetzt veröffentlicht er ein Buch über dessen Heimat - zur besonderen Freude eines Reumtengrüners mit böhmischen Wurzeln.

Auerbach/Ellefeld.

Es begann mit einem Dia-Projektor, durch den Horst Teichmann (80) in der Kindheit gerne schaute. "Zwei Filmstreifen hatten es mir besonders angetan", berichtet der Ellefelder Heimatforscher. "Der eine zeigte Landschaftsaufnahmen aus dem Riesengebirge, der andere Darstellungen des Berggeistes Rübezahl." Das Gebirge an der Grenze zwischen dem heute polnischen Niederschlesien und dem tschechischen Böhmen hat ihn seitdem nicht mehr losgelassen. Ebenfalls noch als Kind lernte er einen Vertriebenen aus dieser Gegend kennen, der eine Ansichtskarte seiner Heimat gerettet hatte. Zu DDR-Zeiten fuhr Teichmann so oft es ging in das Urlaubsgebiet an der Schneekoppe. Und der Ellefelder begann, alles zum Thema Riesengebirge zu sammeln - allein 800 bis 900 alte Ansichtskarten trug er zusammen. Die schönsten sind in einem Buch vereint, das im Dezember veröffentlicht wurde: "Grüße aus Rübezahls Reich" heißt das Werk aus der Morgana-Edition.

Einer der ersten, die das Buch in die Hand bekamen, ist Herbert Gall (81), Vorsitzender des Bundes der Vertriebenen (BdV) im Vogtlandkreis. Bei ihm weckt es Erinnerungen: Er stammt aus dem böhmischen Riesengebirgs-Ort Svoboda, der früher den deutschen Namen Freiheit trug. Gall war sieben, als er mit Mutter und drei kleinen Geschwistern im Juni 1945 von dort vertrieben wurde - zum Packen blieben ihnen 20 Minuten, dann wurden sie in Züge gestopft. "Rache trifft immer die Falschen", meint Gall. Er findet es gerade im 75. Jahr des Kriegsendes wichtig, an die damaligen Ereignisse zu erinnern. Und betont, dass es die Vertreibungen ohne den von Deutschland angezettelten Krieg nie gegeben hätte. Auch Horst Teichmann hebt hervor: "Das Zusammenleben der verschiedenen Völker funktionierte dort über Generationen ausgezeichnet - bis die Nazis kamen." Umso wichtiger ist Gall und Teichmann heute die objektive Aufarbeitung der Geschichte. Dafür gebe es längst auch auf der tschechischen Seite großes Interesse von unvoreingenommenen jungen Leuten, heben sie hervor, zum Beispiel durch die Prager Gruppe "Anti-Komplex".

Galls Wohnort Reumtengrün hat auf seine Initiative hin enge Kontakte zur Gemeinde Svoboda/Freiheit geknüpft, im Oktober war eine Delegation aus dem Ort zu Gast bei der Reumtengrüner Kirmes. Mit ihr besuchte Gall auch die Dauerausstellung über Flucht und Vertreibung im Auerbacher Museum: "Die Tschechen waren interessiert und begeistert." Im März soll der Gegenbesuch der Vogtländer in Svoboda folgen, dann will man eine Partnerschaftsvereinbarung unterzeichnen - und sicher auch in den "Grüßen aus Rübezahls Reich" schmökern, die die deutsche Historie der Region illustrieren. Zum Glück seien die einstigen Tabus überwunden und man dürfe über das damalige Geschehen sprechen, sagen Gall und Teichmann. Doch es gebe nur noch wenige Zeitzeugen. "Vielleicht können wir einige Schülerprojekte dazu anschieben - so wie zum 70. Jahrestag des Kriegsendes, als es besonders in Falkenstein ein großes Echo gab", hofft Herbert Gall. Für ihn ist das einstige Freiheit und heutige Svoboda im Riesengebirge immer die Heimat geblieben - auch wenn er nur die ersten Jahre seines Lebens in Rübezahls Reich leben durfte.

Das Buch "Grüße aus Rübezahls Reich" ist in der Morgana-Edition erschienen, hat 238 Seiten und kostet 29,50 Euro. Die ISBN-Nr. lautet 978-3-96643007-4.

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