Der geplatzte Traum vom Hotel und seine langfristigen Folgen

Vom 13. bis 15. Dezember ist Klingenthal wieder Gastgeber für den Skisprung-Weltcup. Gerechnet wird mit 8000 Besuchern - und damit viel weniger als einst kalkuliert. Wird die Arena vielleicht sogar verkleinert?

Klingenthal.

Vom 13. bis 15. Dezember macht der Skisprung-Weltcup wieder in Klingenthal Station - mit Qualifikation, Teamspringen und Einzel. Am 12. Dezember wird es auf dem Marktplatz zudem eine Begrüßungsparty geben. Alexander Ziron als Chef der Betreibergesellschaft der Vogtland-Arena rechnet bei den Wettkämpfen mit bis zu 8000 Besuchern. Eine höhere Zahl sei derzeit nicht realistisch, meinte er im Gespräch mit "Freie Presse".

Als Grund nennt er die geringe Zahl an Übernachtungsmöglichkeiten in der Region. In die Bilanz des Sächsischen Statistischen Landesamtes fließen für Klingenthal die Angaben von 17 Beherbergungsstätten ein, die insgesamt über etwa 650 Gästebetten verfügen.

Was diese Bettenzahl betrifft, so liegt Klingenthal hinter Bad Elster (über 2300), Schöneck (rund 1200) und Plauen (etwa 842) auf Platz vier, gefolgt von Auerbach (646) und Bad Brambach (564). Für Wettkämpfe in Klingenthal werden selbst in Bad Brambach Betten belegt. Allein gut 150 Betten braucht man beim Skisprung-Weltcup für die Teams.

Als die Vogtland-Arena 2006 eingeweiht wurde, gab es Pläne für ein 160-Betten-Hotel am Hang gegenüber der Sportanlage. Fördermittel hätte es vom Freistaat gegeben. Aber mehr als ein Dutzend potenzieller Betreiber lehnten ab. Das Problem, mit dem sich der damalige Bürgermeister Rainer Schneidenbach konfrontiert sah: Keine der großen Ketten wollte in Klingenthal ein Hotel betreiben. Deren Grundaussage war, dass ein Hotel dieser Größe pro Jahr 10 bis 15 Prozent Rendite abwerfen müsse. Diese Größenordnung sei jedoch nicht zu erzielen.

Parallel zu den Hotelplänen gab es ein Bahnprojekt. Die Deutsche Bahn wollte bis 2011 wieder ein zweites Gleis sowie ein Abstellgleis verlegen, damit Sonderzüge nach Klingenthal fahren könnten. Davon profitieren sollten auch touristischen Vorhaben der grenzüberschreitenden Mikroregion, die Klingenthal 2008 mit den damals noch selbstständigen Gemeinden Zwota, Tannenbergsthal sowie Morgenröthe-Rautenkranz und den tschechischen Kommunen Graslitz/Kraslice, Bublava/Schwaderbach und Stríbrna/Silberbach gebildet hatte. Mit 1,6 Millionen Euro war das Projekt veranschlagt. Der Zweckverband ÖPNV Vogtland bewilligte einen Zuschuss von 150.000 Euro zu den von Klingenthal benötigten Eigenmitteln, die bei 400.000 Euro lagen. Zunächst gab es keine Fördermittel, dann musste die Stadt ihr Geld in die Sanierung einer Kita stecken.

Laut Alexander Ziron gibt es Ideen, auf die Situation mit den Besucherzahlen zu reagieren und das Fassungsvermögen der Vogtland-Arena (bislang über 20.000) zu reduzieren - analog dem Stadion im polnischen Wisla, das 8000 Zuschauer fasst. Dort erfolgt am 22. November der Auftakt für die Weltcupsaison. Klingenthal wird die vierte Station sein - nach Kuusamo (Finnland) und Nischni Tagil (Russland).

Auch Landrat Rolf Keil (CDU) hat Pläne für die Umgestaltung der Vogtland-Arena, wie er am Montag beim symbolischen Baubeginn für das stationäre Windsegel sagte. Keil hat dabei vor allem Veränderung im Bereich des VIP-Zeltes und der Hütten des Athletendorfes im Blick.

Tickets für den Weltcup gibt es in den "Freie Presse"-Shops. Dauerkarten kosten mit Pressekarte 48,20 Euro. Es gibt auch Tageskarten.

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