Ein Leichtgewicht ist Janek mit seinen sechs Jahren schon lange nicht mehr. Dennoch trägt ihn sein Vater André regelmäßig die Treppe hoch, weil dort oben sein Zimmer ist. Der Papa tut es gern für sein Kind. Doch mit jedem Kilo mehr wird es für ihn anstrengender.
Ein Leichtgewicht ist Janek mit seinen sechs Jahren schon lange nicht mehr. Dennoch trägt ihn sein Vater André regelmäßig die Treppe hoch, weil dort oben sein Zimmer ist. Der Papa tut es gern für sein Kind. Doch mit jedem Kilo mehr wird es für ihn anstrengender. Bild: Carsten Steps
Reichenbach
Aktion "Leser helfen": Warum für Janek aus Brockau an der Treppe Schluss ist

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Der sechsjährige Janek Schaller aus Brockau hat eine seltene Erbkrankheit. Er braucht ein barrierefreies Zimmer, um von dort aus mit dem Rollstuhl ins Freie zu gelangen. Die Leser der "Freien Presse" können ihm dabei helfen.

Brockau.

Auf den ersten Blick sieht Janek aus wie ein ganz normales Kind. Er spielt mit zwei seiner Geschwister auf dem Fußboden. Dann passiert es. Der Sechsjährige klappt plötzlich nach hinten, der Kopf fällt gegen den Schrank. Papa André springt sofort hin und drückt die Hand auf den Kopf. Janek scheint unbeeindruckt. Zu oft ist ihm schon Ähnliches oder Schlimmeres passiert. Marek (8) und Janine (4) halten kurz inne, ehe sie sich wieder dem Spiel zuwenden. Und ihrem Bruder, der im Wohnzimmer Plüschtiere und Spielzeug an einer Stelle platziert hat, an später die Tür zu seinem künftigen Zimmer liegen soll. Dieses ist in einem Anbau geplant. Ein Zimmer, dass die Unterstützer der Aktion "Leser helfen" möglich machen können.

Janek ist das dritte Kind von André und Stefanie Schaller. Die Mutti war gerade mit der Janine schwanger, als ihr auffiel, dass mit ihrem jüngsten Sohn etwas nicht stimmt. Sie wusste durch Nicole (10) und Marek, wie es aussieht, wenn Kinder krabbeln oder zu laufen beginnen. Für die Eltern begann eine mühselige Suche mit vielen Fehlschlägen. Sie konsultierten Ärzte, unterzogen sich und das Kind Untersuchungen, sprachen mit Mitgliedern von Selbsthilfegruppen, rannten von Amt zu Amt, organisierten Spendenaktionen, absolvierten ungezählte Therapien mit ihrem Sohn und glaubten sich auf gutem Weg.

"Wir dachten, dass Janeks gesundheitliche Probleme von der schwierigen Geburt kommen und haben unsere ganze Hoffnung in die Therapien gesetzt", sagt die Mutti. Dafür wurde Geld gesammelt, auch bei Andrés früherem Fußballverein Wacker Plauen. Die Fortschritte, die Janek machte, waren enorm.

Dann plötzlich die Wende: Erlernte Fähigkeiten bildeten sich zurück, Janek konnte nicht mehr mit dem Rollator laufen. Wieder suchten die Eltern ärztlichen Rat und landeten schließlich am Uni-Klinikum Erlangen, wo ein spezielles Verfahren der Gen-Analyse angewandt wird. Im Oktober 2020 dann die Gewissheit: Janek leidet an der seltenen Erbkrankheit Hereditäre Spastische Spinalparalyse, abgekürzt HSP. Hereditär bedeutet vererbbar, Spinalparalyse ist eine vom Rückenmark ausgehende Muskelschwäche, Spastik eine Muskelspannung, die für krampfartige Zustände sorgt. Die Krankheit verläuft degenerativ. Mit anderen Worten: Besser wird es nicht mehr, im Gegenteil. Beide Eltern tragen die Anlage in sich. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei dieser Kombination ein Nachfahre die Krankheit bekommt, liegt bei 25 Prozent.

Stefanie Schaller ist Vollzeitmama und mit der Pflege des Jungen beschäftigt. Ihr Mann kann nicht voll arbeiten, da er oft zu Therapien fahren oder sich um die anderen Kinder kümmern muss. Das Geld ist knapp, große Sprünge sind nicht drin.

Der Umbau des Bads in einen barrierefreien Bereich wurde mit Hilfe von Fördermitteln und verbliebenen Spendengeldern gestemmt. Bei der Toilette legt André Schaller selbst Hand an, um Geld zu sparen. Entsprechend länger dauert es. Die Zeit ohne Schule während Corona verlangte Eltern und Kindern in dem kleinen Brockauer Haus fast Unmögliches ab. Gerade haben sie wieder zwei Wochen Quarantäne wegen der positiv getesteten Schulkinder hinter sich.

Janek wiegt aktuell 21 Kilogramm. Zurzeit schläft er mit Marek in der oberen Etage, erreichbar über eine steile Treppe, die er nicht einmal hochkrabbeln kann. Er muss hinauf- und hinuntergetragen werden. Vor allem frühmorgens gibt es Probleme, wenn er noch schlaftrunken und steif ist und der Papa zur Arbeit muss. Ab September soll Janek die Körperbehindertenschule in Chemnitz besuchen. Ein Umbau des Hauses ist notwendig. Nach der barrierefreien Gestaltung des Außenbereichs kann der Anbau des Kinderzimmers erfolgen. Schätzungsweise 40.000 Euro sind notwendig. "Das wissen wir aber noch nicht, denn die Preise explodieren gerade", sagt der Papa mit Sorgenfalten auf der Stirn. Mit Unterstützung der Aktion "Leser helfen" können diese Falten ein Stück geglättet werden.

Aktion "Leser helfen": Details und Spendenformular finden Sie hier: www.freiepresse.de/leser-helfen-janek

So könnte die Wohnung einmal aussehen! Mutter Stefanie Schaller wälzt am Küchentisch mit ihren Kindern die Pläne.
So könnte die Wohnung einmal aussehen! Mutter Stefanie Schaller wälzt am Küchentisch mit ihren Kindern die Pläne. Bild: Carsten Steps

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